Norderstedt
Wegen Corona

Die heimische Garage ist zur Sporthalle umfunktioniert

Chiara Steenbuck ist eine der besten Tischtennisspielerinnen in Schleswig-Holstein –  bis zum Saisonende schlägt sie noch für den TSV Schwarzenbek auf, danach geht’s zum SC Poppenbüttel.

Chiara Steenbuck ist eine der besten Tischtennisspielerinnen in Schleswig-Holstein – bis zum Saisonende schlägt sie noch für den TSV Schwarzenbek auf, danach geht’s zum SC Poppenbüttel.

Foto: Thomas Maibom

Drittliga-Tischtennisspielerin Chiara Steenbuck aus Sievershütten trainiert notgedrungen zu Hause. Ihr Gegner: eine Ballmaschine.

Sievershütten. Noch vor zwei Wochen ging Chiara Steenbuck davon aus, am heutigen Donnerstag in einem Klassenraum des Gymnasiums Kaltenkirchen zu sitzen. Auf dem Stundenplan hätte die erste von vier Abiturprüfungen gestanden. Inhalt wäre das Thema Sporttheorie in all seinen Facetten gewesen. Doch hätte, wäre, wenn – das Coronavirus hat alles durcheinandergebracht. Einen Tag lang sah es sogar so aus, als würden die Abi-Prüfungen in Schleswig-Holstein in diesem Jahr ganz ausfallen. Seit Mittwoch ist zumindest klar, dass das nun nicht der Fall sein wird.

„Die Prüfung ist erst einmal auf den 11. Mai verschoben worden. Das ist eigentlich einer der Nachschreibetermine. Jetzt muss ich wohl noch einmal von vorne anfangen zu lernen“, sagt Chiara Steenbuck.

Abi-Prüfung in Sporttheorie ist verschoben

Mehr als 300 Seiten über Trainingslehre, Anatomie, Muskelfunktionen, Sport und Gesellschaft, Bewegungslehre oder auch Sportpsychologie hat sich die 17-Jährige in den vergangenen Wochen eingetrichtert. Am heimischen Schreibtisch in Sievershütten. Um alles Wissen an diesem einen Tag abzurufen. „Bei Fragen habe ich meistens im Internet nachgesehen oder im Bekanntenkreis gefragt.“

Chiara Steenbuck ist nicht gerade begeistert von dem Wirrwarr um die Abi-Prüfungen – sie kann aber damit leben. Die Gymnasiastin mit einem Notendurchschnitt von 1,4 sieht die Angelegenheit recht gelassen.

Disziplin dank Tischtennis

Die nötige Disziplin, die für das Lernen zu Hause immens wichtig ist, hat sie sich beim Sport angeeignet. Seit ihrem sechsten Lebensjahr spielt Chiara Steenbuck Tischtennis, und das äußerst erfolgreich. Ihre ersten Lorbeeren verdiente sie sich bei den Deutschen Mini-Meisterschaften, wo sie als Neunjährige den Landesentscheid gewann und beim Bundesfinale Siebte wurde.

Später schmetterte die talentierte Rechtshänderin unter anderem bei der Kaltenkirchener TS; aktuell schmettert sie in der Drittliga-Damenmannschaft des TSV Schwarzenbek, in der kommenden Saison schlägt sie für den Hamburger Club SC Poppenbüttel (ebenfalls
3. Liga) auf.

Wie in allen anderen Sportarten ist zurzeit auch im Tischtennis der Trainings- und Spielbetrieb ausgesetzt. „Da die Sporthallen geschlossen sind, können wir dort momentan auch nicht üben“, sagt Chiara Steenbuck. Das hat auch negative Auswirkungen auf die Abiturvorbereitung: „Mitte Mai steht meine praktische Prüfung an. Da Tischtennis seit zwei Jahren nicht mehr angeboten wird, musste ich mir eine andere Sportart aussuchen und habe mich für Badminton entschieden. Das kann ich aber zurzeit überhaupt nicht trainieren“, so Chiara Steenbuck. Unter freiem Himmel würde der leichte Federball von der norddeutschen Brise sofort weggeweht werden. Und eine Lösung für dieses Problem ist zurzeit noch nicht in Sicht.

Hilfsbereiter Spartenleiter des SC Ellerau

Besser sieht es da schon in Sachen Tischtennis aus. Chiaras Vater Dirk, der ebenfalls regelmäßig den Schläger in die Hand nimmt und in der zweiten Herrenmannschaft der Kaltenkirchener TS in der 2. Bezirksliga Süd an Position eins spielt, kam auf die Idee, in der heimischen Garage eine Platte aufzustellen.

Statt eines Gegners sollte ein Tischtennisroboter her. Zunächst wurde dieser bei der KT geliehen. „Der funktionierte aber nicht richtig. Dann haben wir einen gekauft, diesen aber wieder zurückgegeben, weil er nicht das konnte, was wir uns gewünscht haben.“

Als Helfer in der Not erwies sich Klaus Schandert, Abteilungsleiter beim SC Ellerau. Der Verein stellte kurzerhand seine Ballmaschine zur Verfügung – beim SCE wird sie zurzeit ja nicht benötigt. „Ohne Bewegung könnte ich es gar nicht aushalten. Ich gehe regelmäßig joggen, mache Krafttraining und Gymnastik. Aber Tischtennis mag ich einfach am liebsten. Jeder Ballwechsel ist anders. Einfach nur zu laufen wäre mir auf die Dauer zu langweilig“, sagt Chiara Steenbuck.

Der Ballroboter kennt keine Gnade

Deshalb lässt sie sich nun so oft es geht in der Garage von der Maschine hin- und herjagen. Unerbittlich spuckt diese eine weiße Kugel nach der anderen aus. Mal nach rechts, mal nach links, mal in die Mitte – je nachdem, was eingestellt wurde. „Ich spiele vier oder fünf Minuten. Dann mache ich eine kurze Pause uns sammle die Bälle ein, danach geht es wieder von vorne los.“

Wann im Sport und im Schulbetrieb der Alltag wieder einkehrt, weiß aktuell niemand. Doch Chiara Steenbuck müsste sich in den anstehenden Frühjahrsferien eigentlich schon für einen Studienplatz – Sportmanagement in Hamburg – bewerben. Das Problem: „Wenn sich das jetzt alles zeitlich nach hinten verschiebt, weiß ich nicht, ob das dann überhaupt noch passt und ob ich im September anfangen kann.“