Elmshorn

Die wahren Supertalente kommen aus Elmshorn

Vier Bismarckschüler benötigten kein Casting, um ihre Begabungen zu vergolden

Elmshorn. Mitten im Wald standen sie mit ihren vollgepackten Rädern. Insekten schwirrten in Wolken über ihren Köpfen. Der Weg, der auf der Karte eingezeichnet war, stellte sich als Sackgasse heraus. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als umzudrehen, weiter bergauf, bergab zu laufen. „Am liebsten hätten wir am ersten Tag alles hingeschmissen“, sagt Vivian Lohse. Ihre Mitschüler Finnja Thormählen, Anna Thomsen und Fabian Gräf nicken eifrig. Die gemeinsame Exkursion war die größte Herausforderung im Internationalen Jugendprogramm. Doch die vier Gymnasiasten der Bismarckschule in Elmshorn haben durchgehalten und schlossen mit der Goldstufe ab.

Das Internationale Jugendprogramm richtet sich an junge Menschen zwischen 14 und 25 und bietet Möglichkeiten für Selbstverwirklichung, Abenteuer, sozialen Einsatz und die Entwicklung von persönlichen Interessen. In Deutschland gibt es seit 1996 einen entsprechenden Trägerverein, der als gemeinnütziger, freier Träger der Jugendhilfe anerkannt ist.

Ziel des Programms ist es, praktisches Handeln, soziales Engagement, persönliche Erfahrungen im Bereich Natur und Umwelt, sportliche Betätigungen und Hobbys zu fördern. Die jungen Leute knüpfen Freundschaften, schulen Eigeninitiative, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und Planungskompetenz. Über die Programmteile Dienst, Talente, Fitness, Projekt und Expedition sowie über die Stufen Bronze, Silber und Gold sollen Jugendlichen zu Aktivitäten ermutigt werden.

Fabian stellte sich in die „Dienste“ eines Tierheimes. Im Bereich „Fitness“ lernte er auf Bronzeebene zu fechten, auf Silberebene zu reiten und für Goldebene focht er nicht nur, sondern unterrichtete auch Jüngere in dieser Sportart. Im Bereich „Talente“ spielte er Klavier. Im zweiten Jahr lernte er Altsaxofon und spielte in der Big Band der Schule. Auf der Goldstufe switchte der 17-Jährige um auf Basssaxofon.

Auch Annas Talente sind vielfältig. Sie begann im Kirchenchor, lernte dann Gitarre. Für Gold sang sie im Gospelchor. Sportlich hielt sie sich mit Tennis fit und begann für die Goldebene ein Lauftagebuch zu führen. Ihr Ziel war der zehn Kilometer lange Elmshorner Stadtlauf, den sie auch durchhielt. Ihren „Dienst“ absolvierte sie im Kinderspielkreis in Klein Nordende, wo sie mit kleinen Kindern spielt und bastelt, sie betreut und füttert. „Daraus hat sich für mich ein Schülerjob ergeben“, sagt Anna. Für die Goldstufe betreute sie die Jugendgruppe in der Bugenhagen-Kirche in Klein Nordende. „Wir haben zum Beispiel Marmelade gekocht und verkauft. Der Erlös ging an einen guten Zweck“, sagt die Schülerin aus Klein Nordende.

Finnja übernahm die Gitarre von Anna, nachdem sie auf Bronze- und Silberebene im Kirchenchor in Elmshorn gesungen hatte. Mit Volleyball schaffte sie es spielend bis zur Goldebene, wo sie mit dem Schwimmen begann. „Mein Ziel war es, am Swim and Run teilzunehmen“, sagt die 18-Jährige. „Dafür musste ich fünf Kilometer laufen und 500 Meter schwimmen.“ Da passte es auch, dass sie ihren Dienst beim DLRG Elmshorn machte, wo sie erst im Jugendeinsatzteam war und dann die Sechs- bis Achtjährigen trainierte.

Auch Vivian arbeitete mit kleinen Kindern. „Die Arbeit im Kindergarten hat mir am meisten geholfen, mich weiterzuentwickeln“, sagt die 17-Jährige. Für den Dienst auf Goldebene übernahm sie die Betreuung der Jugendprogramm-Neueinsteiger. Ihr Talente schulte sie in der Theater-AG. „In dem Stück ,Kleiner Hobbit’ spielte ich Gandalf“, sagt sie und lacht. Auf der Goldebene machte sie mit ihrem Pferd Bodentraining. „Dabei läuft man neben dem Tier, um eine besondere Bindung aufzubauen“, sagt die Schülerin. „Das war ein geniales Gefühl, als mir das Pferd zum ersten Mal ohne Strick folgte.“ Sie selbst reitet seit zwölf Jahren. Für die Bronzeebene im Bereich Fitness begann sie mit Dressurreiten. Sie steigerte sich mit Jungpferde einreiten und Korrekturreiten. Auf Goldebene widmete sie sich ihrem zweiten Hobby: dem Tanzen. Bei Tanzturnieren hält sie sich wacker im oberen Mittelfeld.

Um das Internationale Jugendprogramm mit Gold abzuschließen, mussten alle Vier zusätzlich noch ein Projekt bewältigen. Das musste mindestens 30 Kilometer vom Wohnort entfernt sein. Vivian verschlug es fünf Tage lang auf einen Reiterhof, wo sie mit einer Freundin in den Ferien für 23 Kinder Spiele organisierte und in der Reithalle zeltete. Finnja nutzte die Zeit, um eine Jugendleiterkarte zu machen. Dafür fuhr sie eine Woche lang in den Harz und lernte wie sie Projekte altersgerecht gestalten kann. Anna verbesserte ihr Englisch auf einer Sprachreise nach Oxford und lernte, sich durchzuboxen. „Es war nicht alles so, wie vom Veranstalter im Katalog angepriesen“, sagt sie. Die tollen Menschen, die sie kennenlernte, hätten aber alle Widrigkeiten wettgemacht. Und Florian begleitete die Pfadfinder als Helfer an den Brahmsee.

In den beiden Exkursionen lernten sich die vier Gymnasiasten richtig kennen. „Die Radtouren durch die Mecklenburgische Seenplatte und die Lüneburger Heide haben uns wirklich an unsere Grenzen gebracht“, sagt Vivian. Sie haben es überstanden. Ihr Fahrrad blieb allerdings auf der Strecke.