Kommentar

Auch mal unbequem sein

Seit drei Jahren weht ein anderer Wind im Kreishaus.

Statt One-Man-Show wie zuvor bei Wolfgang Grimme setzt Landrat Oliver Stolz auf Dialog. Er bindet die Politiker in seine Entscheidungen ein und grenzt niemanden aus. Er setzt auf Konsens und nicht auf Krawall. Er sucht die Harmonie und weniger den harten Kurs. Das ist ein Klimawechsel um 180 Grad. Viele Mitarbeiter dürften erleichtert aufgeatmet haben, dass die hektische Zeit des ständigen Wandels vorbei ist. Sogar die ungeliebten großen Büros blieben ihnen dank Stolz erspart.

Auch die Politiker scheinen froh zu sein, dass die Machtverhältnisse wieder austariert sind. Es gibt keine Alleingänge mehr, die sie zu Getriebenen machten wie bei dem hektischen Verkauf der Regio Kliniken.

Und die Bürger freuen sich über die hellen und freundlichen Empfangsräume im neuen Kreishaus, während sie früher völlig desorientiert durch ein altes Haus laufen mussten.

Das alles ist positiv und ist das Verdienst von Oliver Stolz. Aber reicht das aus, um das Amt des Landrats auszufüllen? Wer einen reinen Verwaltungsfachmann bevorzugt, dürfte voll zufrieden sein. Wer aber Visionen erwartet, ist weniger begeistert. Das sollte sich Stolz für die zweite Hälfte seiner Amtszeit vornehmen: Weniger verwalten, mehr machen, auch gegen den Mainstream. Ein Landrat muss auch mal unbequem sein. Die Bürger im Kreis Pinneberg sind anderes gewohnt.