Pinneberg
Uetersen

Eigene Stadtwerke "ausgebremst"

Foto: Manfred Augener

Uetersens Bürgermeisterin schreibt Energieversorgung aus. Aufsichtsrat hegt "Verdacht der Treuepflichtverletzung"

Uetersen/Tornesch. In der Kette von Querelen zwischen der Uetersener Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) und den Uetersener Stadtwerken reiht sich ein Glied ans nächste. Nach dem Rauswurf des Unternehmens aus dem eigenen Rathaus zum Jahresende soll zum 1. Januar die Wasserversorgung neu vergeben werden. Und auch ein neuer Gas- und Stromlieferant für Schwimmbad, Schulen und alle öffentlichen Gebäude wird zu 2013 gesucht. Anstatt dieses Gesamtpaket von rund 700 000 Euro, wie in Kommunen üblich, dem eigenen Unternehmen zu übertragen, hat sie ohne Zustimmung der Politik eine Ausschreibung eingeleitet. Auch der gesamte Netzbetrieb muss zum Ende 2012 neu vergeben werden. Das hat nach Informationen unserer Zeitung - je nach Laufzeit von üblichen fünf bis 20 Jahren - ein Gesamtvolumen von bis zu 15 Millionen Euro. Pikant: Die Stadtwerke Tornesch haben sich darum schon beworben.

Dass die Bürgermeisterin die Ausschreibung des Energielieferanten quasi im Alleingang beschlossen hat, stößt auf scharfe Kritik. "Hier drängt sich schon der Verdacht der Treuepflichtverletzung auf", sagt Sabine Lankau, Ratsmitglied für die Wählergemeinschaft Bürger für Bürger (BfB) und Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke Uetersen GmbH, die mehrheitlich der Stadt und zu 49 Prozent den Stadtwerken Elmshorn gehören. Ein anderes Aufsichtsratsmitglied sagt: "Das ist ein Ding aus dem Tollhaus. Wir haben das Gefühl, dass die Bürgermeisterin gegen die eigenen Stadtwerke schießt."

Andrea Hansen sagt dazu: "Das ist Verwaltungshandeln. Das kann die Bürgermeisterin entscheiden." Sie habe die Fraktionsvorsitzenden über ihre Entscheidung informiert. Schließlich gehe es um Steuergelder, die hier in erheblichem Maße eingespart werden könnten. "Wenn wir nur unser Gas und Strom für ein Prozent günstiger einkaufen können, sparen wir 7000 Euro. Das haut ordentlich rein."

Bringt Tornesch eigene Interessen in das Uetersener Machtspiel ein?

Bislang wird die Rosenstadt von den eigenen Stadtwerken sowie den Stadtwerken Barmstedt und E.on-Hanse mit Strom und Gas beliefert. Ihr Verhältnis zu den Stadtwerken Uetersen beschreibt Hansen so: "Das ist eine ganz normale Geschäftsbeziehung, mehr nicht. Das ist keine Liebesheirat."

Sabine Lankau ist "stinksauer" auf Hansen. "Wie wollen wir unsere Bürger motivieren, unseren Stadtwerken die Treue zu halten, wenn wir als Kommune es noch nicht einmal selbst vormachen? Wie soll der Aufsichtsrat eine neue Geschäftsführung finden, wenn alle zwei Wochen aus dem Rathaus so ein Klopfer kommt?"

Bisher sei der Aufsichtsrat zurückhaltend gewesen, weil die Stadt Uetersen, deren Vertreterin Hansen ist, durch "Schlammschlachten" nicht beschmutzt werden solle. Doch anstatt das eigene Unternehmen zu stärken, werde es durch das Verhalten der Bürgermeisterin mit der Kündigung der Stadtwerke-Geschäftsstelle im Rathaus und der Neuausschreibung der Energielieferanten geschädigt. Auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am 6. Oktober wird sich Hansen deshalb vielen kritischen Fragen stellen müssen. "Das wird ein langer Abend", ahnt ein Aufsichtsratsmitglied, das nicht genannt werden will.

Insider sehen diese Querelen in einem größeren Zusammenhang. Offen spricht man nicht darüber, doch hinter der Hand wird der Verdacht geäußert, dass auch der Nachbar Tornesch in diesem Spielchen mitwirken könnte. Seit Amtsantritt im April 2009 rückte Bürgermeisterin Andrea Hansen immer enger an ihren Tornescher Kollegen, Bürgermeister Roland Krügel, heran. Gemeinschaftsaktionen wie bei der Kreisstraße 22, der VHS oder beim Schulzweckverband waren die Folge. Krügel ist gleichzeitig Geschäftsführer der Stadtwerke Tornesch GmbH, an der die E.on zu 49 Prozent beteiligt ist.

Starke Stadtwerke in Uetersen, die womöglich dem E.on-Konzern den Netzbetrieb nicht mehr anvertrauen, in direkter Nachbarschaft zu einer Stadt, die man lieber heute als morgen "schlucken" möchte - das dürfte nicht in Krügels Interesse liegen, wird argumentiert. Absprachen zwischen dem harmonierenden Bürgermeister-Duo werden angenommen und befürchtet.

Bürgermeister Krügel widerspricht Spekulation um Geschäftsführer-Job

Bürgermeister Krügel meldet seine Interessen unverhohlen an. "Wir wollen doch fusionieren", sagte er. "Natürlich haben wir uns um die Uetersener Netze beworben, weil es Unsummen kostet, sie zu trennen." Sinnvoll sei eine gemeinsame Stadtwerke-Gesellschaft, von der man aber auch die Stadtwerke Elmshorn nicht ausschließen müsse. Was wäre dann mit der Beteiligung von E.on, einem der ärgsten Widersacher der Stadtwerke Elmshorn? Krügel: "So ein großer Bruder schadet doch nicht."

Energisch weist er Spekulationen zurück, er selbst strebe einen gut dotierten Posten als Geschäftsführer eines gemeinsamen Stadtwerkes an, während er der Kollegin Hansen die verwaltungspolitische Führung überlasse. "Das kann man definitiv ausschließen."