Pinneberg
Uetersener Keramiktage

Die Kunst, aus einem Klumpen Ton etwas Schönes zu formen

Bei den Uetersener Keramiktagen präsentierten sich 20 Aussteller aus dem Norden. Kinder durften sich an der Töpferscheibe ausprobieren und ihr Kunstwerk anschließend mit nach Hause nehmen.

Uetersen. Noch funktioniert die Hand-Fuß-Koordination nicht so ganz reibungslos. Hochkonzentriert formt die acht Jahre alte Karlotta aus Hetlingen aus einem Klumpen Lehm ein Gefäß. Dabei vergisst sie manchmal, dass die Drehscheibe mit dem Fuß in Bewegung gesetzt werden muss. Keramiker und Lehrer Joachim Langhein aus Tornesch hilft ihr ein wenig. Stolz präsentiert Karlotta ihrer Mama ihre Töpferware. „Das ist ein Milchkännchen.“ Wenn es gebrannt ist, darf sie es mit nach Hause nehmen. Andere Kinder warten schon, um an der Töpferscheibe Platz zu nehmen und ihren eigenen Tonklumpen Gestalt zu verleihen. Den Ton für die Aktion hat die Firma Mohr aus Barmstedt spendiert.

Die Kunst, aus einem Klumpen Ton etwas Schönes entstehen zu lassen, haben die 20 Keramiker aus Norddeutschland, die sich am Wochenende bei den Uetersener Keramiktagen präsentieren, längst verinnerlicht. Rund um die Scheune vom Museum Langes Tannen konnten Besucher die Arbeit der Künstler bewundern und das ein oder andere Unikat erstehen. Organisiert wurden die zehnten Keramiktage erneut von Gabriela Schramm. Veranstalter ist die Stadt. Joachim Langheins Frau, ebenfalls Keramikerin, hatte 2004 bei Schramm die Idee von einer Keramikschau in idyllischer Umgebung geweckt. „Seitdem kommen jedes Jahr zwischen 1500 und 2000 Besucher“, sagt Schramm. Sie wählt die Aussteller nach strengen Kriterien aus. Auf die Vielfalt komme es an, sagt sie. Zudem seien alle Aussteller Vollprofis mit eigenen Werkstätten, keine Hobbykünstler.

Ihr Können ist facettenreich. So präsentiert Jane Rackow aus Lübeck Tassen und Teller in leuchtendem Rot. „Vor ein paar Jahren, als ich damit anfing, galt das noch als gewagt“, sagt sie lachend. Damals dominierten braun und beige, hin und wieder sah man auch blaue Keramik. „Heute haben viele Menschen den Wunsch nach mehr Farbe.“ Denn so ein knallroter Kaffeebecher am Frühstückstisch verbreitet gute Laune. Den Fuß verziert Rackow mit Mustern, die sie aufmalt oder einritzt.

An einem anderen Stand stellt Stephan Banaschak aus dem niedersächsischen Schortens Öllampen in Form von Baumgeistern aus, Figuren, die er frei Hand modelliert. Er ist zum zweiten Mal bei den Keramiktagen vertreten. „Mir gefällt die familiäre Atmosphäre“, sagt der Künstler. „Abends sitzen wir alle noch gemütlich zusammen, jeder bringt etwas zum Essen oder Trinken mit.“ Vielleicht halten auch deswegen die meisten Aussteller der Rosenstadt seit Jahren die Treue. Hin und wieder stößt auch jemand Neues dazu. In diesem Jahr zeigte Inge Lorenz-Bouchraoni aus Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) Steinzeug, Gartenstelen und Vögel aus Keramik. Originell sind auch die keramischen Pflastersteine von Thomas Gleiss aus Sörup, die eine robuste Zier für jede Auffahrt sind.

Wer beim Schlendern wegen der drückenden Hitze eine Pause brauchte, kehrte im Café Langes Mühle ein oder machte es sich im Schatten eines Baumes mit frischen Waffeln oder einer Portion Pommes gemütlich. Viele Besucher nutzten auch die Zeit, um sich im Museum Langes Tannen die Skulpturen des Bildhauers Pierre Schumann, der vor drei Jahren starb, und die Bilder der Malerin und Galeristin Christiana von Knobelsdorf anzusehen. Die Ausstellung kann noch bis Sonntag, 17. August, besucht werden.