Herzlichen Glückwunsch!

„Mister Handball“ wird heute 75 Jahre alt

| Lesedauer: 7 Minuten
Lukas David
Erich Eggenstein galt unter seinen früheren Weggefährten als Hamburgs elegantester und technisch bester Handballer.

Erich Eggenstein galt unter seinen früheren Weggefährten als Hamburgs elegantester und technisch bester Handballer.

Foto: Ha / Anne Pamperin

Erich Eggenstein hat sich in Henstedt-Ulzburg als Aktiver, Trainer und hauptamtlicher Sportlehrer um „sein“ Spiel verdient gemacht.

Henstedt-Ulzburg.  Erich Eggenstein muss nicht lange überlegen, was ihm momentan am meisten fehlt: „Handball natürlich!“ Zum ersten Mal überhaupt muss „Eggi“, wie der freundliche Mann mit dem grauen Vollbart stets genannt wird, auf seinen Sport verzichten. Aber er bleibt gelassen. „Ich warte einfach, bis Corona vorbei ist. Als Rentner habe ich sonst eh nicht viel zu tun.“

An diesem Sonnabend wird Erich Eggenstein 75 Jahre alt. Wenn das kein Grund ist, um auf das Leben und Wirken des Mannes zurückzublicken, der seit Jahrzehnten das Gesicht des Handballs in Hen­stedt-Ulzburg ist, der den Sport in der Großgemeinde entscheidend aufgebaut, gefördert und geprägt hat...

Fußball, Tischtennis, Rugby – und dann Handball

Am 20. Februar 1946 wird Eggenstein im Hamburger Stadtteil Farmsen geboren. In der Schule entdeckt er schnell sein sportliches Talent, spielt zunächst Fußball, Tischtennis und Rugby, eher der Handball ins Spiel kommt.

„Ich habe in der siebten Klasse mit Feldhandball angefangen. Wir waren sehr gut, haben sogar eine zehnte Klasse geschlagen. So habe ich gemerkt, dass mir dieser Sport liegt.“ Sein erster Verein wird der SC Condor in Farmsen, damit verbunden ist der Wechsel vom Großfeld- zum Hallenhandball.

„Das war im Jahr 1960“, erinnert sich Erich Eggenstein. „Wir hatten damals keine C-Jugend, weshalb ich in der B-Jugend spielen musste.“ Schnell folgt der Wechsel zum Eimsbütteler TV, in dem er von seinem 16. Lebensjahr an unter Trainer und Mentor Peter Karow in der damaligen 1. Division aufläuft. Viele Wegbegleiter halten Eggenstein damals für den elegantesten und technisch besten Hamburger Handballer.

1970 geht’s vom Eimsbütteler TV zum HSV

Vom ETV geht es 1970 zum großen Hamburger SV. „Ich habe erst in der Regionalliga und später auch in der Bundesliga-Mannschaft gespielt.“ Besonders in Erinnerung ist ihm das Aufeinandertreffen mit der deutschen Handballgröße Hansi Schmidt vom VfL Gummersbach geblieben. „Wir haben zu dritt versucht, ihn am Sprungwurf zu hindern – und es nicht geschafft.“

Den Weg nach Henstedt-Ulzburg findet Erich Eggenstein 1976. Vorangegangen ist eine unruhige Zeit beim HSV. Während seiner Sportlehrer-Ausbildung bei der Bundeswehr droht dem HSV der Abstieg. Auch Eggenstein gerät unter Druck, als sein damaliger Trainer Bernd Deppisch über die „Bild-Zeitung“ einige Spieler öffentlich anzählt. Als zeitgleich mit einem im Rahmen seiner Ausbildung stattfindenden Ruderlehrgang ein halbseitiger Bericht mit der Überschrift „Weil Erich rudern muss, kommt der HSV ins Schwimmen!“ veröffentlicht wird, holt der untadelige Sportsmann und stets engagierte Teamplayer kurzerhand seinen Spielerpass ab und verlässt den HSV.

„Der FC Union Ulzburg hat damals einen Vereinssportlehrer gesucht. So bin ich nach Henstedt-Ulzburg gekommen“, sagt Eggenstein. „Ich habe zunächst die Sportarten Handball, Leichtathletik, Volleyball und Turnen unterrichtet, bin später aber immer mehr im Handballbereich aktiv gewesen.“

Erste Station in der Gemeinde: der FC Union Ulzburg

Zeitgleich wurden mit dem Bau der ersten Großsporthalle am Schulzentrum an der Maurepasstraße hervorragende Bedingungen für Handball geschaffen. „Als ich beim FCU anfing, gab es gerade einmal zwei Jugendteams. Ich habe daraufhin zusammen mit Wilfried Balschuhn angeregt, ein eigenes Turnier zu veranstalten, um mehr Nachwuchs für den Sport zu begeistern.“ Als 1977 der erste Ulzburg-Cup stattfand, war die Anzahl der Jugendmannschaften auf 16 angewachsen. „Es war mein Ziel, möglichst viele Kinder zum Handball zu bringen. Deshalb bin ich auch in die Schulen gegangen und habe Meisterschaften für sechste Klassen veranstaltet.“

