Norderstedt
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Auf Anhieb Weltmeister

Der 17 Jahre alte Leon Wehowsky von Kodokan Norderstedt gewinnt bei seiner U21-Premiere die Goldmedaille

Norderstedt. Viel Zeit zum Nachdenken hatte Ju-Jutsu-Kämpfer Leon Wehowsky nicht, als er bei den U21-Weltmeisterschaften in Athen im Finale bis 77 Kilogramm dem Russen Nikita Nikitin gegenüberstand. Doch nach einer Minute kam er trotzdem kurz ins Grübeln. „Ich hatte plötzlich Befürchtungen, dass es nichts mit dem Titel werden würde“, sagte der 17-Jährige vom Norderstedter Verein für Kampfsport und Selbstverteidigung, Kodokan. Der Grund für die Skepsis: Der Russe punktete immer wieder durch gezielte Schläge im ersten von drei Ju-Jutsu-Teilbereichen und führte bereits mit 9:4 Zählern.

Doch Leon Wehowsky schlug zurück und punktete ebenfalls in Part eins, der Schläge und Tritte umfasst. 44 Sekunden vor dem Ende setzte der Elftklässler dann zum Te Guruma, einer Wurftechnik an, und holte im Part zwei (Wurf- und Hebeltechniken) einen weiteren Siegpunkt. Der Russe landete auf dem Boden und konnte sich nicht mehr befreien. Leon Wehowsky setzte nach und würgte den Kontrahenten mit dem Revers der Wettkampfjacke. Nikita Nikitin blieb nichts anderes übrig, als „abzuklopfen“, also aufzugeben.

Als der Kampf offiziell beendet war, sprang nicht nur Bundestrainer Andreas Kuhl von seinem Stuhl auf und schrie die Freude heraus. Leon Wehowsky war überwältigt und nahm freudestrahlend die Glückwünsche seiner Angehörigen und der Teamkameraden von Kodokan entgegen. „Ju-Jutsu ist zwar eine Individualsportart, aber trotzdem herrscht bei Kodokan ein großartiger Zusammenhalt. Jeder freut sich für den anderen“, sagte Leon Wehowsky. Sein Coach Stefan Jacobs sagte: „Es zeugt von ungeheurer Willenskraft und mentaler Stärke, dass Leon trotz des Rückstands nicht aufgegeben, sondern seine Chance zum Sieg gesehen und genutzt hat.“

Erst seit diesem Jahr startet der Friedrichsgaber in der U21-Klasse und sicherte sich nun auf Anhieb den Weltmeistertitel. Schon 2013 gewann Leon Wehowsky in Bukarest Bronze bei der U18-WM und wurde ein Jahr später bei den Europameisterschaften in Lund (Schweden) ebenfalls Dritter.

Dass es nun mit dem Sprung nach ganz oben aufs Siegertreppchen geklappt hat, ist kein Zufall. Der junge Kampfsportler trainiert täglich, manchmal sogar zweimal.

Neben den „normalen“ Ju-Jutsu-Einheiten im Dojo von TuRa Harksheide und in der Sporthalle der Horst-Embacher-Schule im Aurikelstieg, steht noch zwei- bis dreimal pro Woche Brazilian Jiu-Jitsu bei den Hamburger Ground Fighters in Hammerbrook, bzw. beim Kodokan an. Seit zweieinhalb Jahren besucht Leon das Heidberg-Gymnasium. „Ich werde an zwei Vormittagen für das Hamburger und Schleswig-Holsteinische Landeskadertraining bei Stefan Jacobs freigestellt. Während andere Schüler ihre Wahlpflichtkurse besuchen, kann ich an den 60- bis 90-minütigen Einheiten teilnehmen. Das Extratraining bringt mir unheimlich viel“, sagt Leon Wehowksy.

Leons Weltmeistertitel blieb nicht der einzige Erfolg der Norderstedter in Athen. Bronze holte Christian Schneider (U21, bis 56 Kilogramm), der sich gegen den Schweizer Julian Schmid mit 17:5 durchsetzte. Christians drei Jahre jüngerer Bruder Oliver (U18) wurde Dritter im Ne-Waza bis 55 kg). Er zwang seinen Gegner Manea Al Kaabi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zur Aufgabe und gewann so das kleine Finale vorzeitig.