Fussball

Das Abenteuer London ist beendet

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Jonas Altwein
Der gelernte Außenbahnspieler Mall Delfs soll – wenn denn wieder Fußball gespielt werden darf – das junge Landesliga-Team des TuS Hartenholm stabilisieren.

Der gelernte Außenbahnspieler Mall Delfs soll – wenn denn wieder Fußball gespielt werden darf – das junge Landesliga-Team des TuS Hartenholm stabilisieren.

Foto: Thomas Maibom

Malte Delfs ist aus der britischen Hauptstadt nach Hamburg zurückgekehrt und wird künftig wieder für den TuS Hartenholm kicken.

Hamburg/Hartenholm. „Das Leben ist zu kurz für schlechte Laune.“ Der WhatsApp-Status von Malte Delfs ist in diesen Tagen aktueller denn je. Zweieinhalb Jahre lang hat der gebürtige Segeberger in London gewohnt und seinen Traum gelebt. Der gelernte Bankkaufmann wollte in der Millionen-Metropole an der Themse die große Karriere hinlegen. Doch aus dem „Place to be“, wie Delfs den gewaltigsten Finanzstandort in Europa bezeichnet, wurde ein Ort des Schreckens.

Millionen-Metropole hat ihren Charme verloren

Die Corona-Krise erwischte die lebendige Hauptstadt mit ihrer vollen Breitseite und stellte in den vergangenen Monaten quasi alles auf den Kopf. „Die Stadt hat für mich ihren Charme verloren“, sagt Delfs.

Als sich der leidenschaftliche Fußballer im August 2018 auf die Reise in Richtung britische Insel machte und somit auch dem TuS Hartenholm nach sieben Jahren den Rücken kehrte, trieb ihn vor allem die berufliche Perspektive an. Delfs reizte aber auch das gesellige Leben vor Ort. Im angesagten Künstlerviertel Shoreditch, das für seine stilvollen Clubs und die vielseitige Gastronomieszene bekannt ist, wurde der 29-Jährige sesshaft.

Sein Arbeitsplatz war geprägt von Internationalität: 60 Kollegen aus 40 Ländern verwandelten die Räumlichkeiten in ein Meer aus Sprachen und Kulturen. „Das war schon alles sehr spannend und aufregend“, erinnert sich Malte Delfs. Doch weil von alldem wegen des Lockdowns und in Zeiten von gefährlichen Virus-Mutationen nichts mehr übrig war, brach er seine Zelte in London wieder ab.

Monatelanges Homeoffice, kaum Kontakt zur Außenwelt

„Es war eine ziemlich krasse Situation“, blickt der Deutschland-Heimkehrer auf sein England-Abenteuer zurück. Monat um Monat im Homeoffice und demzufolge auch kaum Kontakt zur Außenwelt haben deutliche Spuren bei dem Finanzexperten hinterlassen.

„Ich habe in London alleine gewohnt und war wegen Corona total isoliert von dem gesellschaftlichen Leben. Das ist eine große mentale Belastung und geht auch an die Gesundheit.“

Die Konsequenz: Delfs zog Anfang 2021 einen Schlussstrich hinter das Insel-Kapitel und wagte einen Neustart in Hamburg bei der renommierten Privatbank Berenberg. Und das blieb auch den Verantwortlichen des TuS Hartenholm nicht verborgen. Martin Ghafury, Sportlicher Leiter des Dorfclubs, hatte längst den Kontakt zum Ex-Spieler wiederhergestellt – und ihn schließlich von einer Rückkehr zu seinem früheren Verein überzeugt.

Landesliga-Club freut sich auf den Rückkehrer

„Wir hatten schon seit dem vergangenen Sommer losen Kontakt“, so Ghafury, „ich habe ausschließlich Positives von ihm gehört. Die Spieler, die ihn noch aus seiner ersten Zeit beim TuS Hartenholm kennen, schwärmen von ihm.“ Dass Malte Delfs in London nur privat gekickt hat und zweieinhalb Jahre lang vereinslos gewesen ist, ist für den Kaderplaner des Landesligisten nicht von Bedeutung. „Die nötige Fitness hat er – und das Fußballspielen verlernt man nicht so einfach.“

Der gelernte Außenbahnakteur, der mit der legendären „goldenen Generation“ des TuS Hartenholm schon in der Schleswig-Holstein-Liga spielte und 2015 sensationell das SHFV-Hallenmasters in Kiel gewann, gibt sich ganz entspannt im Hinblick auf sein Comeback im Amateurfußball. Mit Anfang 20 sei der Sport für ihn das allerwichtigste gewesen, jetzt hat die berufliche Laufbahn ganz klar Vorrang.

50 Kilometer Fahrt von der Arbeit zum Sportplatz

„Wir schauen mal, wie es in den kommenden Monaten passt. Es ist ja schon sehr zeitaufwendig“, sagt Delfs. In der Tat: 50 Kilometer sind es von seiner Arbeitsstelle am Hamburger Jungfernstieg bis zur Fußballanlage am Timm-Schott-Weg in Hartenholm.

Da der harte Lockdown mindestens noch bis zum 14. Februar andauert und eine Rückkehr in den Amateur-Mannschaftssport derzeit nicht abzusehen ist, muss sich Malte Delfs mit der Thematik aber zumindest vorerst noch nicht befassen. Der Schleswig-Holsteinische Fußballverband hält indes nach wie vor an seinen Plänen fest, die seit Anfang November unterbrochene Spielzeit 2020/2021 fortzusetzen.

„Ich hoffe, dass es im März oder April wieder losgeht und die Saison bis Juni verlängert wird“, sagt Delfs. Die Wartezeit bis dahin wird er nach seiner Fußball-Abstinenz wohl verkraften können. Die schlechte Laune aus London hat er schließlich hinter sich gelassen.

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