Pinneberg
Günter Schulz ist Initiator einer Hilfsaktion

Alte Brillen werden in Sri Lanka zum Geschenk des Himmels

Foto: Jörg Frenzel

Schon mehr als 5000 Sehhilfen wurden an Menschen vermittelt, die sich solche optischen Hilfen finanziell sonst nicht leisten könnten.

Wedel/Pinneberg. Während hierzulande wandelnde Moden den Trend zu einer Zweitbrille stärken, sind die Menschen in Sri Lanka oft froh, wenn sie überhaupt eine Sehhilfe bekommen. Und alte Brillen - in Deutschland achtlos als Abfall angesehen - verwandeln sich dort zu Geschenken des Himmels. Eine Gruppe von Männern und Frauen aus dem Kreis Pinneberg sorgt dafür, dass deutsche Gebrauchtbrillen in Asien in richtige Hände kommen.

Den Anstoß dafür hat Günter Schulz aus Wedel gegeben. Er war in den 90er-Jahren als technischer Berater auf Sri Lanka im Einsatz. Bei einem Besuch in einem Tempel machte er eine Entdeckung. "Dort waren einige Brillen ausgelegt - und Besucher mit Sehproblemen griffen einfach zu und setzten sie auf", so Schulz. Der Ingenieur beschloss: Das muss sich ändern und gründete den Verein Optician Team Germany. Mittlerweile sind sieben Mitglieder und weitere Helferinnen und Helfer Jahr für Jahr im Einsatz, Brillen auf die Insel im Indischen Ozean zu bringen - und Bedürftige fachgerecht zu versorgen.

"Wir sammeln in Deutschland nicht mehr verwendete, aber noch gebrauchsfähige Brillen, setzen sie instand, vermessen und klassifizieren sie. Gemeinsam mit Partnern vor Ort geben wir sie dann an Menschen aus, die kein Geld haben, eine Brille zu erwerben."

Die Optiker-Innung sprang den engagierten Senioren schnell zur Seite. Die Fachleute brachten den engagierten Laien bei, wie man Sehhilfen vermisst und wie Sehfehler bei Personen festgestellt werden können. "Wenn bei Kindern Sehfehler erst nach dem fünften Lebensjahr erkannt werden, kann das bleibende Schäden nach sich ziehen", so Schulz. Auffällige Kinder werden an Augenärzte weiter geleitet.

Und Erwachsene bekommen die passende Brille geschenkt. Doch das ist nur der krönende Abschluss einer aufwendigen Prozedur. Sie beginnt mit dem "Abklappern" von Optikern zum Einsammeln. Danach muss jede Linse vermessen und dokumentiert werden. Mit einem Schwung Brillen-Koffern im Gepäck fliegen Vereinsmitglieder in das Entwicklungsland. "Unsere Flüge zahlen wir natürlich selbst. Und für den Kauf der nötigen Instrumente hat uns die Bingo-Lotterie sehr unterstützt", sagt Schulz.

In wechselnden Orten lösen die Deutschen gemeinsam mit einheimischen Helfern die Sicht-Probleme der Menschen. Im Laufe der Jahre wurden mehr als 5000 Brillen ausgegeben. "Jugendliche können wieder in die Schule gehen oder einen Beruf erlernen, Erwerbstätigen fällt das Arbeiten leichter und Senioren können wieder aktiv am Leben teilnehmen."

Das Ehepaar Wolfram und Helga Siegel aus Pinneberg ist seit 2004 dabei. Jahr für Jahr opfern sie einen Teil ihres Urlaubs für die Hilfsflüge. "Wenn man zwischen zehn und zwölf Tagen 150 bis 180 Patienten pro Tag versorgt, ist das ganz schön anstrengend. Deshalb legen wir zwischen den einzelnen Behandlungstagen Pausen ein und gönnen uns natürlich auch einige Urlaubstage", sagt Helga Siegel.

Die Aktion hat sich mittlerweile herumgesprochen, sodass andere Länder Interesse zeigen. Über persönliche Bekanntschaften wurde mittlerweile auch Paraguay in den Fokus genommen.

Das hat zur Folge, dass Unterstützung und Hilfe gern gesehen wird. Weitere Informationen erteilen Günter Schulz unter 04103/16737 und Wolfram Siegel unter 04101/66161: "Schon mit einem kleinen Anstoß können wir den Menschen Kraft, Mut und Motivation geben, ihr oft schwieriges Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen."