Pinneberg
Barmstedt

Mister Y-Modell geht in Ruhestand

Schulleiter Wolf-Rüdiger Salbrecht hat am Barmstedter Gymnasium Pionierarbeit für das G8-Abitur geleistet

Barmstedt. Er war der erste und bislang einzige Schulleiter des Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasiums. Jetzt geht Wolf-Rüdiger Salbrecht mit 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand. Die Barmstedter Schule wurde 1998 als elftes Gymnasium im Kreis Pinneberg geschaffen. Damals begann der Betrieb mit zwölf Lehrern und 200 Schülern in acht Klassen, erinnert sich Salbrecht an die Anfangszeit. Am Elsa-Brändström-Gymnasium in Elmshorn waren vier Klassen eingerichtet worden, die mit der Fertigstellung der neuen Schule nach Barmstedt wechselten. Heute zählt das Gymnasium 760 Schüler in 31 Klassen, die von 50 Lehrern unterrichtet werden.

Als noch niemand von dem sogenannten Turbo-Abi gehört hatte, wurde es am Carl-Friedrich-von Weizsäcker-Gymnasium bereits getestet. Die Schule gehörte zu jenen zehn Gymnasien in Schleswig-Holstein, die von 2002 an das verkürzte Abitur ausprobierten. Dabei waren auch die beiden Quickborner Gymnasien Elsensee und Dietrich-Bonhoeffer. Besonders gute Schüler wurden in einem Jahrgang zusammengefasst und mussten den Unterrichtsstoff bis zum Abitur in acht statt in neun Jahren lernen. Das habe anfangs ein ungeheures Organisationsgeschick aller Beteiligten erfordert, sagt Salbrecht. „Dieser Modellversuch hat uns damals so überzeugt, dass wir so schnell wie möglich nur noch G8 anbieten wollten.“

Als dann 2008/09 das G8-Abitur verbindlich für alle 100 Gymnasien eingeführt wurde, konnte seine Schulen auf diesen guten Erfahrungen aufbauen. Heute ist das Barmstedter Gymnasium eines von landesweit vier Oberschulen, die weiterhin das sogenannte Y-Modell anbieten. Das heißt, die Eltern können wählen, ob sie ihre Kinder in acht oder in neun Jahren zur Reifeprüfung schicken wollen. Die Wahlentscheidung tendiere aber auch an seiner Schule eindeutig zu G9, sagt Salbrecht. Die 93 Kinder, die zum nächsten Schuljahr angemeldet sind, werden in drei Klassen den G9-Weg gehen, eine Klasse wird das G8-Abitur machen.

Salbrecht wird das nur noch aus der Ferne von Quickborn aus erleben, wo er wohnt. Er nimmt jetzt ein Sabbatjahr, bevor er offiziell in den Ruhestand geht. Der plötzliche Tod seines damaligen jüngeren Stellvertreters Hans-Helmut Sternberg hatte ihn nachdenklich gemacht. „Sein Tod war für uns alle schwer zu verkraften“, erinnert sich Salbrecht. Als ehemaliger Stadtvertreter der SPD habe Sternberg den Kontakt zum Schulträger, der Stadt Barmstedt, gut gepflegt. Seine jetzige Stellvertreterin Gudrun Müller konnte dann aber schnell in die großen Fußstapfen ihres Vorgängers schlüpfen, so Salbrecht.

Bevor er damals in Barmstedt mit der gymnasialen Pionierarbeit begann, war Salbrecht Schulleiter in Schenefeld. Dorthin war er aus dem Bildungsministerium Mitte der 90er-Jahre gewechselt, nachdem er zuvor von 1977 bis 1993 als Lehrer am Kreisgymnasium in Bargteheide beschäftigt war.

Die Barmstedter Schule erarbeitete sich in Barmstedt und dem Umland schnell einen so guten Ruf, dass schon 2001 der erste und 2008 der zweite Anbau folgen mussten. Die heutige Profiloberstufe schränke allerdings das Angebot etwas ein, sagt Salbrecht. Da Naturwissenschaften und Sprachen Pflichtprofile sind, bliebe meist nur das gesellschaftliche Profil als drittes Angebot übrig. Schüler, die Sport und Kunst am liebsten mögen, hätten das Nachsehen. Mit Hilfe von Mischprofilen versuche die Schule dieses Problem im Sinne der Schüler zu lösen. Auch die seit 2012 forcierte Zusammenarbeit mit der Gemeinschaftsschule in Barmstedt, die 1000 Schüler zählt, soll auf lange Sicht die Oberstufe stabilisieren. Zurzeit wechselten pro Jahr lediglich etwa acht Schüler mit Realschulabschluss aufs Weizsäcker-Gymnasium, so Salbrecht. Er ist überzeugt: „Bald werden es jedes Jahr 30 Schüler sein.“ Bedingung sei aber, dass die Realschüler einen Notendurchschnitt von 2,4 in den Hauptfächern hätten. „Aber diese Kooperation muss natürlich gelebt werden.“

Sein Nachfolger steht bereits fest. Jan Skendzic, 44, wird zum nächsten Schuljahr der neue Schulleiter. Zurzeit ist er Oberstufenleiter an der Leibniz-Schule in Bad Schwartau. „Das Y-Modell in Barmstedt ist eine Herausforderung“, sagt Skendzic, der in Henstedt-Ulzburg wohnt. Mitte Juni werde er sich dem neuen Kollegium vorstellen.

Wolf-Rüdiger Salbrecht zieht eine positive Bilanz der vergangenen Jahre: „Diese 16 Jahre hier waren eine sehr spannende Zeit. Wir haben viel bewegen können.“ Er habe immer ein tolles Kollegium und ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Eltern und Schülern gehabt. Sein Credo: „Ein guter Schulleiter muss immer das Wohl der Schule im Blick haben.“ Und bei schwierigen Entscheidungen müsse er sich bewusst sein, dass er es nicht immer allen Seiten recht machen könnte. „Wir sollten die Schüler zu selbstbewussten und selbstständigen Menschen erziehen und sie aufs Leben vorbereiten“, sagt Salbrecht. Denn Vokabeln lernen und Formeln pauken, sei nicht alles. „Und wir dürfen den Eltern ihren Erziehungsauftrag nicht aus der Hand nehmen.“