Pinneberg

Rossmann will Wilms kräftig heimleuchten

Retourkutsche an die Adresse der Grünen-Abgeordneten nach ihrer SPD-Kritik

Elmshorn/Pinneberg. Dieser Besuch in Ilses Kerzenhaus war eine Herzensangelegenheit für Ernst Dieter Rossmann. Die größte rote Kerze musste es sein, die in dem Lädchen im Elmshorner Wasserturm zu finden war. Der SPD-Bundestagsabgeordnete für den Kreis Pinneberg will nämlich seiner Grünen-Bundestagskollegin Valerie Wilms kräftig heimleuchten, hatte sie doch jüngst bei einem Interview mit dieser Zeitung demonstrativ die Flammen auf einer schwarzen und einer grünen Kerze brennen lassen - dafür aber die Flamme auf dem roten Gegenstück ausgeblasen. Der SPD im 150. Jahr ihres Bestehens das Licht auszublasen, sei einfach naiv, unhistorisch und unrealistisch, so Rossmann. Die SPD sei 150 Jahre jung und äußerst vital. "Damit ihr ein Licht aufgeht", sagte Rossmann, werde er Valerie Wilms die rote Kerze aus Elmshorn in Kürze in Berlin mit einer Streichholzschachtel überreichen.

Der Stachel sitzt offenbar tief. Wilms hatte mit ihrer Kerzen-Aktion, ihrem süffisanten Verweis auf den Niedergang der SPD-Umfragewerte und einen immer unwahrscheinlicheren Machtwechsel bei der Bundestagswahl in Berlin auch andere Sozialdemokraten auf die Palme gebracht.

So beschwor auch SPD-Kreisvorsitzender Thomas Hölck durchaus poetisch die ewige Flamme der Partei: Bei den Sozialdemokraten brenne seit 150 Jahren ein Feuer im Herzen, leidenschaftlicher Einsatz für soziale Gerechtigkeit resultiere aus dieser ureigenen Energie. "Ich bin mir sicher, dass Frau Wilms sich nicht in eine Reihe stellen möchte mit denjenigen, die im Verlauf der letzten 150 Jahre vergebens versucht haben, die sozialdemokratische Flamme restlos auszulöschen."

Insofern sei es eine große Freude für ihn gewesen, ergänzte Ernst Dieter Rossmann, dass die Grünen sich auf ihrem Bundesparteitag mit dem eindeutigen Votum für Rot-Grün und damit gegen die Position von Wilms entschieden hätten, "keine Partei der Beliebigkeit zu werden" und weiter am gemeinsamen sozial-ökologischen Zukunftsprojekt zu arbeiten.

Zwar seien SPD und Grüne grundverschiedene Parteien, hätten jedoch viele Schnittmengen. Erschreckend bei Wilms, so Rossmann, sei allerdings das Fehlen der Wahrnehmung für soziale Belange. Sie hatte beispielsweise kritisiert, dass die SPD bei der Rente von 67 an zurückrudern wolle. Das solle sie mal körperlich hart arbeitenden Menschen wie Altenpflegerinnen, Metallarbeitern oder Beschäftigten in der Abfallbehandlung sagen, so der Sozialdemokrat.

Wer wie Wilms Schwarz-Grün favorisiere und dabei auch noch von einem "Erfolgsmodell" rede, habe wohl vergessen, welche ernüchternde Bilanz beispielsweise die schwarz-grüne "Elbphilharmonie-Koalition" in Hamburg vorzuweisen habe. Rossmann ist jedenfalls zuversichtlich, dass die Genossen noch richtig aufdrehen. "Peer wird ein guter Kanzler sein", so seine Prognose. Er durchstoße zunehmend die "Medien-Barriere". Ihm sei jeder Kanzler lieber, der auch einmal Fehler zugeben und sich verändern könne, als eine Frau Merkel mit Unfehlbarkeitsanspruch.

Im Übrigen springe die CDU ja mittlerweile auf alle Züge auf, nicht nur im Bund, sondern auch auf kommunaler Ebene. Heute setze sich die Union für Krippenplätze ein, so Rossmann, vor 20 Jahren sei dies in der CDU noch als Rückfall in DDR-Zeiten verteufelt worden.

Ob in Valerie Wilms' Berliner Abgeordnetenbüro künftig eine ewige Flamme für die Sozialdemokratie brennen wird, darf bezweifelt werden. Sollte sie der roten Gigant-Kerze jedoch eine grüne gleichen Kalibers entgegensetzen wollen - Rossmann kennt zumindest eine gute Adresse in Elmshorn.