Pinneberg
Borstel-Hohenraden

Minister für Tempolimit in Borstel

Bürgerinitiative L76 erreicht mit Zusage der Behörden Teilerfolg zur Verkehrsberuhigung an Quickborner Straße

Borstel-Hohenraden. Mit diesem positiven Ergebnis für mehr Lärmschutz und Verkehrsberuhigung in ihrem Ort hat die Bürgerinitiative „Lärm Quickborner Straße“ in Borstel-Hohenraden wohl selbst nicht gerechnet. Bei seinem einstündigen Besuch am Montag sagte Verkehrsminister Reinhard Meyer, dass aus seiner Sicht nichts dagegen spreche, beide Ortsteile der Gemeinde zu einer geschlossenen Ortschaft zu erklären. Das würde die Tempo-70-Regelung zwischen Borstel und Hohenraden aufheben. Zudem sollte vor der Schule und dem Kindergarten an der Landesstraße 76 eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden. „Das ist auch anderswo üblich. Da müssen wir dringend etwas machen“, sagte Minister Meyer. Jürgen Tober, als zuständiger Fachbereichsleiter im Kreis für Verkehr zuständig, versicherte. „Wir wären die Letzten, die sich dagegen sperren würden.“

Beide Seiten waren gut vorbereitet auf das Treffen in der Borsteler Feuerwache. Die BI hatte ihre Forderungen auf sieben Punkte fokussiert und ließ diese von Harald Villmann und Bernd Grosser vortragen. Bürgermeister Jürgen Rahn, CDU, und seine Stellvertreterin Wiebke Dicks, SPD, konkretisierten den Standpunkt der Gemeinde. „Hier geht es um die Menschen und ihre Gesundheit“, sagte Rahn. Minister Meyer hatte den Direktor vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, Torsten Conradt, aus Kiel mitgebracht und wurde von den beiden Landtagsabgeordneten Kai Vogel, SPD, aus Pinneberg sowie Eka von Kalben, Grüne, die selber in Borstel-Hohenraden wohnt, aus der Regierungskoalition begleitet.

Seit drei Jahren versuchen die Anwohner der L76/Quickborner Straße, den Verkehr vor ihren Häusern zu beruhigen. Bislang vergeblich. Doch ihr Sprecher Villmann ließ nicht locker und schrieb immer wieder die Behörden an. So wurde 2012 erstmals seit 2005 der Verkehr wieder von Amtswegen gezählt. Das Ergebnis, 11.000 Fahrzeuge am Tag, davon 613 Lkw, zeigte, dass sich der Verkehr innerhalb von sieben Jahren um 50 Prozent erhöht hatte. Viele Autofahrer nutzten diese Verbindung von der A7 in Quickborn bis zur A23 (Pinneberg-Nord) als Abkürzung und Stauumfahrung, führte Villmann aus. Wenn die A7 demnächst sechs- bis achtspurig ausgebaut wird, würde der Verkehr weiter steigen. „Dann wird es hier abenteuerlich.“

In einigen Punkten musste Minister Meyer die BI aber auch enttäuschen. Eine Lkw-Maut auf der L76 sei ebenso unwahrscheinlich wie eine Umwidmung der Landes- in eine Kreisstraße. Für eine Sanierung mit Flüsterasphalt sei die L76 noch in einem viel zu guten Zustand. Und Tempo 40 sei im Land „der absolute Ausnahmefall“, weil das verkehrlich kaum etwas bringe, betonte Landesbetrieb-Direktor Conradt.

Sehr wohl möglich sei aber die Tempo-30-Regelung unmittelbar vor der Schule und dem Kindergarten, sagte Minister Meyer. Solche Tempolimits könnten die größeren Städte und Kreise seit einem Jahr allein anordnen. Wedel hat so beispielsweise die Mühlenstraße im Ortskern zur Tempo-30-Zone erklärt.

Neu ist der Standpunkt aus Kiel, was eine geschlossene Ortschaft ist. Bislang hatten Kreis und Land immer eine beidseitige Bebauung als Voraussetzung dafür gesehen, die zwischen Borstel und Hohenraden unterbrochen ist. Aber zwischen Bönningstedt und Ellerbek ist an der K5 davon abgerückt und die bestehende Tempo-70-Regelung abgeschafft worden. Minister Meyer sagte zu, Landrat Oliver Stolz schriftlich die veränderte Haltung des Ministeriums in dieser Frage zu erläutern. Fachbereichsleiter Tober: „Wenn sich alle einig sind, an uns soll es nicht scheitern.“