Barmstedt

Brisante Vorwürfe gegen Stadtwerke

Interessenvertretung Haus & Grund spricht von Mauschelei beim städtischen Barmstedter Unternehmen. Ins Rollen gebracht hat das Ganze Marc Hütter vom gleichnamigen Bäckerei- und Konditoreibetrieb.

Barmstedt. "Das hat mehr als ein Geschmäckle", sagt Hans-Jürgen Schack. Der Jurist ist seit 30 Jahren ehrenamtlich für den Verein Haus & Grund tätig. Über Fälle wie den, der ihm vor kurzem als Vorsitzenden der Interessenvertretung der Grund- und Hauseigentümer in Barmstedt auf den Tisch gelegt wurde, ärgert er sich maßlos. "Es wird so viel gemauschelt. Ich finde das furchtbar", sagt Schack. Diesmal soll die Mauschelei auch noch ein städtisches Unternehmen betreffen. Es geht um die Stadtwerke Barmstedt, um Geschäftsführer Fred Freyermuth und das Gebaren des Unternehmens, wenn es um offene Rechnungen geht. Schacks Vorwurf: Beim Eintreiben der säumigen Beträge griffen die Stadtwerke nicht nur sehr schnell auf ein Inkassounternehmen zurück, sondern das Geld treibe auch ausgerechnet das Forderungsmanagement Freyermuth ein. Dieses betreibt die Ehefrau des Stadtwerke-Chefs.

"Ein Unternehmen wie die Stadtwerke Barmstedt haben bei den erzielten Umsätzen ein eigenes Inkassomanagement vorzuhalten. Das ist eine ganz normale Unternehmensaufgabe wie Personalabteilung oder Werbung", sagt Schack. Für ihn ist klar, dass hier Familienangehörigen etwas zugeschustert werde. "Das dient nicht dem Wohl der Stadtwerke, der Stadt oder ihren Bürgern, sondern Familienangehörigen. Hier werden der Familienkasse Vorteile zugeschanzt." Für den Haus & Grund-Vorsitzenden ein Unding. Er hat sich an das zuständige Aufsichtsgremium, den Werkausschuss der Stadt Barmstedt, sowie die neue Bürgermeisterin gewandt. "Das muss sofort ein Ende haben," fordert Schack.

Zu den schweren Vorwürfen wollte sich Fred Freyermuth am Dienstag auf Abendblatt-Nachfrage nur begrenzt äußern. Er verwies darauf, dass er seinen Anwalt eingeschaltet habe und mit ihm das weitere Vorgehen besprechen wolle. Doch so viel stellte er klar: "Die Tätigkeit meiner Frau wurde von mir nicht selbstherrlich entschieden, sondern ist hier im Hause in Abstimmung mit allen Gremien beschieden worden." Zu den Vorwürfen, dass das Inkassounternehmen ohne weitere Eigenmahnungen eingeschaltet werde, mit unzulässigem Druck arbeite und zu hohe Gebühren einfordere, sagte er: "Das entbehrt jeglicher Grundlage."

Ins Rollen gebracht hat das Ganze Marc Hütter vom gleichnamigen Bäckerei- und Konditoreibetrieb in Barmstedt. Ihm stieß das Verhalten der Stadtwerke und des Inkassounternehmens sauer auf, er wandte sich daraufhin Hilfe suchend an den Haus & Grund-Verein. Laut Hütter habe er aus Kostengründen den Stromanbieter gewechselt und deshalb auch auf eine Abschlussrechnung gewartet, die er laut eigenen Angaben aber nie von den Barmstedter Stadtwerken erhielt. Stattdessen habe er ein Erinnerungsschreiben bekommen. Daraufhin soll er sich an das Unternehmen gewandt und die Rechnung eingefordert haben. Er bekam eine Kopie, die dem Abendblatt vorliegt. Die Rechnung ist auf den 23. Mai datiert, der Betrag ist bis zum 6. Juni fällig. "Ich habe daraufhin die Rechnung innerhalb einer Frist von 14 Tagen bezahlt", sagt Hütter.

Am 5. Juli habe er die 3340,27 Euro an die Stadtwerke überwiesen, einen Tag darauf sei ihm ein Schreiben des Inkassounternehmens ins Haus geflattert. Darin wird nicht nur die offene Summe, sondern auch fünf Euro Mahnkosten sowie eine Bearbeitungsgebühr von 302,10 Euro für das Inkassounternehmen eingefordert. "So möchte ich auch mal mein Geld verdienen", sagt Hütter mit Blick auf die zehn Prozent Aufschlag. Er habe dem Inkassounternehmen schriftlich mitgeteilt, dass er keine Rechnung erhalten habe, die Summe zwischenzeitlich beglichen wurde. Als Antwort erhielt er ein zweites Schreiben am 9. Juli, in dem nur Mahn- und Bearbeitungsgebühren in Höhe von 307,10 Euro verlangt werden. Die bereits im ersten Schreiben gesetzte Frist zum 16. Juli wird erneut genannt, zudem werden eine gerichtliche Festsetzung und Verzugszinsen in Aussicht gestellt.

Schack kann darüber nur den Kopf schütteln. "Die Androhung, die Inkassovergütung festsetzen zu lassen, ist unstatthaft und sachlich falsch. Damit wird unzulässiger Druck vermittelt." Mit Blick auf die Mahnungsfristen und das einmalige Erinnerungsschreiben, sagt er: "Hier ist offenkundig, dass haarscharf das Eintreten der Voraussetzungen für eine Fremdvergabe abgewartet wird, um Arbeit und Gewinne für Dritte zu generieren."

Freyermuth will sich in den kommenden Tagen in Abstimmung mit seinem Anwalt zu den Vorwürfen genauer äußern. Barmstedts Bürgermeister Nils Hammermann sowie der Vorsitzende des zuständigen städtischen Werkausschusses waren für eine Stellungnahme am Dienstag nicht zu erreichen.