Pinneberg
Denkmalschutz

Helgoland: Rathaus darf nicht saniert werden

Klimaschutz bricht nicht den Denkmalschutz: Auf diese Formel ist ein Urteil des Verwaltungsgerichts Schleswig zu bringen, das den Weihnachtsfrieden auf der zum Kreis Pinneberg gehörenden Hochseeinsel Helgoland massiv stört.

Helgoland. Die Gemeinde hatte den Kreis Pinneberg als Träger der Unteren Denkmalschutzbehörde verklagt. Das Streitobjekt: das Rathaus der Gemeinde. Der Ende der 50er-Jahre errichtete Bau steht, wie alle Gebäude der Insel, unter Denkmalschutz. Die Gemeinde wollte die Fassade des Gebäudes sanieren, um Energiekosten zu senken und Bauschäden zu beseitigen. Doch die Denkmalschutzbehörde stellte sich quer - und bekam nun vom Gericht Recht.

Das Betonskelett des Rathauses zeigt Risse, es dringt Feuchtigkeit ins Gebäude - und die Wärmedämmung ist mangelhaft. Das Sanierungskonzept war einfach: Die Helgoländer hatten geplant, ihr Rathaus in eine 11,5 Zentimeter dicke Schicht aus Mineralwolle "einzupacken" und eine neue, der alten nachempfundene Fassade "darüberzunageln" Laut Denkmalschutzbehörde würde eine Außenisolierung das Verhältnis von Länge und Breite des Gebäudes ruinieren. Sie will lediglich eine Innendämmung zulassen.

Die zweite Kammer des Verwaltungsgerichts befand jetzt, dass für ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude die Vorgaben der Energiesparverordnung nicht gelten würden. Daher bestehe für die Gemeinde keine Pflicht zu einer Wärmeisolierung des Gebäudes. "Für uns ist Denkmalschutz von höherem öffentlichen Interesse", sagt Marion Koll, Sprecherin des Verwaltungsgerichtes. Die Kammer habe befunden, dass es "auch andere technische Möglichkeiten gibt, das Gebäude zu dämmen."

Wie Bürgermeister Frank Botter dem NDR sagte, würde eine Innendämmung eineinhalb Jahre dauern und drei Mal so teuer werden wie die von der Gemeinde vorgeschlagene Lösung. Helgolands Rathaus wurde von den Hannoveraner Architekten Friedrich und Ingeborg Spengelin entworfen. "Es ist für diese Zeit eines der wichtigsten Architekturgebäude", sagt Annelie Fesser von der Denkmalschutzbehörde. Helgoland muss nun die Gerichtskosten zahlen, der Streitwert liegt bei 50 000 Euro. Die Gemeinde kann einen Antrag auf Zulassung der Berufung stellen.