Moment mal!

Wichtig für nur zehn Minuten

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Eine Glosse von Bernd-Olaf Struppek

Ich habe wirklich gedacht, ich wäre wichtig. Knappe zehn Minuten lang. Dann lachte mich das Leben, vertreten durch einen Kollegen, für meinen Irrglauben schallend aus.

Es begann mit einem Anruf eines alten Bekannten. Der klingelte, nachdem wir lange keinen Kontakt mehr gehabt hatten, im Büro an. „Ich habe es schon über Handy versucht. Hast Du nicht mehr die Nummer 01. . .tralala?“ fragte er. Nein, die Nummer sagte mir gar nichts. Mein Bekannter aber hatte unter dieser Nummer durchaus jemanden erreicht: „Herr Platzeck hat sich unter dieser Nummer gemeldet. Und er sagte, er kenne Dich. Vom Abendblatt.“

Platzeck? Platzeck? Doch nicht der Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg? Sollte mein Bekannter zufällig dessen Geheimnummer erwischt haben? Erinnerte sich der SPD-Politiker tatsächlich an den einen Termin, bei dem ich ihn vor einigen Jahren einmal getroffen hatte? Ja, schon klar, nicht gerade logisch, eigentlich völlig unwahrscheinlich. Natürlich war ein bisschen der Wunsch Vater des Gedanken. Machte es mich doch irgendwie wichtig, wenn ein solcher Prominenter mich kennt.

Kurz darauf jedoch war es mit diesem Hochgefühl wieder vorbei. Kollege M., der von dem Telefonat etwas mitbekommen hatte, fragte, ob es um den Platzeck gegangen sei. Ich erklärte gerade Hintergrund und Gedankengang, als Kollege K. hinzutrat. Dessen Name endet auf -czyk, fonetisch also auf -zick, beim nicht so genauen Hinhören am Telefon eventuell als -zeck zu verstehen. „Ich will dich nicht enttäuschen“, sagt Kollege K, „aber Dein Bekannter hat mich angerufen. Habe ihm gesagt, dass ich Dich natürlich kenne und er Dich unter der Büronummer anrufen soll.“

Autsch! Und ich dachte, knappe zehn Minuten lang, ich wäre wichtig.

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