Bönningstedt

Nach Großbrand: Neue Halle aus der Asche aufgebaut

Es war der größte Versicherungsschaden der Provinzial Nord Brandkasse seit Jahrzehnten: Zweieinhalb Jahre nach dem Millionenschaden durch einen Großbrand in Bönningstedt steht das Gebäude wieder.

Bönningstedt. Es war der größte Versicherungsschaden der Provinzial Nord Brandkasse seit Jahrzehnten. Und die größte Feuersbrunst, die die Bönningstedter Freiwillige Feuerwehr in ihrer Geschichte bisher löschen musste. Im Januar 2011 brannte in der Goosmoortwiete ein 15.000 Quadratmeter großer Hallenkomplex komplett nieder, war nur noch Schutt und Asche. 30 Gewerbebetriebe hatten plötzlich keine Bleibe mehr und ihr Inventar verloren. Darunter sollen sich wertvolle Motorräder und restaurierte Oldtimer befunden haben. Jetzt ist die Halle wieder aufgebaut. Eigentümer Carl W. Hahn, 84, feierte mit den Baufirmen und Mietern das Richtfest des acht Meter hohen, 136 Meter langen und 96 Meter breiten Gebäudes, das die Verscherung elf Millionen Euro gekostet hat. "Ich bin richtig happy, dass wir so weit gekommen sind", freute sich Hahn.

150 Wehrkräfte mehrerer freiwilliger Feuerwehren kämpften an jenem 20. Januar vor zweieinhalb Jahren zwei Tage lang mit den Flammen. Die Rauchwolken waren bis in die Hamburger Innenstadt zu sehen. "Das war einer der größten Brände in ganz Schleswig-Holstein", erinnert sich Stefan Birke, stellvertretender Wehrführer in Bönningstedt, und betont: "Ich hoffe, dass dieses Schicksal dem Neubau erspart bleibt."

Ausgebrochen war das Feuer in den Räumlichkeiten der Kartbahn, die sich damals in dem Komplex befand. Entdeckt hatte es Uwe Franzbonenkamp, der unmittelbar daneben seinen Betrieb für Mehrpersonen-Fahrräder hatte. "Ich sah, wie es da in der Werkstatt auf dem Tisch brannte und alarmierte sofort die Feuerwehr", erzählt Franzbonenkamp. "Das hat aber ewig gedauert, bis die reagiert haben." Er wurde sogar noch am Telefon gefragt, ob er sich sicher sei, wunderte sich Franzbonenkamp. "Da brannte es schon lichterloh."

Auch für Joachim Schröder war dieser Großbrand ein einschneidendes Erlebnis. Der Filialleiter der Provinzial in Bönningstedt wurde mit der Schadensregulierung betraut. "Als ich kurz darauf zu einem Treffen mit Kollegen fuhr, begrüßte mich der Landeschef mit den Worten: 'Da kommt unser teuerster Agenturleiter'", erinnert sich Schröder an den Spießrutenlauf in jenen Wintertagen 2011. "Das war eine ganz traurige Geschichte gerade für den Eigentümer Hahn. Der sah sein Lebenswerk in Trümmern."

Umso mehr freut es den Unternehmer, dass die Versicherung alles in seinem Sinne geregelt habe. "Es gibt kleinliche Regulierungen", sagt Hahn. Das könne er ganz und gar nicht von der Provinzial sagen. "Ihr verdanke ich, dass die Halle jetzt wieder steht."

Nicht alle der Betroffenen sind ähnlich zufrieden. Etwa eine Handvoll der 30 betroffenen Betriebe war nicht ausreichend versichert, so auch ein heute 57 Jahre alter Mann, der nicht namentlich genannt werden möchte. "Das Feuer hat meine Existenz und mein Leben zerstört", denkt er nur mit Grausen an jenen schicksalhaften Januar-Donnerstag. Er restaurierte alte Fahrzeuge für Spielfilme, jettete zwischen Los Angeles und Hamburg hin und her. Doch weil er vor Beginn des Mietvertrages in eine größere Halle umzog, sei er nicht versichert gewesen. Eine halbe Million Euro Schaden wurde nicht beglichen. "Ich war plötzlich mittellos und stand auf der Straße", sagt der Mann verbittert. Er hätte sich mehr Entgegenkommen des Eigentümers gewünscht. Investor Hahn sagt dazu: "Jeder, der irgendwo einzieht, sollte darauf achten, dass sein Hab und Gut versichert ist." Andere wie Doris Vorpahl, die mit ihrem Mann einen Shuttle-Service betreibt, hatten mehr Glück. Wie durch ein Wunder erreichten die Flammen ihr Büro nicht. "Wir waren nur 15 Meter entfernt. Aber der Wind blies das Feuer in die andere Richtung."

Ende des Jahres können alle Mieter wieder in ihre Räumlichkeiten in dem Hallenkomplex einziehen, sagt Architekt Wolfgang Theine. Bis dahin seien die Baufirmen mit dem Innenausbau fertig. Bis zu 50 Betriebe hätten dort künftig Platz, sagt Hahn. Er ist begeistert von dem, was hier aus der Asche wieder entstanden ist. "Die ganze Halle wird eine Augenweide sein. Der Boden ist so glatt, dass man ihn für Marmor halten könnte." Und natürlich seien die neuesten Brandschutzsauflagen beim Neubau strikt eingehalten worden, die für die alte Halle 1975 noch nicht gegolten haben. "Das war eine Forderung der Bauordnung und der Versicherung."

Trotzdem wünschte Polier Henning Kruse von der Baufirma Kähler beim Richtspruch sicherheitshalber: "Gott schütze dieses Haus vor Feuer, Wasser und Halunken."

Die Brandursache konnte übrigens nie ganz geklärt werden.