Nachwuchs-Ass

Ein Tennistalent im Fokus der Bundestrainer

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Karsten Jaeger
Mika Petkovic spielt in der Schleswig-Holstein-Liga-Herrenmannschaft des TC Rot-Weiss Wahlstedt um Punkte. In der Sommersaison 2020 gewann der Youngster drei seiner fünf Einzel.

Mika Petkovic spielt in der Schleswig-Holstein-Liga-Herrenmannschaft des TC Rot-Weiss Wahlstedt um Punkte. In der Sommersaison 2020 gewann der Youngster drei seiner fünf Einzel.

Foto: Thomas Maibom

Mika Petkovic, Schleswig-Holstein-Liga-Spieler des TC Rot-Weiss Wahlstedt, träumt von einer Profi-Karriere. Die Anlagen dafür hat er.

Wahlstedt/Hamburg. Melani Petkovic ist vor Kurzem schon wieder von einer neugierigen Bekannten angesprochen worden. „Ungefähr 1000-mal hat man mich schon gefragt, ob ich mit An­drea Petkovic verwandt oder verschwägert sei. Ich muss dann oft lächeln, denn ich bin es nicht“, sagt die Mutter eines der hoffnungsvollsten Tennistalente von Schleswig-Holstein. Ihr Sohn Mika Petkovic (14) schlägt für die Herren des TC Rot-Weiss Wahlstedt in der Schleswig-Holstein-Liga auf.

Während die 33 Jahre alte Andrea (sechs WTA-Erfolge) ihre sportliche Laufbahn allmählich ausklingen lässt und sich als Buchautorin sowie Moderatorin der „ZDF-Sportreportage“ einen Namen macht, träumt Mika (offizieller Vorname: Mika Aleksander) von einer Profi-Karriere.

„Er hat das nötige Rüstzeug“

„Abwegig sind seine Ambitionen nicht. Er hat das nötige Rüstzeug dazu, spielt vor allem mit Köpfchen“, lobt Jonas Denker, der Mannschaftskapitän des TC Rot-Weiss. Die Wahlstedter schafften in der vergangenen Sommersaison den Klassenerhalt und bestritten anschließend wie alle anderen Clubs aus Schleswig-Holstein wegen der Corona-Pandemie keine Hallen-Punktspiele mehr. Neben Laurens Intert (3:1 Siege) war Mika Petkovic (3:2) der einzige Akteur mit einer positiven Matchbilanz. Der schmächtige Junge bestach dabei mit seiner taktisch klugen und variablen Spielweise.

Die Begabung des ein Jahr jüngeren Bruders von Anna Petkovic (sie spielt für die Damen des TC an der Schirnau in der Regionalliga) ist auch den Verantwortlichen des Deutschen Tennis-Bundes nicht verborgen geblieben. Zum dritten Mal hintereinander gehört der mehrmalige Jugend-Landesmeister dem unlängst veröffentlichten Nachwuchskader 2 an. Das bedeutet: Seine Mutter muss ihn vier- bis fünfmal im Jahr zum Bundesstützpunkt nach Hannover fahren.

Internationale Turniere bringen Wettkampfhärte

In der niedersächsischen Landeshauptstadt werden 52 ausgewählte Nachwuchscracks der Landesverbände in den Altersklassen U 13 bis U 18 bei zentralen Förderungs- und Trainingsmaßnahmen ausgebildet. Ein weiterer Vorteil: Die nationale Elite wird vom DTB für internationale Turniere mit Gleichaltrigen nominiert – das bringt Wettkampfhärte.

„Das ist eine schöne Sache, man kann Mikas Fortschritte ausgezeichnet verfolgen“, sagt die gebürtige Hamburgerin Melani Petkovic, die serbische Wurzeln hat. Genau wie ihr Ehemann Milan. Sohn Mika, der aktuell zu den Top fünf der deutschen U-15-Junioren gehört, ist von der Förderung begeistert. „Es macht mir riesigen Spaß. Wir sind fast alle schon befreundet.“

Der Nachwuchskader 2 ist ein sogenannter Übergangskader, für den im täglichen Trainingsbetrieb normalerweise der Landesverband verantwortlich ist. In Hannover verschaffen sich die Bundestrainer letztlich einen Überblick über den jeweiligen Leistungsstand der Jungen und Mädchen. Schleswig-Holsteins Verbandstrainer Herby Horst freut sich über die neuerliche Berufung von Mika Petkovic. „Es gibt viel zu lernen für ihn, er kann Selbstvertrauen sammeln.“

Mutter Melani ist Chauffeurin und Trainerin

Dass auch in heimischer Umgebung keine Termine verpasst werden, dafür sorgt Mutter Melani, die selbst schon mit 15 Regionalligaspielerin beim Uhlenhorster HC war. Sie chauffiert ihren Sprössling zu den Punktspielen vom Zuhause in Reinbek nach Wahlstedt. Nicht ganz so zeitaufwendig sind die Fahrten zu den Terminen in der Hamburger Verbandshalle. „Mika ist dort gut versorgt“, sagt die Mutter, die den Filius im Sommer auch selbst trainiert.

Nicht ganz so gut hat es Schwester Anna: In Schleswig-Holstein sind die Hallen seit Wochen geschlossen, während die Mitglieder des DTB-Kaders regelmäßige Übungseinheiten in Anspruch nehmen dürfen.

Mika Petkovic besucht die Eliteschule des Sports in Hamburg-Dulsberg. „Das tägliche Training erfordert hohen Einsatz und kann in Verbindung mit den schulischen Verpflichtungen sehr anstrengend sein“, sagt Melani Petkovic, „wichtig ist, dass Mika behutsam aufgebaut wird und Ruhepausen bekommt. Das ist uns als Eltern sehr wichtig.“

Dazu passt gut, dass der Tennis-Jungstar noch andere Hobbys für sich entdeckt hat. Er spielt Basketball und angelt. Und zur Freude der anderen Familienmitglieder ist er ab und zu am Herd in der heimischen Küche anzutreffen – dort brutzelt er meist Steaks…

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