Pinneberg

Barmstedt hat am Sonntag die Wahl

Endspurt im Kampf um den Bürgermeister-Posten. Stichwahl am 16. Juni zwischen Heike Döpke aus Hannover und Jörg Dittmer aus Barmstedt.

Barmstedt. Endspurt im Bürgermeisterwahlkampf. Am kommenden Sonntag, 16. Juni, sind die 8089 wahlberechtigten Barmstedter erneut aufgerufen, ihren künftigen Bürgermeister zu wählen. Heike Döpke aus Hannover tritt an gegen Jörg Dittmer aus Barmstedt.

Die Kandidaten, beide Jahrgang 1961, geben alles. Für die letzten zwei Wochen vor der Stichwahl haben sie sich Urlaub genommen. Heike Döpke sogar unbezahlt. Sie sprechen mit den Bürgern auf der Straße, besuchen die Vereine und andere meinungsbildende Gruppen in der Stadt, stellen ihre Positionen und Aktivitäten auf Internetseiten dar und machen gezielt Hausbesuche. Vor allem dort, wo die ausgeschiedenen Kandidaten am 26. Mai ihre 1056 Stimmen sammelten, die nun neu vergeben werden könnten. Der Vorsprung von Dittmer gegenüber Döpke betrug da 275 Stimmen. Nur ihre Stimmen gezählt, erreichte Dittmer 54,1 Prozent und Döpke 45,9 Prozent. Am Sonntag geht es aber für beide wieder von vorne los. Sie müssen ihre Unterstützer mobilisieren, zur Wahl zu gehen. "Es steht wieder null zu null", sagt Dittmer.

Oft kreuzen sich ihre Wege. Auf dem Wochenmarkt stehen sie nur etwa 20 Meter voneinander entfernt zwischen den Gemüsehändlern der Region. Heike Döpke hat Kaffee und Kuchen mitgebracht und lädt die Passanten auf einen kurzen Schnack am Stehtisch ein. Dittmer ist mit einigen aus seinem Unterstützerteam gekommen und lässt Uli Baum an der Gitarre sein "Barmstedt-ich-komme-wieder"-Lied vortragen, das der eigens für Dittmer nach der Melodie von "Over the Rainbow" komponiert hat. Wenige Passanten halten an. Einer meint, die Lautstärke würde die Marktbeschicker nerven.

An der ortsfremden Heike Döpke, die zwar parteilos ist, aber für die SPD antritt, besteht Interesse. Ratspolitiker verschiedener Fraktionen und der frühere Bürgermeister aus Lutzhorn bleiben für einen Plausch stehen, wollen wissen, was sie erwartet, wenn erstmals eine Frau Bürgermeisterin in Barmstedt werden würde. Auch der ehemalige Verleger der Barmstedter Zeitung ist darunter, der sich "Frische" in der Verwaltung wünscht. Ein Fraktionschef, nicht von der SPD, gibt zu, Heike Döpke bereits gewählt zu haben. Leute schütteln ihr die Hand und sagen aufmunternde Worte wie jener kräftige Mann mittleren Alters, der ihr zuruft: "Ich stehe mit 1000 Mann hinter Ihnen, wenn Sie Hilfe brauchen." Ein Rentner sagt: "Meine Stimme ist Ihnen sicher. Wir brauchen eine flotte Frau im Rathaus. Dann kommt frischer Wind rein"

Döpke ist von dem Zuspruch überwältigt. "Da kommt ganz viel rüber", sagt sie. Wenn sie durch die Wohngebiete laufe, höre sie oft den Vorwurf: "Bei uns waren Sie noch gar nicht." Barmstedt scheint neugierig auf die Frau, die ihren Job als Sachgebietsleiterin in der Stadtverwaltung Hannover aufgeben will, um Chefin im kleinsten Rathaus des Kreises Pinneberg zu werden. Und nicht nur das. Sollte sie am Sonntag gewählt werden, wolle sie auf jeden Fall nach Barmstedt umziehen, verspricht sie. Ihren Mann Frank würde sie dann selten sehen. Denn der ist auch in der Stadtverwaltung Hannover beschäftigt.

Anfangs schlief sie noch im Hotel. Jetzt wohnt Heike Döpke bei einer Genossin. Sonntag walkte sie beim Stadtlauf mit. "43 Minuten, hinteres Mittelfeld, ohne Training", sagt sie. Sie verteilt Flyer und hat die Erstwähler angeschrieben. Von ihren mehr als 1000 Besuchen wisse sie, wo vielen Barmstedtern der Schuh drückt. "Sie wollen den Schwerlastverkehr aus der Innenstadt haben." Die offene Jugendarbeit könnte verbessert werden. Der Leerstand der Geschäfte sorge viele, hat sie erkannt. "Aber das liegt auch in privater Hand." Das Kopfsteinpflaster auf dem Marktplatz mache alten Leuten zu schaffen.

Jörg Dittmer ist hoch konzentriert bei der Sache. Mit seinem Team habe er das erste Wahlergebnis genau analysiert, sagt er. Der Vier-Punkte Plan - attraktive, aktive, sichere und Generationen-Stadt - habe den Puls der Zeit getroffen, glaubt er. "Ich bekomme enorm viel positive Rückmeldungen und Schulterklopfen."

Dass er die Leute auf der Straße plattdeutsch ansprechen könne, sei ein großer Vorteil, sagt der Jugendbeauftragte der Hamburger Polizei. Er habe auch einige Umlandbürgermeister besucht, um sich vorzustellen. Er weiß auch, dass viele Bürger der Verkehr im Stadtzentrum ärgert. "Shared Spaces", also gleiche Rechte für alle Verkehrsteilnehmer, wären eine Lösung, glaubt Dittmer. Die Verwaltung würde er transparenter leiten, einen Jugendbeirat einführen, die Innenstadt müsse belebt werden. Dafür würde er feste Ziele mit den Politikern vereinbaren.

Serienbriefe verschicke er nicht. "Das ist nicht mein Stil." Er habe auch keine Agentur, die ihn unterstützt. Aber er werde noch einen zweiten Flyer herausbringen und neue Wahlplakate aufstellen. Dittmer betont: "Ich bin unabhängiger Kandidat." Den Wahlkampf bestreite er "mit meinem eigenen Geld". Er erhalte keine finanzielle Unterstützung von der FWB, die sein Vater Alfred 1966 mitgegründet hat. Als Bürgermeister werde er seine Mitgliedschaft ruhen lassen, verspricht Dittmer, um Interessenskonflikte zu vermeiden. "Ich komme aus der Mitte der Bevölkerung", sagt Dittmer. So wisse er über vieles Bescheid, werde in der Bürgerschaft stark rückgekoppelt. Von seinem Team ist er begeistert. "Das ist ein toller Erfahrungs- und Lebensgewinn. Das berührt mich echt." Diese Stimmung und Euphorie möchte er gerne ins Rathaus mitnehmen. "Das überträgt sich dann auf den Job."

www.heike-doepke.de

www.joerg-dittmer.de