Norderstedt
FUSSBALL

Eintracht Norderstedt feiert seinen stillen Helden

Jeremy Karikari bejubelt sein 1:0 - für den Abwehrmann war es der Ligatreffer im Eintracht-Trikot

Foto: Anne Pamperin

Jeremy Karikari bejubelt sein 1:0 - für den Abwehrmann war es der Ligatreffer im Eintracht-Trikot

Jeremy Karikari sorgt mit einem Doppelpack für den 2:0-Triumph von Regionalligist Eintracht Norderstedt über den VfB Lübeck.

Norderstedt.  Der Held des Spiels bat die wartenden Journalisten um Verständnis. "Ich bin zu scheu, um zu sprechen", sagte Jeremy Karikari (29), bevor er in den Kabinentrakt huschte. Das 2:0 (1:0) von Eintracht Norderstedt im Regionalligaspiel gegen den VfB Lübeck, an dem er als Doppeltorschütze maßgeblichen Anteil hatte, wollte der Innenverteidiger allein genießen. In aller Stille.

Umso bombastischer kam das Lob für Karikari daher. Ausgesprochen von seinem Kollegen im Abwehrzentrum, dem Kroaten Marin Mandic (28): "Jeremy hat vorne zweimal getroffen und defensiv verteidigt wie ein Gott. Er ist der Mann des Spiels. Meinen Glückwunsch."

Ein derartiges Adeln Karikaris schien vor der Partie unwahrscheinlich. In der Regionalliga Nord hatte der Anfang März vergangenen Jahres verpflichtete Verteidiger (damals vereinslos) zuvor in 18 Einsätzen nie getroffen. Zudem stand Karikaris Einsatz auf der Kippe. Nach abgesessener Gelbsperre stritt sich der Abwehrspieler in der Trainingswoche mit Hamajak Bojadgian um die Nominierung. "Hamo hat Jerry beim 3:1 bei St. Pauli II stark vertreten. Jerry spielte zuvor souverän. Die Entscheidung, wer neben Marin Mandic im Zentrum verteidigt, war eine schwere", gab Eintrachts Trainer Dirk Heyne später zu.

Und, spätestens ab der 38. Minute, nicht nur defensiv eine goldrichtige. Da nämlich veredelte Karikari eine Freistoßflanke des Kapitäns und Standardspezialisten Philipp Koch mit dem Fuß zum 1:0. Etwas Glück war dabei, Lübecks Keeper Jonas Toboll bekam den Ball nicht richtig zu fassen und der kullerte ins Tor. Technisch und athletisch brillant war dafür das 2:0: Koch zirkelte eine Ecke vom Tor weg in die Mitte, Karikari köpfte in die lange Ecke, blieb hellwach – und konterte Tobolls großartige Parade mit einem Schuss in den Winkel (58.). Ein märchenhaftes Erlebnis für den schweigsamen Modellathleten, der vor zwölf Monaten aufgrund seiner zuvor halbjährigen Spielpause mit argen Konditionsmängeln zur Eintracht gestoßen war.

Die Geschichte des 2:0-Triumphs über den VfB Lübeck war jedoch nicht nur die Story des Jeremy Karikari. Sondern auch die einer Revanche. Im Hinspiel bot die Eintracht beim 1:3 ihre schlechteste Saisonleistung und ging sang- und klanglos unter. Nach Spielschluss machten die Spieler daher aus ihrem Herzen keine Mördergrube. "Klar waren wir extra moviert", sagte Marin Mandic offen. "Wir haben auch total verdient gewonnen. Lübeck kann froh sein, dass es nicht 5:0 ausgegangen ist." Und Kapitän Philipp Koch fand: "Fußball ist ja nichts Persönliches, doch natürlich war dieser Sieg für uns eine Genugtuung."

Besonders bemerkenswert: Nicht nur kämpferisch überzeugte die Eintracht auf dem vom Regen durchnässten, tiefen Geläuf. Auch spielerisch nahm sie den Gegner auseinander. Der Lohn: Satte zehn Torchancen, während Lübeck fast nie gefährlich wurde. Schon vor Karikaris Führungstreffer hätten Kangmin Choi (4.) und Yayar Kunath (13.) nach mustergültigen Angriffen über links die jeweiligen Abpraller frei vor dem leeren Tor verwerten müssen. Steven Lindener, im linken Mittelfeld aufgeboten für den grippegeschwächten Felix Drinkuth, initiierte diese Aktionen mit feinem Füßchen, stach insgesamt aus einer homogenen Mannschaft mit seinen Tricks und Pässen noch heraus.

22 Punkte aus den letzten acht Spielen hat die Eintracht nun geholt. Hält die Form, ist das Überbieten des bisher bestes Saisonergebnisses der Vereinsgeschichte realistisch. In der Spielzeit 2014/15 gelang mit 52 Punkten der sechste Rang in der Regionalliga Nord. Aktuell tritt das Team aber anders auf: wie ein Tabellenführer.

Eintracht Norderstedt: Huxsohl – Brown, Karikari, Mandic, Rose – Koch, Toksöz – Kunath (84. Karg), Choi, Lindener (89. Kummerfeld) – Zekjiri (73. Drinkuth). – Tore: 1:0, 2:0 Jeremy Karikari (14./58.). – Z.: 545.
TV-Tipp: Beim "kicker.tv"-Talk auf Eurosport 1 (Livestream: kicker.de) an diesem Montag, 18.15 Uhr, ist Eintracht-Präsident Reenald Koch zu Gast. Thema ist das Spannungsverhältnis Profi-/Amateurfußball.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.