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Sind Eintracht Norderstedts Kicker Berufssportler?

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Frank Best
Die Spielberechtigung für den Südkoreaner Kangmin Choi ist nach monatelangem Warten endlich da.

Die Spielberechtigung für den Südkoreaner Kangmin Choi ist nach monatelangem Warten endlich da.

Foto: Anne Pamperin

Regionalliga-Club hat beim Segeberger Gesundheitsamt eine Ausnahmegenehmigung beantragt, um während des Lockdowns trainieren zu dürfen.

Norderstedt. Ihr letztes Punktspiel haben die Regionalliga-Kicker von Eintracht Norderstedt am 25. Oktober 2020 bestritten, beim 0:3 im Edmund-Plambeck-Stadion gegen das zweite Team des FC St. Pauli. Dann verordneten die Ministerpräsidentenrunde und Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen der hohen Corona-Infektionszahlen in Deutschland zunächst den Lockdown light, später den harten Lockdown – und vorbei war’s mit dem Fußballspaß.

Seitdem dürfen die Spieler von Coach Jens Martens nicht mehr gemeinschaftlich gegen die Kunststoffkugel treten. Die Anlage an der Ochsenzoller Straße ist gesperrt, als Ersatzprogramm dienen zweimal pro Woche Cyber-Einheiten mit dem Schwerpunkt Athletik sowie individuell zugeschnittene Dauer- und Intervallläufe.

Die aktuelle Situation nervt die Spieler

„Die aktuelle Situation ist äußerst unbefriedigend, die Jungs sind genervt, sie wollen endlich wieder auf den Platz“, so Martens. „Vor Kurzem hat es einer meiner Spieler auf den Punkt gebracht, als er zu mir sagte, er sein doch kein Leichtathlet.“

Verärgert wird in Norderstedt registriert, dass die Staffelkonkurrenten Hamburger SV II, FC St. Pauli II, Holstein Kiel II, Altona 93 und FC Teutonia 05 aktuell mit Ausnahmegenehmigungen trainieren dürfen. Und zwar deshalb, weil ihre Aktiven in Anlehnung an die entsprechenden Corona-Landesverordnungen als Berufssportler gelten. „Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen, wo bleibt denn da die Chancengleichheit?“, fragt Jens Martens.

Eintracht fordert gleiches Recht für alle

Angesichts dieser Sachlage verwundert es wenig, dass Vereinspräsident Reenald Koch, der außerdem auch Vorsitzender des Regionalliga-Ausschusses im Norddeutschen Fußball-Verband ist, für die Eintracht-Kicker ebenfalls den Sonderstatus einfordert. Frei nach dem Motto: Gleiches Recht für alle.

Seiner Meinung nach fällt das Gros der Viertliga-Spieler unter die Kategorie Berufssportler. Und er bringt noch einen weiteren Aspekt mit ins Spiel. „Eintracht Norderstedt zahlt jeden Monat 4000 Euro an die Berufsgenossenschaft. Dieser Beitrag ist uns während des Lockdowns nicht erlassen worden. Und der Staat kann doch nicht einfach mal so ein Berufsverbot verhängen.“

Antigen-Schnelltest statt PCR-Test

Der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs liegt dem Segeberger Gesundheitsamt vor. „Wir haben das Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga fast komplett übernommen, nur den wesentlich teureren PCR-Test durch den zweimal wöchentlich durchzuführenden Covid-19-Antigen-Schnelltest ersetzt“, sagt Koch. Auch das Einhalten der Abstandsregeln lasse sich mit der Verteilung der Fußballer auf vier Umkleidekabinen gut organisieren.

Eine Rückmeldung von der Behörde gibt es bislang noch nicht. Dafür aber eine erfreuliche Nachricht bezüglich des Mannschaftskaders: Das monatelange Warten auf die Spielberechtigung für den Südkoreaner Kangmin Choi hat endlich ein Ende.

Südkoreaner Kangmin Choi ist spielberechtigt

Der 28 Jahre alte Choi, der schon von Juli 2016 bis Dezember 2018 für Eintracht Norderstedt spielte und dann den Wehrdienst in seiner Heimat ableisten musste, darf ab sofort eingesetzt werden – für Jens Martens eine willkommene Alternative im Offensivbereich. „Ich sehe ihn nicht in vorderster Reihe, er ist aber ein technisch guter und schneller Flügelspieler. Mal sehen, welche Rolle wir für ihn finden.“

Noch nicht wieder fit ist Rechtsverteidiger Juri Marxen. Ihm war im Oktober im Training bei einem Zusammenprall mit Michael Kobert die Kniescheibe herausgesprungen, der Genesungsprozess verläuft jedoch nicht optimal.

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