Fussball-Regionalliga

Der Erfolgsdruck für Eintracht Norderstedt steigt

Nils Brüning vergab im Match gegen Drochtersen in der 3. Minute eine hundertprozentige Torchance für Eintracht Norderstedt.

Nils Brüning vergab im Match gegen Drochtersen in der 3. Minute eine hundertprozentige Torchance für Eintracht Norderstedt.

Foto: noveski.com

Nach dem 0:1 gegen die SV Drochtersen/Assel will die Mannschaft von Trainer Jens Martens beim 1. FC Phönix Lübeck endlich punkten.

Norderstedt. 1:3-Niederlage beim SC Weiche Flensburg 08 zum Punktspielauftakt, 0:7-Packung beim Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen in der ersten Runde des DFB-Pokals, 0:1-Schlappe im ersten Heimspiel der Regionalliga-Serie 2020/2021 gegen die SV Drochtersen/Assel: Das ist nicht der Saisonstart den sich die Fußballer von Eintracht Norderstedt erhofft hatten...

Zu viele individuelle Fehler

An der Ochsenzoller Straße macht sich Frust breit. Die Mannschaft von Trainer Jens Martens strahlt kein Selbstvertrauen aus, macht ungewöhnlich viele individuelle Fehler – so wie vor dem entscheidenden Treffer der Drochtersener. Der normalerweise so zuverlässige Innenverteidiger Fabian Grau verschätzte sich bei einem langen Pass in die Eintracht-Hälfte, sprang unter dem Ball hindurch und machte so letztendlich möglich, dass Jannes Wulff nur 13 Sekunden nach dem Anstoß zur zweiten Halbzeit den machtlosen Norderstedter Keeper Lars Huxsohl überwinden konnte.

Aktuelle Situation kommt nicht überraschend

Die aktuelle Situation in Norderstedt ist für alle Beteiligten nicht einfach, sie kommt aber auch nicht völlig überraschend. „Wir haben wegen der Corona-Pandemie keine normale Vorbereitung absolviert“, sagt Coach Martens, „statt eine gute Basis für die Punktrunde legen zu können, mussten wir auf die Schnelle ein Push-up-Programm starten, um für die letzten drei Runden im Hamburger Lotto-Pokal gewappnet zu sein. Andere Regionalliga-Mannschaften konnten da ganz anders arbeiten. Wir wollten den Cupwettbewerb unbedingt gewinnen und uns für den DFB-Pokal zu qualifizieren. Das ist dann ja auch gelungen. Doch aus trainingsmethodischer und auch aus sportmedizinischer Sicht war das alles nicht besonders sinnvoll. Und jetzt bekommen wir die Quittung dafür.“

Was Martens damit meint: Konditionell ist seine Mannschaft längst nicht in der phänomenalen Verfassung, mit der sie in der Saison 2019/2020 für Furore sorgte. „Damals wussten die Jungs, dass sie nach 65 Minuten noch mal einen Gang zulegen können. Das ist gegenwärtig nicht mehr so. Und sie wissen selbstverständlich auch, von welch hohem Niveau sie kommen, was sie unter guten Rahmenbedingungen zu leisten in der Lage sind, jetzt aber nicht abrufen können. Das trägt zur Verunsicherung bei.“

Muskuläre Probleme häufen sich

Ein weiterer Negativfaktor: Im Norderstedter Kader häufen sich trotz der engagierten Arbeit der Physiotherapeutinnen Jindra Nesteriuk und Vanessa Blunk die muskulären Probleme. „Ich möchte nicht besserwisserisch klingen, aber das finde ich unter den aktuellen Voraussetzungen nicht überraschend“, so Jens Martens. Linksverteidiger Rico Bork und Innenverteidiger Hamajak Bojadgian laborieren seit Wochen an Faserrissen, Offensivallrounder Corey Williams hat sich den großen Gesäßmuskel gezerrt. Neu auf der Verletztenliste steht Kapitän Jordan Brown der gegen Drochtersen wegen Adduktorenbeschwerden ausgewechselt werden musste.

Da auch die Stürmer Michael Kobert (Knieblessur) und Kangmin Choi (noch keine Spielberechtigung) nicht zur Verfügung stehen, ist die Norderstedter Personaldecke zurzeit sehr dünn. Wie dünn, verdeutlicht die Tatsache, dass im jüngsten Viertliga-Match mit Batuhan Evren und Kay-Fabian Adam zwei A-Jugendliche sowie der zu Saisonbeginn aus der U 19 hochgezogene Lesley Karschau auf der Bank saßen; Evren und Karschau wurden sogar eingewechselt.

Sei’s drum: Der Punktspielplan nimmt auf derlei Befindlichkeiten keine Rücksicht. Schon am Sonnabend geht’s für Eintracht Norderstedt erneut um Regionalliga-Punkte, und zwar beim Aufsteiger 1. FC Phönix Lübeck. (17 Uhr, Rasenplatz Buniamshof, Wallstraße). Martens: „Wir wollen in die Meisterrunde, und wir haben demzufolge auch Druck.“ Der immer größer wird, je länger die Erfolge fehlen...

Eintracht Norderstedt – SV Drochtersen/Assel 0:1 (0:0). – Zuschauer: 320. – Schiedsrichter: Lasse Holst (FC Türkiye Wilhelmsburg). – Tor: 0:1 Jannes Wulff (46.). – Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Marxen (90.+1 Karschau), Nuxoll, Grau, Kummerfeld (80. Evren) – Koch – Gutmann, Brown (64. Nyarko), von Knebel, Brüning – Lüneburg.