Halstenbek

Ein Schlafplatz für XXL-Patienten

Halstenbeker Firma baut Pflegebetten speziell für stark übergewichtige Menschen. Das Exemplar Manni II hat eine Tragkraft von einer Tonne

Halstenbek. Manni II ist der ganze Stolz von Volker Beßler und seinen Mitstreitern. Denn Manni II ist groß, nützlich und extrem belastbar. Manni II ist ein Bett. Nicht irgendeins, sondern ein Pflegebett für stark übergewichtige Menschen. Erdacht, gebaut und hergestellt wird Manni II in der Schenefelder Partnerwerkstatt Metallbau Andreas Schulz der Halstenbeker Firma be…living.

Seit 15 Jahren ist Volker Beßler mit seinem Unternehmen selbstständig, früher vor allem im „normalen“ Sanitätsbereich. „Irgendwann fragte ein großer Kunde, ob wir nicht ein Bett für die richtig Schweren bauen könnten“, sagt Volker Beßler. Seitdem hat sich b…living auf den Sonderbau spezialisiert. „Die Erfahrungen des Kunden war, dass übergewichtige Patienten ihr Gewicht oft nicht wissen oder lieber nicht zugeben. Deshalb hatten beispielsweise Krankenhäuser immer wieder Probleme mit ihren Betten.“ Das war einer der Gründe des Kunden bei be…living, ein Pflegebett anzufragen, das eine Tragkraft mehr als 500 Kilogramm hat.

So entstanden die Ideen zu den Sesselschwerlastbetten Manni I und Manni II, dem stärksten Sesselschwerlastbett der Welt. Und dem bisher erfolgreichsten Projekt der Firma be…living. Mehr als 650 Kilogramm Hubkraft und eine Tragkraft von einer Tonne bietet das XXL-Bett. Die beiden Modelle unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Bettverbreiterung von 100 auf 120 Zentimeter bei Manni II. „Die vier abklappbaren Seitengitter tragen jeweils bis zu 40 Kilogramm, und verbreitern das Bett auf mehr als zwei Meter. Außerdem kann der Fußteil abgeklappt werden, dadurch entsteht die Sesselfunktion“, erklärt Volker Beßler. Die hinteren Seitengitter sind so konstruiert, dass sie in der Sesselfunktion das Ein- und Aussteigen unterstützen, da die Beine elektrisch angehoben werden können. Wer Extrawünsche hat, kann sich sein Bett nach den eigenen Vorstellungen verändern lassen. „Wir bauen die Betten vor allem nach Kundenwünschen“, sagt Volker Beßler.

Die Halstenbeker Firma ist ein kleines Unternehmen mit nur vier Mitarbeitern

Dafür reist der Unternehmer durch die gesamte Bundesrepublik, führt Kundengespräche, nimmt Ortstermine wahr und wirbt für be…living. Trotzdem könne und wolle das Halstenbeker Unternehmen nicht mit den ganz Großen konkurrieren. „Wir füllen die Lücke zwischen Standard und Kundenwunsch. Wir liefern zwar bundesweit, aber wir brauchen auch sechs bis acht Wochen, um ein XXL-Bett zu bauen“, sagt Volker Beßler. Er selbst kümmert sich vor allem um die Vermarktung, packt aber auch in der Fertigung mit an, wenn Not am Mann ist. „Die Mitstreiter der Firma be...living sind Spezialisten auf ihrem Gebiet“, sagt Volker Beßler. Tischler ist Dieter Eggerstedt von der Firma ballhausen sowie die Feinwerkmechaniker Adelbert „Addy“ Schwarz von Schwarz Feinwerkmechanik und Guido Schulz von Schulz Feinwerktechnik fertigen die XXL-Betten.

Doch be…living baut nicht nur Pflegebetten, sondern auch Rollstühle und Betteinsätze für stark übergewichtige, aber auch ganz Personen. Alles wird praktisch in Handarbeit gefertigt, das gilt auch für die Serienfertigungen, wo zurzeit die Modelle Manni II und Triple-X gebaut werden. „Alle unsere Produkte sind Einzelanfertigungen“, sagt Volker Beßler. Das hat allerdings auch seinen Preis. Ein Manni II kann auf 20.000 Euro kommen. Deshalb bietet be…living die Schwerlastbetten, nicht nur zum Verkauf, sondern auch zur Vermietung und im Leasing an.

„Nicht jedes Hotel hat permanent Bedarf an behindertengerechten Betten“, sagt Volker Beßler. „Die Gäste fragen bei den Hotels nach und die wiederum wenden sich an uns.“

Mit dem XXL-Konzept schafft be…living Abhilfe bei einer Problematik, die immer mehr Menschen betrifft. Rettungsdienste haben immer öfter Schwierigkeiten mit übergewichtigen Patienten, ob beim Transport zum oder im Krankenwagen oder bei der Behandlung im Krankenhaus. Seit 2012 verfügen die Rettungskräfte im Kreis Pinneberg deshalb über einen Schwerlast-Krankenwagen speziell für Patienten ab einem Gewicht von 160 Kilogramm. 95.000 Euro ließ sich den der Verein Krankentransporte, Behinderten- und Altenhilfe (KBA) mit Sitz in Norderstedt kosten. Die Zahl der Einsätze, bei denen übergewichtige Menschen aus Wohnungen geholt und in eine Klinik gebracht werden müssen, steigt.

Dasselbe gilt auch für den Bedarf an Schwerlastmobiliar. Umso erfreulicher findet es Volker Beßler, dass die Krankenkassen vermehrt auch für XXL-Betten und Zubehör aufkommen. Allerdings gebe es weiterhin lange Wartezeiten. „Ich hoffe, dass sich das noch ändert“, sagt Beßler. „Wir möchten die Lebensqualität der Patienten verbessern und gleichzeitig den Pflegern ihre Arbeit erleichtern.“