Pinneberg

Marschbewohner sollen hoch bauen

Expertin gibt bei Klimakonferenz in der Kreisverwaltung Tipps fürs Überleben

Kreis Pinneberg. Der Tagungsort passte als abschreckendes Beispiel zur Veranstaltung. Denn die Regionale Klimakonferenz des Klimabüros Küstenpower und weiterer Unterstützer fand im Kreistagssitzungssaal statt. Und der ist wie die gesamte Gebäudesubstanz der Kreisverwaltung alles andere als ein energetisches Vorzeigeprojekt, wie Landrat Oliver Stolz in seinem Grußwort selbstkritisch einräumte.

Während sich solche Probleme beim Kreis mit dem Umzug in das frühere Talkline-Center demnächst minimieren lassen, ist es beim regionalen Klimawandel und seinen bedrohlichen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt nicht so leicht getan. Hunderttausende Bewohner der Küstengebiete Schleswig-Holsteins und natürlich auch im Kreis Pinneberg müssten wegziehen, um den Folgen der steigenden Pegelstände von Flüssen und sich ausweitenden Niederschlägen in der Region zu entgehen. Referentin Insa Meinke vom Norddeutschen Klimabüro zeichnete mit ihren Prognosen für die nächsten 100 Jahre ein eindrucksvolles Bild der Zukunft. Zwar unter dem Vorbehalt, dass sich manches noch ändern könnte, gilt jedoch schon jetzt als gesichert: Es gibt kein Szenario einer zukünftigen Entwicklung, das keine Erwärmung des Klimas erwarten lässt.

Elmshorn soll Vorzeigestadt für alternative Energien werden

Hauptursache sind für die globalen wie regionalen Temperaturanstiege die von Menschen gemachten Treibhausgase. Während in den vergangenen 100 Jahren die Erderwärmung um durchschnittlich 0,8 Grad zulegte, seien jetzt - je nach Modellrechnung - zwei bis viereinhalb Grad zusätzlich zu erwarten. Verbunden damit sind nach Angaben der Wissenschaftlerin aber nicht nur höhere Wasserstände. "Auch die Vegetationsperioden weiten sich aus." Bis zu 42 Sommertage mehr mit weniger Regen könnte es wegen der Treibhausgase geben. Umso stärker fallen jedoch die Niederschläge in der milderen Wintersaison aus. Die Erwärmung könne einen erhöhten Schädlingsbefall zulasten der Landwirtschaft auslösen.

Insa Meinkes Tipp für die Marschbewohner: Sie sollten auf eine Unterkellerung ihrer Häuser verzichten und sich vermehrt speziellen Hochbautechniken zuwenden.

Um den Verzicht auf Klimakiller wie Kohle, Öl und Gas sowie mögliche Alternativen dazu kümmert sich ein Projekt von Morgenwelt GmbH. Die unabhängige Kommunikationsplattform will in Kooperation mit den Stadtwerken versuchen, die Stadt Elmshorn mit ihren 50 000 Einwohnern zu einer Modellregion für erneuerbare Energien zu machen. Gleichzeitig soll die Zahl der alternativen Energieerzeuger in der Stadt erheblich gesteigert werden.

Geschäftsführer Björn Hansen, der früher die Streuobstwiesenfeste betreute, will mit dieser Aktion die Elmshorner in Sachen Nachhaltigkeit gehörig auf Trab bringen. Dazu gehören unter anderem Rockfestivals in Verbindung mit Energie-Erzeugungsmaschinen, die von den Zuschauern per Pedalantrieb bewegt werden. Hansen will mit den Elmshornern Lösungsansätze ermitteln und langfristig das Modell einer alternativen Mittelstadt entwickeln.