Norderstedt
Radcross

Der Harksheider Lars Erdmann ist Deutscher Meister

Lars Erdmann (RV Germania) präsentiert stolz seine Goldmedaille.

Lars Erdmann (RV Germania) präsentiert stolz seine Goldmedaille.

Foto: Heike Lindenau

Bei den nationalen Titelkämpfen der Masters 4 gibt der Querfeldeinfahrer seinen Konkurrenten in souveräner Manier das Nachsehen.

Norderstedt.  An die Deutschen Radcross-Meisterschaften im baden-württembergischen Albstadt wird sich Lars Erdmann noch lange und vor allem sehr gern erinnern. Im Vorfeld der Titelkämpfe wurde viel über die Erfolgsaussichten seiner beiden Söhne Paul (23) und Max Lindenau (25) spekuliert. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob die beiden Amateurfahrer vom Hamburger Stevens Racing Team in der Eliteklasse eine Medaillenchance haben würden.

Die Krönung einer erfolgreichen Saison

Dann aber stahl ihnen ausgerechnet ihr Vater ein wenig die Show: Mit einem souveränen Auftritt holte sich Lars Erdmann, der erstmals in der Masters-4-Konkurrenz (ab 60 Jahre) startete, den Titel. Damit feierte der 59-Jährige nach dem fünften Platz bei der Weltmeisterschaft in Mol (Belgien) im November und dem Gewinn der Bundesligaserie bereits den dritten großen Erfolg in der aktuellen Saison.

„Das hat er sich verdient“, sagte Paul Lindenau voller Anerkennung. Schließlich wissen er und sein Bruder ganz genau, was sie ihrem Vater so alles zu verdanken haben. Denn nach seinen Rennen, die meistens zu Beginn eines Veranstaltungstages stattfinden, legt er nicht etwa die Füße hoch, sondern steht nach einer kurzen Pause wieder an der Strecke, um die Söhne anzufeuern oder als Helfer im Materialdepot zu unterstützen. Die „Reisegruppe Delfin“, wie Erdmanns Ehefrau Heike Lindenau das Trio liebevoll nennt, hält zusammen wie Pech und Schwefel.

Erdmanns Söhne verpassen eine Medaille

Das Brüderpaar hatte sich fest vorgenommen, die vermeintlich übermächtige Konkurrenz im Eliterennen zu ärgern und vielleicht sogar Edelmetall zu holen. „An Platz drei hätte man kratzen können, aber die drei Favoriten waren zu stark. Da war nichts zu machen. Trotzdem haben sich die beiden wirklich teuer verkauft“, sagte Lars Erdmann.

Paul Lindenau landete schließlich auf dem fünften Platz, Max wurde Achter. Den Sieg holte sich nach einer Stunde Fahrzeit Titelverteidiger Marcel Meisen vom Team Alpecin-Fenix vor Sascha Weber (LC Tetange) und Manuel Müller (Rheinstolz Wyhl).

Aufhören ist für den Champion kein Thema

„Meine beiden Jungs sind der Grund, warum ich immer noch fahre. Wenn ich eh schon vor Ort bin, kann ich auch selbst aufs Rad steigen“, sagte Erdmann. Dass er nun zum ersten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister geworden ist, freut den Harksheider sehr - auch wenn ihm Siege und Platzierungen nicht mehr ganz so wichtig sind. Eine schlechte Nachricht für seine Konkurrenten: „So lange die Wettkämpfe sportlich ein hohes Niveau haben, mache ich weiter mit.“

Gefährlichster Rivale bei der DM war Jochen Keiler von der SG Athletico Büdelsdorf. „Ich wusste, dass er mir im Nacken hängt. Aber ich habe wohl weniger Fehler gemacht“, so Lars Erdmann, der an der Strecke lautstark von seiner Familie angefeuert wurde. „Gefühlt stand an jeder Ecke ein Sohn. Ich weiß gar nicht, wo die überall waren“, sagte der neue Deutsche Meister grinsend.

1:20 Minuten schneller als der Zweitplatzierte

Nach dem 40-minütigen Rennen hatte Erdmann schließlich 1:20 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Keiler. An seine erste Begegnung mit dem Radsport kann sich der frischgebackene Champion immer noch ganz genau erinnern. „Ich bin schon als Kind gerne Fahrrad gefahren. Im Sommer 1974 sind mein Kumpel und ich dann zur Radrennbahn nach Stellingen geradelt, wo gerade eine Veranstaltung stattfand. Ich war total begeistert und wollte das auch machen. Meine Eltern waren aber nicht wirklich überzeugt, da ich ja auch noch Fußball gespielt habe.“

Der 14-Jährige ließ indes nicht locker und nahm zunächst ohne teures Rennrad an Hobby-Events teil. Nachdem er diverse Jedermann-Wettbewerbe gewonnen hatte, überredete der damalige Vorsitzende des Radsportvereins Germania, Helmut Wulff, Erdmanns Eltern dazu, ihrem Sohn die Mitgliedschaft im Verein und damit auch den Start bei Lizenzrennen zu ermöglichen.

In der Querfeldeinsaison ist Lars Erdmann fast an jedem Wochenende unterwegs. Allerdings ist sein Trainingsaufwand nicht mehr ganz so hoch wie noch vor zehn oder 20 Jahren. Trotzdem versucht der Berater für Medizinprodukte, der in Norddeutschland für den Verkauf von künstlichen Gelenken zuständig ist, einmal pro Woche aufs Rad zu steigen. „Und wenn das nicht klappt, mache ich Fitness.“

Cordula Neudörffer (48, RSC Kattenberg) fuhr bei der DM in Albstadt ebenfalls ein hervorragendes Rennen und landete in der Eliteklasse der Frauen auf dem sechsten Platz.