Pinneberg
Rellingen

Tatverdächtiger verweigert Aussage

Mutmaßlicher Brandstifter von Rellingen zündelte unter den Augen der Polizei. André M. in U-Haft

Rellingen. Während der mutmaßliche Brandstifter von Rellingen, André M., weiterhin in Untersuchungshaft sitzt und schweigt, laufen die Ermittlungen der Kripo auf Hochtouren. „Wir hoffen, ihm mehr Vorfälle nachzuweisen zu können als die drei Taten, die Bestandteil des Haftbefehls sind“, so Uwe Dreeßen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, auf Anfrage. Unterdessen wurden neue Details zur Festnahme des 26-Jährigen am Abend des 8. September bekannt.

So soll André M. direkt vor seinem Wohnhaus im Bereich An der Rellau ein Fahrzeug angezündet haben – und das unter den wachsamen Augen von Zivilpolizisten, die dort auf der Lauer lagen. Nachdem der 26-Jährige wieder im Haus verschwunden war, löschten die Beamten sofort das Feuer. Wenig später schaute André M. aus dem Fenster und vermutete, die Flammen seien von selbst erloschen. Er verließ wiederum das Haus und zündete den Wagen, der direkt neben einem anderen Fahrzeug stand, erneut an. Wenig später erfolgte dann die Festnahme. Der Haftbefehl, der am 9. September erlassen wurde, lautet folgerichtig auf dreifache versuchte Brandstiftung.

Mit einem Leben hinter Gitter kennt sich André M. aus. Er war am 2. Juli 2008 wegen mehr als 100 Straftaten, unter anderem wegen Brandstiftungen, Sachbeschädigungen und Reifenstechereien, zu einer dreieinhalbjährigen Jugendstrafe und der Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Klinik verurteilt worden. Im Hauptanklagepunkt, einem angeblich geplanten Bombenanschlag auf das Rellinger Apfelfest, sprach ihn das Gericht frei.

Nach dem Urteil saß der Rellinger mehr als fünf Jahre lang in der geschlossenen Psychiatrie. Am 7. Oktober 2013 verfügte das Landgericht Lübeck die Freilassung von André M., nachdem die Kammer zuvor diesen Schritt noch abgelehnt hatte. Dagegen legte der Rellinger über seinen Rechtsbeistand Beschwerde ein und erhielt Recht. Am 18. Juli 2013 hob das Oberlandesgericht Schleswig die Entscheidung wegen Verfahrensfehlern auf und wies den Vorgang zurück an das Landgericht Lübeck. Die Richter entschieden dann, die Unterbringung des Rellingers zu beenden.

„Laut dem Beschluss war eine weitere Unterbringung unverhältnismäßig“, erläutert Dreeßen das Verfahren. Die Dauer der Unterbringung sei bereits erheblich länger gewesen als die von dem Landgericht Itzehoe verhängte Jugendstrafe. Dreeßen: „Man kann die Täter nicht unbegrenzt einsperren.“ Die damaligen Tatvorwürfe hätten eine längere Unterbringung nicht gerechtfertigt, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter.

Daher kam André M. am 1. Dezember 2013 auf freien Fuß. Wie lange er sich im Anschluss straffrei verhielt, muss nun die Kripo klären. Der erste Brand im Umfeld der Wohnung von André M. datiert von Ende Juni. In der Folgezeit kam es bis zur Festnahme des 26-Jährigen zu diversen Brandstiftungen, vor allem an Autos. Doch auch Sachbeschädigungen wie Reifenstechereien gab es zuhauf. Was fehlt, ist das Beweismaterial, das den Rellinger als Täter überführt und das für eine Verurteilung ausreicht.