Norderstedt

Rückenschwimmer knacken Landesrekorde

Staffeln der Startgemeinschaft Wasserratten verbessern deutlich die bisherigen Bestmarken über 10x100 Meter und 4x200 Meter

Norderstedt. Das Nachwuchs-Schwimmtraining der DLRG Norderstedt lief noch, als 13 ganz in Weiß gekleidete Männer und Frauen das neue Schul- und Vereinsschwimmbad betraten. Der Grund für das ungewöhnlich hohe Aufkommen von Zeitnehmern, Schiedsrichtern und weiteren Wettkampfoffiziellen an einem ganz normalen Sonnabendvormittag waren zwei Rekordversuche der Startgemeinschaft Wasserratten.

Trainer Christian Oehring und seine Aktiven hatten sich vorgenommen, die Staffel-Landesbestmarken über 10x100 Meter Rücken und 4x200 Meter Rücken zu knacken. „Für einen offiziellen Versuch muss auch ein komplettes Wettkampfgericht in der Halle sein“, sagte Ute Petzky. In diesem Fall waren das drei Zeitnehmer plus Reserve, ein Zeitnehmerobmann, ein Wenderichter, drei Zielrichter, ein Starter, ein Schwimmrichter, ein Schiedsrichter und außerdem auch noch ein Auswerter und Protokollführer.

Damit nicht genug: Zum Anfeuern hatte sich eine kleine Gruppe von Eltern, Geschwistern und Freunden eingefunden. Das war immens wichtig, denn Konkurrenz gab es nicht – die Wasserratten traten ohne einen Rivalen zum Kampf gegen die Uhr an.

Doch auch abseits des Beckenrandes war das Unternehmen Landesrekord perfekt organisiert. Christian Oehring hatte auf einer großen Tafel die bisherige Bestmarke des SV Wiking Kiel über 10x100 Meter Rücken (10:51,41 Minuten) in zehn Einzelabschnitte unterteilt und daneben die gewünschten Zeiten seiner zehn Schützlinge notiert. Jeder wusste also, welche Leistung er zum Gelingen beitragen musste.

„Wir hatten gerade erst unsere Saison beendet, waren also noch in einer entsprechend guten Wettkampfform. Der Zeitpunkt für die beiden Rekordversuche war demzufolge ideal“, sagte der Coach. Die Form stimmte, aber der 39-Jährige war bis zum Morgen des Wettkampftages unsicher. Immerhin mussten zehn gesunde Schwimmer antreten – eine stattliche Zahl. „Wenn ein Leistungsträger wegen Krankheit ausgefallen wäre, hätten wir die ganze Sache abblasen müssen“, so Oehring.

Seine Sorge war unbegründet. Zur verabredeten Startzeit standen der 18 Jahre alte Malte Buschbeck, Jeffrey Ronald Draack, 16, Henri Günther, 15, Kristoffer Hempel, 15, Martin Becker, 19, Thomas Kludt, 18, Benjamin Röhrig, 15, Sönke Stoffers, 23, Nils Rix, 33, und Marc Ahrens, 22, am Beckenrand und bereiteten sich in gewohnter Manier auf ihren kurzen, aber wichtigen Einsatz vor. Im Training hatten die zehn Schwimmer die Starts und die immens wichtigen Wenden geübt.

Als der Startpfiff ertönte, war Malte Buschbeck der Erste, der seine vier Bahnen absolvierte. Buschbeck, der als Jugendlicher nicht nur als Schwimmer, sondern auch als Triathlet erfolgreich war, hatte ein Jahr lang in den USA geweilt und befindet sich nun wieder in Norderstedt. Er präsentierte sich in bestechender Form, stellte in 59,41 Sekunden eine persönliche Bestleistung auf und legte so die Messlatte für seine Staffelkollegen gleich sehr hoch. Die anderen Wasserratten folgten seinem Beispiel, schwammen durchweg hervorragende Zeiten und sorgten so für einen immer größer werdenden Abstand zur Vorgabezeit. Christian Oehring konnte erleichtert durchatmen und war sich nach exakt 10:37,80 Minuten und einem vorsorglichen Blick zum Kampfrichtergremium sicher, dass die vier Jahre alte Bestmarke deutlich unterboten war.

Neben den vielen Nachwuchsschwimmern freuten sich vor allem die Routiniers Sönke Stoffers, Marc Ahrens und Nils Rix über den erfolgreichen Auftritt. „Wir haben uns erst vor einem Monat überlegt, diese Zeit in Angriff zu nehmen. Toll, dass das geklappt hat, und dann auch noch ausgerechnet auf der Rückenstrecke. Das ist ja nun wirklich nicht meine Lieblingsdisziplin“, so Nilx Rix, mit 33 Jahren der älteste Starter im Team und von Haus aus eigentlich eher ein Brustschwimmspezialist.

Während der „Oldie“ nach dem 10x100 Meter-Rennen seine verdiente Erholungspause genoss, legten Malte Buschbeck, Kristoffer Hempel, Jeffrey Ronald Draack und Marc Ahrens schnell noch eine Sonderschicht ein und starteten über 4x200 Meter Rücken einen weiteren Landesrekordversuch. Aufgestellt wurde die Zeit von 9:05,90 Minuten am 21. November 1987 von der SG Elbe.

Das Wasserrattenquartett war indes deutlich schneller und verbesserte die nun schon 26 Jahre alte Bestmarke um 9,77 Sekunden auf 8:56,13 Minuten. Christian Oehring bedankte sich bei allen Mitwirkenden und war hochzufrieden. „Beide Rekordversuche fanden in sehr stimmungsvoller Atmosphäre statt. Dadurch waren unsere Sportler bis in die Haarspitzen motiviert und haben mehrfach großartige persönliche Bestzeiten geschwommen.“