Seine eigene Karriere pausiert derweil nicht. Mit dem FC Union Ulzburg läuft „Eggi“ in der Kreisklasse A auf, wird für die Gegner mit durchschnittlich zehn bis 15 Treffern pro Partie schnell zum Schreckgespenst auf dem Spielfeld. Mit dem bundesligaerfahrenen Routinier als Rückhalt gelingt schnell der Aufstieg in die Kreisliga. Noch bis zu seinem 43. Lebensjahr ist Erich Eggenstein für den FCU aktiv. Als es 1994 zur Fusion der Stammvereine FC Union Ulzburg, MTV Henstedt und SV Henstedt-Rhen zur HSG Henstedt-Ulzburg kommt, greift er er noch einige Jahre im Seniorenteam zum Ball. Erst mit 61 beendet er seine Laufbahn.

Mit 61 Ende der aktiven Laufbahn

„Irgendwann ging es körperlich nicht mehr. Beim Fallen gab es Probleme“, erinnert sich der ehemalige Kreisläufer. „Ich habe immer mit vollem Einsatz gespielt und bin dennoch von großen Verletzungen verschont geblieben.“

Ambitionen, einmal hochklassige Männer- oder Frauenteams zu trainieren, hegte Erich Eggenstein nie. Sein Engagement galt vielmehr stets dem Nachwuchs. „Bei den Kids konnte ich auf gesundes Training und Beweglichkeit achten. Deshalb hat mir die Arbeit mit ihnen immer so viel Spaß gemacht. Niemand wollte die Jüngsten trainieren, für die A- oder B-Jugendlichen war hingegen immer jemand zu finden.“

In den vergangenen Jahrzehnten haben Hunderte Kinder bei Erich Eggenstein, der stets bescheiden und zurückhaltend auftritt, das Handballspielen gelernt. Loyal gegenüber Verein und Ort schlug er Angebote hochklassiger Vereine oder eine Lehrarbeit auf Verbandsebene aus. Seine Ausbildung brachte unter anderem Bundesliga-Profi Jan Schult und die Nationalspielerinnen Nina Schilk und Annika Lott hervor.

Der Ulzburg-Cup ist „Eggis“ Baby

„Eggis“ Baby, der Ulzburg-Cup, soll 2021 schon zum 44. Mal stattfinden. Ihn haben seit dem Premierenturnier mehr als 75.000 Handballerinnen und Handballer aus 17 Nationen besucht. „Ich hatte zunächst die Angst, dass der Cup zusammenbricht, wenn ich mich nicht mehr um die Organisation kümmere. Doch zunächst Wulf Winterhoff und jetzt Gitta Paulat sind mit viel Begeisterung dabei. Die Veranstaltung ist in guten Händen.“

Erich Eggensteins Verständnis von Sportkultur geht weit über die Grenzen von Henstedt-Ulzburg hinaus. Seit 1980 haben zunächst der FCU, später die
HSG HU und nun der SVHU dank seiner Initiative internationale Ausfahrten und Turnierbesuche unternommen. „Wir haben in Europa alles abgeklappert“, erzählt der Handball-Rentner, „Frankreich, Norwegen, Schweden, Polen, Bulgarien, Italien, Schweiz. Sogar in den USA waren wir mit einer Mannschaft.“ Auf privaten Reisen kamen exotische Ziele wie Neuseeland, Namibia, Kuba oder Thailand hinzu. „Und ohne Corona wäre ich diesem Winter wahrscheinlich wieder in den Süden geflogen.“

Aufmerksamer Beobachter der Situation beim SVHU

Mit Blick auf die aktuelle Lage beim SV Henstedt-Ulzburg hofft Erich Eggenstein, dass insbesondere der männliche Nachwuchs nach den pandemiebedingten Einschränkungen wieder zu alter Stärke zurückfindet. „Ich habe nach meinem Ausscheiden zwar keine Mannschaft mehr betreut, mir aber weiterhin viele Spiele angeschaut. Nach dem Abstieg des Zweitliga-Teams ist leider auch der männliche Bereich zusammengebrochen. Um die Mädchen mache ich mir hingegen weniger Sorgen. Mein letzter Eindruck war, dass sich die Mannschaften im Aufwind befinden.“

Ein erneutes Engagement beim SVHU will Erich Eggenstein nicht grundsätzlich ausschließen. „Ich hätte schon Lust, im Handballbereich wieder etwas zu machen, möchte aber frei für meine Reisen sein.“ Doch ob nun mit oder ohne offizielle Funktion, eines ist sicher: „Seinem“ Sport wird „Eggi“ auf jeden Fall auch weiterhin verbunden bleiben...

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