Pinneberg
Glänzend im Geschäft

Mit Mini-Boxen Großes verfolgen

CleverKom entwickelt in Quickborn GPS-Systeme, die den Standort von Containern und Fahrzeugen feststellen können

Quickborn. Wenn alles immer größer und gigantischer wurde, wenn Schornsteine kräftig qualmten, war dies lange Zeit ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Wirtschaft floriert. Riesige Produktionskomplexe entstanden seit dem 19. Jahrhundert und prägten ganze Städte oder gar Regionen, wie beispielsweise das Ruhrgebiet. Heutzutage, im digitalen Zeitalter, geht vieles eine deutliche Spur kleiner. Das Quickborner Unternehmen CleverKom ist ein Beispiel hierfür. Es erzielt seine Millionenumsätze vornehmlich mit zwei kleinen Boxen, die nicht viel größer als eine Zigarettenschachtel sind.

Diese kleinen Schachteln sind vollgestopft mit modernen Ortungssystemen, allgemein bekannt unter den Kürzeln GPS (Global Positioning System) und GSM (Global System for Mobile Communication), wie sie auch in Autonavigationssystemen und in Mobiltelefonen zum Einsatz kommen. Diese computergestützten Ortungssysteme werden bei Unternehmen seit Jahren immer beliebter, weil es ihnen die Chance ermöglicht, noch effizienter zu wirtschaften. Und das macht sich CleverKom zunutze.

Das Geschäft mit den Ortungssystemen ist von der Idee her einfach. Waren oder Fahrzeuge können mit den kleinen Boxen ausgestattet werden und so ihr Weg überall auf der Welt verfolgt werden. In speziellen Zeitabständen geben die Boxen ein elektronisches Signal ab, das über GPS und GSM an einen Satelliten geschickt wird, der die Daten an einen gesicherten Server in einem Rechenzentrum in Finnland weitergibt. Über ein Internetportal können die Kunden des Unternehmens anhand der Daten live am Monitor verfolgen, wo ihre Fahrzeuge gerade sind. So kann beispielsweise ein Spediteur erkennen, ob seine Fahrzeuge im Stau stecken, sofort Alternativrouten suchen und den Kunden über Verzögerungen informieren.

Sinnvoll sei der Einsatz auch, so Rolf Rhöse, Vertriebs- und Marketingleiter des Unternehmens, um die Fahrtzeiten der Fernfahrer besser planen zu können. Durch ein effizienteres Zeitmanagement könne nämlich verhindert werden, dass Fahrer am Ende eines Tages über ihrem gesetzlich erlaubten Zeitkontingent am Steuer sitzen. Derzeit arbeitet das Unternehmen daran, mithilfe der GPS/GSM-Boxen eine moderne Variante der Fahrtenschreiber zu erschaffen. Im Prinzip ist das System soweit fertig, es muss von den Finanzämtern aber noch anerkannt werden, bevor es die traditionelle Pappscheibe im Fahrerhaus ablösen darf.

Auch Kühlketten könnten dank GPS besser überwacht und Container mit der satellitengestützten Technik verfolgt werden. Hier könne das System nicht nur zur Nachverfolgung der Waren eingesetzt werden, sondern auch, um mögliche Diebstähle zu verhindern oder aufzuklären. Laut Gerd Kleinert und Axel Domröse, Geschäftsführer von CleverKom, gehen Container vor allem in den Häfen verloren oder werden gestohlen. „Diese Container sind mit solchen Ortungsystemen schnell wiederzufinden“, sagt Domröse.

Aber auch die Arbeitsoptimierung könne deutlich verbessert werden. So würden beispielsweise im Hamburger Hafen Hunderte von Trailern, die gerade nicht für den Containertransport gebraucht werden, täglich am Hafengelände abgestellt – nach dem Zufallsprinzip: Wo Platz ist, wird abgestellt. Diese Trailer später wiederzufinden, sei zuweilen kompliziert. Ein GPS-Ortungssystem würde auch hier vieles vereinfachen, Prozesse beschleunigen und damit Kosten für Spediteure senken.

Handwerker nutzen das System, um über ihre Ankunftszeit zu informieren

Aber nicht nur Spediteure sind Nutznießer der modernen Technik. „75 bis 80 Prozent unserer Kunden sind Handwerker“, sagt Rhöse. Denn auch bei ihnen sei es oft sinnvoll zu wissen, wer gerade wo ist. Wenn etwa ein Kunde einen Klempner dringend benötigt, kann am PC geprüft werden, welcher Handwerker am dichtesten bei dem Kunden ist und noch schnell vorbeischauen kann. „Die eine oder andere Aufgabe kann dann auf dem Weg noch mit erledigt werden“, sagt Rhöse. Das spare sowohl dem Handwerker als auch der Firma Zeit und Geld. Und auch die Zufriedenheit bei den Kunden steige. Sie erhalten so schneller eine Rückmeldung, ob der Handwerker rechtzeitig ankommt oder ob es zu Verzögerungen kommt. Das endlose Warten auf Handwerker ohne Rückmeldung gehöre so der Vergangenheit an.

Angefangen hat alles 2007. Damals wurde das Quickborner Unternehmen gegründet – allerdings in Norderstedt. Die Unternehmer Kleinert, Domröse und Rhöse haben ihre Wurzeln im Mobilfunkbereich. Aus Interesse habe man sich, so Domröse, zunehmend mit der Telemetrie befasst und deren Möglichkeiten, wie etwa Standheizungen per elektrischem Signal einzuschalten. Später folgten Systeme, die Fahrern mitteilten, ob ein Zigarettenautomat neu bestückt werden muss. „Diese Themen haben die Telemetrie weiter vorangetrieben“, sagt Domröse. 2007 sei die Firmengründung eine logische Konsequenz gewesen.

Inzwischen ist CleverKom gewachsen. Aus fünf Mitarbeitern sind inzwischen elf geworden, hinzu kommen rund zehn Vertriebspartner im ganzen Bundesgebiet. Da der Raum in Norderstedt zu knapp wurde, ist die Firma nach eingehender Beratung mit der WEP Wirtschaftsförderung nach Quickborn umgezogen.

Das neue 1400 Quadratmeter große Domizil am Albert-Einstein-Ring biete dem Unternehmen Wachstumsperspektiven. „Wir wachsen weiter, weil der Markt noch in der Findungsphase ist“, sagt Rhöse. Neue Mitarbeiter werden daher noch gesucht, vor allem Außendienstler mit Erfahrungen im Direktvertrieb für Investitionsgüter würden händeringend in der Firma gebraucht. Denn der Markt wächst schneller als das Unternehmen. Inzwischen werden die Ortungssysteme auch im medizinischen Bereich eingesetzt. So würden immer mehr Personensuchgeräte für Demenzerkrankte nachgefragt, um diese im Notfall schnell finden zu können.

Rhöse sieht viele weitere Bereiche, in denen GPS-Systeme sinnvoll seien. Denn auch Taxifahrer, Rettungsdienste, Sportler und Forscher könnten von solchen Softwarelösungen profitieren und besser ihre Einsätze planen. Alle potenziellen Kunden könne das Quickborner Unternehmen aber nicht bedienen. „Wir konzentrieren uns deshalb auf die Handwerker“, sagt Rhöse. In Deutschland gebe es rund 700.000 Handwerker, die ihre Systeme nutzen könnten. Das reiche – für’s erste.