Pinneberg

Wenn Kinder für Kinder spielen

Die Weihnachtsmärchensaison startet mit dem Märchen „Der kleine Muck“ der Theatermäuse der Pinneberger Bühnen

Pinneberg. Die Hofdame schert sich selten ums Protokoll im Palast des Sultans. Sie kommt und geht nach Lust und Laune, niemand nimmt der königlichen Angestellten ihre gelegentlichen Kapriolen übel. Schließlich ist sie erst vier Jahre alt und die ganze orientalische Pracht existiert nur auf der Bühne.

Die unorthodoxe Hofdame, die manchmal nicht den Regieanweisungen, sondern mit dem Segen des Regieteams ihrer eigenen Choreografie folgt, ist quasi die Mini-Maus unter den 22 „Theatermäusen“ der Pinneberger Bühnen zwischen vier und 17 Jahren. Nach neun Monaten Probezeit wird es für die Nachwuchsabteilung der traditionsreichen Amateurbühne am Mittwoch, 20. November, ernst. Dann hebt sich der Premierenvorhang für das Weihnachtsmärchen „Der kleine Muck“ im Geschwister-Scholl-Haus.

Anders als die meisten Bühnen im Kreis Pinneberg, die in den kommenden Wochen Märchenstoffe von Peter Pan über die Abenteuer von Janoschs Kultfiguren Kleiner Bär und Kleiner Tiger in Panama bis zum frechen Sams zeigen werden, spielen bei den Bühnen nicht Erwachsene, sondern Kinder für Kinder. Ausgenommen ist nur der Sultan, den verkörpert Peter Heinitz. „Das ist unser Quotenerwachsener“, sagt Regisseurin Anja Nadler mit einem Augenzwinkern. Sie leitet gemeinsam mit Brigitte Wagner, Nadja Stoppel und Corinna Berndt die Proben.

„Ich habe bewusst einen Stoff gesucht, den auch sehr kleine Kinder ansehen können“, sagt der bekennende Wilhelm-Hauff-Fan Nadler. In der humorvollen Bearbeitung des orientalischen Märchens durch Bernhard Wiemker erlebt der vom hartherzigen Onkel vertriebene kleine Muck eine abenteuerliche Reise mit seiner Freundin, dem Angorakätzchen Pizzikatti. Die magischen Gaben einer ziemlich verrückten Fee – Rennpantoffel, Goldsuchstock und Wunschtasche – verschaffen ihm Einfluss am Hof des Sultans. Verleumdet durch den neidischen Hofstaat fliehen die Freunde in den Zauberwald und finden dort die Mittel, um mit ihren Feinden fertig zu werden.

Anja Nadler kennt die Welt vor und hinter dem Vorhang der Pinneberger Bühnen in- und auswendig. Mit 16 spielte sie 1981 ihre erste Rolle im plattdeutschen Schwank „Thea Witt mokt nicht mehr mit“. Seitdem hat sie gespielt, souffliert, assistiert, organisiert und – seit zehn Jahren – inszeniert.

Sie liebt die Arbeit mit den Kindern heiß und innig. „Kinder sind wahnsinnig flexibel, die gehen da viel freier und unaufgeregter ran als Erwachsene, das überrascht mich immer wieder“, sagt die Regisseurin. Anfangs habe sie sich mit so viel kindlicher Spontaneität schwer getan. „Als Perfektionistin musste ich mich erst mal daran gewöhnen, selbst lockerer werden.“

Schließlich hat die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ihre Schattenseiten. So ist beispielsweise die Fluktuation höher als bei erwachsenen Schauspielern. Die Gruppe, die im März mit den ersten Proben beginnt, ist oft eine ganz andere als das Premierenensemble im November. „Manche Kinder kommen begeistert, weil sie mal ein Theaterstück gesehen haben, und merken dann, dass das Spielen doch nicht so richtig ihr Ding ist. Sie dürfen sich ausprobieren, wir lassen ihnen Raum“, sagt Anja Nadler. Doch nach den Sommerferien muss das Ensemble stehen.

Wobei es durchaus sein kann, dass frisch genähte Kostüme zu Beginn des neuen Schuljahrs plötzlich nicht mehr passen. „Gerade die Teenies wachsen wie verrückt.“ Dann muss Brigitte Wagner, die die meisten Kostüme selbst entwirft und näht, mit Nadel und Faden nachjustieren. Im Vergleich zur Arbeit mit Erwachsenen müsse man manchmal Abstriche machen, sagt die Regisseurin. Da sitzen Texte nicht so sicher wie geplant, oder die jungen Schauspieler haben gerade einen besonders aufgedrehten Tag erwischt. „Dann muss man ganz entspannt bleiben. Das macht so viel Spaß zu erleben, wie die Kinder sich entwickeln, wie sie auf die Bühne gehen und umsetzen, was sie gelernt haben – manchmal könnte ich platzen vor Stolz. Die Kinder wachsen einem einfach ans Herz.“ Und wenn bei der Vorstellung nicht alles perfekt läuft – na und? „Wir sind ja keine Profis, wir spielen mit Kindern“, sagt Nadler. Sie finde die kleinen Versprecher und die geflüsterten gegenseitigen Hilfen unter den Darstellern eher charmant. „Es ist authentischer, wenn Kinder Märchen für Kinder spielen.“

Die Premiere des „Kleinen Muck“ beginnt am Mittwoch, 20. November, um 17 Uhr im Geschwister-Scholl-Haus, Bahnhofstraße 2. Weitere Aufführungen gibt es am 21., 22., 27., 28. und 29. November jeweils von 17 Uhr an. An den beiden Wochenenden 23. / 24. November sowie 30. November/ 1. Dezember beginnt die Vorstellung jeweils um 14 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf unter Telefon 04101/232 11. Der Eintritt kostet sieben Euro pro Person.