Norderstedt
Fußball

Ein mit Spannung erwartetes Comeback

Der ehemalige Nationalspieler Marcell Jansen galt während seiner aktiven Laufbahn stets als versierter Techniker mit viel Offensivdrang. Bald könnte er sogar den Hamburger SV III retten

Der ehemalige Nationalspieler Marcell Jansen galt während seiner aktiven Laufbahn stets als versierter Techniker mit viel Offensivdrang. Bald könnte er sogar den Hamburger SV III retten

Foto: Christian Charisius / dpa

Der frühere Fußball-Nationalspieler Marcell Jansen gibt dem Hamburger SV III seine Zusage für die Rückrunde in der Hamburger Oberliga.

Norderstedt.  Fußball-Oberligist Hamburger SV III hat sich prominent verstärkt. Der frühere HSV-Profi und Vize-Europameister Marcell Jansen (32) läuft künftig für das Team von Trainer Marcus Rabenhorst auf. Jansen war zuletzt schon öfter als Zuschauer bei den Spielen gesichtet worden und nahm an Trainingseinheiten teil.

Ein Comeback wollte der Verein bislang jedoch nicht bestätigen. Doch nun hat Jansen seinen Spielerpass erhalten. „Ob wir ihn schon im Testspiel am Sonnabend gegen SC Weiche Flensburg 08 II (14.45 Uhr, Paul-Hauenschild-Plätze, Ulzburger Straße) einsetzen, ist noch offen. Momentan sieht es eher nicht danach aus. Er hat eine leichte Zerrung und ist in dieser Woche auch beruflich unterwegs“, sagte Trainer Marcus Rabenhorst. Auch einen Einsatz Jansens im ersten Pflichtspiel zu Hause gegen Teutonia 05 am Freitag der nächsten Woche (20 Uhr) will Rabenhorst noch nicht versprechen. Sicher aber ist: Jansen läuft in der Rückrunde für den HSV III auf.

Diese Tatsache überrascht umso mehr, da der frühere Außenbahnspieler eigentlich bereits mit dem Fußball abgeschlossen hatte. Nach 242 Bundesligaeinsätzen, davon 152 zwischen 2008 und 2015 für den HSV (20 Tore), beendete Jansen mit nur 29 Jahren im Sommer 2015 seine Karriere. Sein Vertrag beim HSV wurde nicht verlängert, ein Wechsel kam für ihn nicht infrage.

„Ich kann jetzt nicht plötzlich ein anderes Wappen küssen“, sagte Jansen damals. Für einen vierten Arbeitgeber nach seinen bisherigen drei Vereinen Borussia Mönchengladbach, Bayern München und HSV wolle er nicht auflaufen. Noch eine hundertprozentige emotionale Bindung zu einem Club könne er nicht aufbauen. Das war natürlich Wasser auf die Mühlen der Bundesliga-Kommerzialisierungskritiker.

Ein Profisportler mit echter Vereinsidentifikation – nicht nur die Ultras im Lande liebten Jansen plötzlich. Auch sein soziales Engagement als Schirmherr beim „Hamburger Weg“ oder für die Kinderkrebsnachsorge passte zum Bild des etwas anderen Profis. Allerdings brachte dem Mann mit dem starken linken Fuß der kurzfristige Abgang nicht nur Verständnis ein.

Das härteste Urteil über Jansen fällte Fußball-Legende Rudi Völler, Sportchef bei Bayer Leverkusen: „Marcell Jansen kann den Fußball niemals geliebt haben.“ Dass da einer nicht spielte, bis er überall Schmerzen verspürte und mehr oder weniger vom eigenen Körper zum Rücktritt gezwungen wurde, ging nicht in Völlers Kopf.

Doch warum kehrt Jansen, inzwischen im Bereich Marketing tätig, zurück auf den Fußballplatz? In der fünften Liga, wo er auf heiße Gegner im Abstiegskampf trifft? Um Geld geht es Jansen laut eigener Auskunft nämlich keinesfalls, er käme nicht zum HSV III, um dort etwas zu verdienen. Das deckt sich mit seinen früheren Äußerungen.

„Geld, Schulterklopfen – all das Gedöns zählt nicht“, sagte er der „FAZ“ im Jahr 2007, „Geld war nicht mein Antrieb“ der „Zeit“ im März 2017. Die wahren Gründe für sein Comeback beim HSV III liegen also woanders. „Mir hat ein bisschen das Mannschaftsgefühl gefehlt“, sagte Jansen der Online-Plattform fussifreunde.de.

„Trainer Marcus Rabenhorst sagte mir: ,Mensch, Marcell, das ist doch eine coole Truppe. Guck dir das doch mal an.’“ Also stieß Jansen zur Vorbereitung des Tabellen-16., den – bei zwei absolvierten Spielen mehr – nur neun Tore vom rettenden Ufer trennen.

Wie oft Jansen letztlich wirklich auflaufen wird, scheint indes noch offen zu sein. Zum einen hängt dies von seinen beruflichen Verpflichtungen ab, zum anderen möchte der Linksfuß auch ein wenig bei der Sponsorensuche helfen. „Ich sehe meine Verantwortung auch im Drumherum“, sagt Jansen dazu. Durch seinen Namen und der damit verbundenen Vita ergibt sich somit für den HSV vielleicht die einmalige Chance, die eigene Dritte fest in der Oberliga Hamburg zu etablieren – selbst wenn Marcell Jansen nicht oft spielt.

Zu welchen Leistungen er nach zweieinhalbjähriger Pause nun in der Lage sein wird, ist ebenfalls eine spannende Frage. Reichlich Erfahrung im Abstiegskampf hat er in der Bundesliga beim HSV ja gesammelt. Stets gelang der Klassenerhalt. Klappt der in der Rückrunde mit dem HSV III auch, hätte Jansen erneut die Schlagzeilen auf seiner Seite und die Herzen der Fußball-Romantiker erneut gewonnen.