Hamburg

Göttlicher und seine „Hommage an Manet“

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Uetersener malt mit anderen Künstlern bei einem Akt-Symposium im Hotel Grand Elysée. Große Erfolge mit den Norddeutschen Realisten, die kommendes Jahr nach China reisen

Uetersen/Hamburg. Auf dem Tisch im Atelier von Erhard Göttlicher liegt, noch unvollendet, eine „Hommage an Manet“. Nachempfunden dem berühmten Frühstück im Grünen, „Le Déjeuner sur l’herbe“ von Édouard Manet, bei dem eine nackte Frau im Park neben zwei bekleideten Männern sitzt – im Jahre 1863 ein geradezu unverschämtes Motiv. Genau 150 Jahre später malt der Uetersener dieses Motiv nach, und zwar anlässlich eines Symposiums zum Thema Akt im Hamburger Hotel Grand Elysée.

Die Idee zum Symposium hatte Göttlicher: Zwei Malerinnen und zwei Maler treffen sich im Grand Elysée zum gemeinsamen Malen mit männlichen und weiblichen Akt-Modellen. Es sollen Inszenierungen mit erzählendem Charakter im privaten, entspannten und bisweilen luxuriösen Umfeld eines Fünf-Sterne-Hotels entstehen.

Dass Göttlichers Idee bei den Hotel-Inhabern und Kunstförderern Christa und Eugen Block auf offene Ohren stieß, kommt nicht von ungefähr. Mehrere seiner Werke haben in der Vergangenheit ihren Weg ins Elysee gefunden, beispielsweise unter dem Titel „Kulinarische Kunst“ in der Oyster Bar des Hotels.

Beim Akt-Symposium sind außer Göttlicher sein Kollege von den Norddeutschen Realisten, Lars Möller, sowie die Malerinnen Tanja Gott und Corinna Weiner mit von der Partie. Die Sitzungen für das „Frühstück im Grünen“ haben bereits im August auf einer Wiese stattgefunden. Im Januar folgt der zweite Teil, es wird im Hotel in zwei Suiten gemalt. Die Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich unter anderem mit Themen wie Morgendliches Make-up im Bad, Frühstück im Bett, Lesen auf dem Sofa, Dusche in der Penthouse-Suite, Koffer-Auspacken – Kleider auswählen vor dem Ausgehen, Entspannung nach der Sitzung und Liegestuhl auf dem Balkon. Kosmetik und Massage sowie Sonnenbaden und Whirlpool sind weitere Themen, die im „Elyseum“, dem Wellness-Bereich des Hotels gemalt werden. Ausstellungseröffnung mit den Ergebnissen des Akt-Symposiums ist am 24. März im Elysée. Überhaupt ist der Kunstprofessor im Ruhestand aus Uetersen derzeit gut unterwegs. Im August bestritt er mit großem Erfolg eine Ausstellung in Frankreich. „Veneziana et autres projets...“. Bilder aus Venedig im November, Akte sowie Werke über den Holocaust waren im Chateau de Barjac und in der Galerie „La Quincaillerie“ zu sehen.

Im Herbst bekamen die seit 20 Jahren in wechselnder Zusammensetzung auftretenden Norddeutschen Realisten mit Göttlicher anlässlich einer Retrospektive im Schloss Gottorf den Kunstpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft für ihr Gemeinschaftswerk und deren Bedeutung für Schleswig-Holstein verliehen. Damit nicht genug. Als Anerkennung für ihre Leistungen spendierte die Studien- und Fördergesellschaft der schleswig-holsteinischen Wirtschaft der 14-köpfigen Künstlergruppe ein sechstägiges Symposium im kommenden Sommer in der schwedischen Küstenstadt Ellös, nördlich von Göteborg in den Schären.

Nachdem er sich die Örtlichkeiten über Google-Maps im Internet bereits genauer angesehen hat, ist Göttlicher besonders von einer benachbarten stillgelegten Werft fasziniert, die er zwecks Motivsuche mit seinem Kajak vom Wasser aus erkunden will.

Die Würdigung der Norddeutschen Realisten seitens der Wirtschaft hat noch weitere Früchte getragen. Die Künstlergruppe habe jetzt, verriet Göttlicher, anlässlich des deutsch-chinesischen Kulturaustauschs das Angebot für ein Pleinair-Symposium in China im kommenden Jahr bekommen – Kunst aus Schleswig-Holstein sorgt für Aufsehen.

( (man) )

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