"PVG-200" kommt ins Mercedes-Museum

Oltimer wird als WM-Bus 1974 hergerichtet

Schenefeld. Die Mitarbeiter der Pinneberger Verkehrsgesellschaft mit Sitz in Schenefeld sind für das Unternehmen DaimlerChrysler schon mehrfach Gold wert gewesen, zum Beispiel bei der Beschaffung von besonderen Ersatzteilen. Jetzt haben sie den Stuttgartern wieder einen großen Dienst erwiesen. Monatelang hatten die mit Hilfe des Südwest-Rundfunks (SWR) nach dem Bus gesucht, der 1974 unsere WM-Fußballhelden durch die Republik chauffiert hat. Doch das historische Gefährt, das zur WM 2006 in die Ahnengalerie des neuen Mercedes-Benz Museums kommen soll , ist seit den 80er Jahren im Ausland verschollen. Statt dessen wird jetzt ein Oldtimer der PVG hergerichtet, der aus der gleichen Baureihe O 302 stammt, von dem es europaweit nur noch zwei Busse geben soll.

Heute werden die PVG-Busfahrer Lothar Haase und Ernst Scherf das Schmuckstück mit der Nummer 200 nach Baden-Württemberg bringen. Um dort das Fahrzeug in den gewünschten Zustand zu versetzen, wird mit Ausnahme der Maschine alles auseinandergenommen.

Rückblende Juni 1974: In Deutschland kämpfen 16 Nationen um den Weltmeistertitel. Sie werden mit giftgelb lackierten Bussen, die mit Flagge und Landesaufschrift versehen sind, gefahren. "Die WM", so frohlockte der Hersteller, "steht unter einem guten Stern". Der Luxusbus mit Lederbestuhlung und Hecktoilette gilt als der sicherste und beste seiner Zeit.

Wogegen allerdings niemand versichert ist, sind die Launen von gut bezahlten Profis. Im SWR-Beitrag erinnert sich Nationalspieler Bernd Cullmann, daß Franz Beckenbauer sich mal als Busfahrer versucht habe: "Es war in Malente, auf dem Parkplatz, und ich meine, es wäre nicht ohne Blechschaden abgegangen."

Tatsache ist, daß 15 Busse nach der WM mit unbekannten Ziel verkauft werden. Das deutsche Reisegefährt landet bei einem Frankfurter Reiseunternehmen, das Urlauber in die Alpen und nach Rimini transportiert. Dann verliert sich die Spur. Kuba. Rußland und Zaire gelten als mögliche Abnehmer. Konkrete Hinweise konnte die Findungskommission von Daimler und DFB nicht ermitteln.

Auch wenn jetzt das Pinneberger Modell schön geschminkt wird, ist die Suche noch nicht abgeschlossen. DaimlerChrysler hat als Belohnung zwei VIP-Tickets für das WM-Spiel um Platz 3, am 8. Juli 2006 in Stuttgart, ausgesetzt.