Eintracht Norderstedt

Eddy Münch tritt kürzer – aber nur ein wenig

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Mirko Schneider
Eintracht Norderstedt Sponsorenbauftragter Eddy Münch (8.3.45)

Eintracht Norderstedt Sponsorenbauftragter Eddy Münch (8.3.45)

Foto: Anne Pamperin

Der 75-Jährige hat sein Amt als Sicherheitsbeauftragter des SHFV abgegeben, bleibt jedoch Sponsorenbeauftragter des Regionalligisten.

Norderstedt.  Auf eines legt Eddy Münch großen Wert: Er hat nicht aufgehört. Nicht völlig. „Ich bleibe Sicherheitsbeobachter beim Deutschen Fußball-Bund für die ersten drei Ligen, Kuratoriumsmitglied der Sepp-Herberger-Stiftung und Sponsorenbeauftragter bei Eintracht Norderstedt.“ Aufhören? Er? Allenfalls ein bisschen. Kürzlich legte Münch aus Altersgründen sein Amt als Sicherheitsbeauftragter des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV) nieder.

„Ich bin jetzt 75. Andere sind an der Reihe“, sagt er. Der Tausendsassa hinterlässt riesige Fußstapfen, nicht nur beim SHFV. Was der stets vitale Eberhard Münch, dem die Mädchen in der Schule den Spitznamen „Eddy“ verpassten, in mehr als einem Dutzend Ehrenämtern an sozialem Engagement geleistet hat, schaffen andere nicht in fünf Leben.

Immer mit einem Schnack auf den Lippen, gesegnet mit unerschütterlichem Optimismus und Tatkraft, ergriff er oftmals spontan die Möglichkeiten, die ihm das Leben bot – um dann umso nachhaltiger zu wirken. Schiedsrichter wurde der frühere rechte Mittelfeldspieler im Jahr 1975, nach seinem zweiten Beinbruch beim FC Union Ulzburg. „Wenn du zu blöd zum Fußballspielen bist, dann werde doch Schiedsrichter“, erinnert sich Münch an die Worte seines damaligen Liga-Obmanns Klaus Pinck.

Unkonventionelle Art als Fußball-Schiedsrichter

Er hielt das für einen guten Vorschlag und legte los. Auf seine eigene, unkonventionelle Art. Mit den Spielern kommunizierte er auf dem Feld in einer heutzutage nicht mehr möglichen Offenheit, ohne dabei abzuheben. Bei einem Oberligaspiel von Strand 08 sorgte sein Gerechtigkeitssinn für einen Medienauflauf. Nach einer Roten Karte machte ihm sein Linienrichter Fred Müller klar, dass gar keine Berührung vorlag. Der von Münch des Feldes verwiesene „Täter“ war aber schon in der Kabine. „Das ging so nicht. Also habe ich ihn auf den Platz zurückholen lassen, mich bei ihm entschuldigt und dem Schauspieler die Gelbe Karte gezeigt. Der Schiedsrichterbeobachter fand das nicht so toll“, sagt Eddy Münch lachend. Den Berichterstattern und der Öffentlichkeit gefiel die Fairplay-Geste dafür umso besser.

Sportfunktionär und Schöffe

Seine ehrenamtliche Funktionärskarriere startete Münch zeitgleich mit seinen ersten Spielleitungen als Unparteiischer. Beim Kreisfußballverband Segeberg wirkte er als Schiedsrichter-Lehrwart, später stieg er bis zum Vorsitzenden des KFV auf. Münch, durch seinen Beruf als technischer Angestellter bei der Lufthansa in einen Vollzeitjob eingebunden, war von diesem Zeitpunkt an in seiner Freizeit ständig ehrenamtlich aktiv. Er trieb beim TSV Nahe als Zweiter Vorsitzender den Turnhallenbau voran, wurde Sprecher einer Blindenzeitung und half als Schöffe am Hamburger Oberlandesgericht bei der Wahrheitsfindung. Dabei verlor er nie das Gespür für die vielen schönen Geschichten, die er erlebte.

„Als Schöffe war ich an der großen Strafkammer für Wirtschaftsprozesse tätig. Bei einem Haftprüfungstermin ging der Häftling auf die Toilette und kam in Sträflingskleidung mit einer Eisenkugel am Fuß zurück. Er hatte sich die Sachen dort schnell angezogen, um zu zeigen, wie ungerecht er behandelt wird“, erinnert sich Eddy Münch schmunzelnd.

Jedes seiner Ehrenämter bekleidete er jahrelang, manche über ein Jahrzehnt. So wie das des Beauftragten für gesellschaftliche Entwicklung im SHFV (2001 bis 2016). Was viele nicht wissen: Das offizielle Verbandsmotto „Schleswig-Holstein kickt fair“ geht auf ein von Münch ins Leben gerufene Projekt gegen Gewalt, Rassismus und Diskriminierung zurück, welches 2011 sogar von der Uefa ausgezeichnet wurde. Auch als Sicherheitsbeauftragter des Verbandes war er erfolgreich.

Bundesverdienstkreuz für ehrenamtliches Engagement

Seine größte Auszeichnung hätte er jedoch fast weggeschmissen. 2016 nämlich wurde Eddy Münch für das Bundesverdienstkreuz am Bande vorgeschlagen. Der Brief landete zunächst im Papierkorb. „Ich habe gedacht, das muss ein alberner Scherz sein“, erinnert er sich. Seine Frau fischte das Schriftstück wieder heraus, erkannte den Bundesadler auf dem Dokument und überredete ihren Ehemann zu einem Anruf bei der angegebenen Telefonnummer. Bald darauf stand Münch dem Bundespräsidenten im Schloss Bellevue gegenüber, der ihm den Orden verlieh. „Ich habe Joachim Gauck herzlich von Uwe Seeler gegrüßt, und wir haben Plattdeutsch miteinander geschnackt. Es war ein tolles Erlebnis“, so Münch.

Viele tolle Erlebnisse verbindet er auch mit Eintracht Norderstedt. Dem Verein, den er im Jahr 2003 selbst mitgründete, bis 2010 als Vizepräsident begleitete und in dem er bis heute als Sponsorenbeauftragter tätig ist. Den kompletten Weg von der Kreisliga bis in die Regionalliga Nord ist Eddy Münch mitgegangen. „Die sportliche Entwicklung ist klasse. Darauf können wir alle stolz sein. Nur mein Job als Sponsorenbetreuer ist gerade etwas schwierig. Vielen unserer Unterstützer geht es durch Corona wirtschaftlich leider nicht so gut“, sagt er.

Eintracht verliert wegen Corona 150.000 Euro

Durch die Pandemie hat der Verein circa 150.000 Euro an Sponsorengeldern verloren. Ans Aufgeben denkt Münch aber selbstverständlich nicht. Dazu steckt noch zu viel Schaffenskraft in ihm. Und zu viel Glaube, dass in absehbarer Zeit alles wieder gut wird. „Ich bin ein Optimist durch und durch“, sagt er. „Das ist so und das bleibt so.“

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