Fussball

Norderstedts Ausgleich in der 89. Minute

Eintracht Norderstedt rettet vor 425 Zuschauern ein 1:1 gegen den SV Wilhelmshaven und verpflichtet den Spanier Lolo Jesus Armario.

Norderstedt. 89. Minute im Edmund-Plambeck-Stadion, die Regionalliga-Fußballer von Eintracht Norderstedt rennen vor 425 Zuschauern verzweifelt einem 0:1-Rückstand gegen den SV Wilhelmshaven hinterher. Schiedsrichter Mario Bernhardt (Wienhausen) entscheidet auf Ecke für die Hausherren, die letzte Gelegenheit zum eigentlich längst fälligen Ausgleichstreffer.

Jan-Philipp Rose schlägt den Ball von rechts vor das Tor der Gäste. Eintracht-Keeper Johannes Höcker, der mit nach vorne gestürmt ist, stürzt sich mutig ins Getümmel und dreht Sekundenbruchteile später jubelnd ab. Das Spielgerät ist tatsächlich zum 1:1 über die Linie getrudelt; allerdings hat nicht Höcker den letzten Kontakt, sondern Wilhelmshavens Innenverteidiger Angelos Eleftheriadis. Mit seinem Eigentor bewahrt er die Elf von Trainer Thomas Seeliger vor einer unverdienten Heimniederlage.

Nach zwei 0:2-Schlappen gegen die Spitzenmannschaften TSV Havelse und VfL Wolfsburg II sowie einem 2:2- Unentschieden gegen den BV Cloppenburg waren die Norderstedter hoch motiviert ins Match gegangen und wollten endlich den ersten Sieg der Punktrunde 2013/2014 einfahren.

Doch schon vor dem Anstoß lief alles schief: Zunächst musste Björn Nadler, das Verbindungsglied zwischen Mittelfeld und Angriff, frustriert passen. Seine Adduktorenverletzung aus dem Match beim VfL Wolfsburg II hatte sich nach einem letzten Härtetest beim Aufwärmen wieder bemerkbar gemacht.

Dann streikte zu allem Überfluss auch noch die Lautsprecheranlage. Rainer Bockholt, der für Ewald Koch (musste wegen einer Entzündung im Fuß operiert werden) kurzfristig als Stadionsprecher eingesprungen war, blieb somit auf seinen Informationen für die Fans sitzen.

Kaum war die Partie angepfiffen und Bockholts rudimentäre Ansage verhallt, lag der Ball auch schon im Netz der Norderstedter. Genauer gesagt: nach 70 Sekunden Spielzeit. Gästestürmer David Loheider hatte einen Freistoß von Yuta Karwachi aus halbrechter Position per Kopf zum 0:1 verwertet. Ein Treffer, der Thomas Seeliger extrem ärgerte: "Wir haben in vier Regionalliga-Partien jetzt zum schon drittenmal ein Gegentor innerhalb der ersten fünf Minuten kassiert."

Kein Wunder, dass die Eintracht fortan verunsichert wirkte und nur ganz selten spielerisch überzeugen konnte. Seeliger: "Das ist selbstverständlich nicht förderlich, wenn man so schnell in Rückstand gerät." Chancen zum Ausgleich gab es dennoch: Jürgen Tunjic setzte gleich zwei Kopfbälle frei vor dem Wilhelmshavener Kasten neben den linken Pfosten (6./20. Minute). Und Jan Lüneburg, der gegen den BV Cloppenburg noch zweimal erfolgreich gewesen war, machte es seinem Teamkollegen nach schöner Vorarbeit von Linus Meyer mit einem Schuss von der rechten Strafraumecke nach (27.).

Nach dem Seitenwechsel das gewohnte Bild: Der SV Wilhelmshaven versuchte, mit einem 4-1-4-1-System die Norderstedter Angriffe im Keim zu ersticken. Und die Eintracht-Akteure ließen weiter ihre Großchancen liegen.

Zunächst vergab erneut Tunjic per Kopf das 1:1 (50.). Flankengeber Jan-Philipp Rose machte es 17 Minuten später noch schlechter. Er rutschte in einen verunglückten Schuss von Yayar Kunath und schaffte das Kunststück, den Ball aus zwei Metern Entfernung an die Querlatte des SVW-Gehäuses zu bugsieren. Als erneut Rose nach Vorarbeit des für den schwachen Innenverteidiger Miroslav Stepanek eingewechselten Jan-Marc Schneider scheiterte (84.), sanken die Hoffnungen auf den Ausgleich immer mehr Richtung Nullpunkt.

"Dass die Mannschaft dann noch das 1:1 erzwungen hat, spricht für ihre Moral", sagte Thomas Seeliger, "wir hatten insgesamt deutlich mehr Chancen als Wilhelmshaven, deshalb wäre es sehr enttäuschend gewesen, wenn wir verloren hätten."

Nach der emotionalen Partie blieben zwei Rätsel: Referee Bernhardt ließ nur eine Minute nachspielen, obwohl die Wilhelmshavener schon Mitte der ersten Halbzeit damit begonnen hatten, sich nach jedem Ansatz eines Norderstedter Fouls am Boden zu wälzen. Und dann verblüffte Gästetrainer Farat Toku mit der Aussage, sein Team habe es versäumt, die guten Konterchancen zu nutzen und das 0:2 zu machen - diese Meinung hatte er exklusiv...

Exquisit könnte dagegen der jüngste Neuzugang von Eintracht Norderstedt sein. Die Vereinsverantwortlichen haben auf die Verletzungen der Mittelfeldakteure Jirdjanik Ghazaryan (Kreuzbandriss), Marius Browarczyk (Muskelfaserriss) sowie Dane Kummerfeld (Nasenbeinbruch) reagiert und verpflichteten den Spanier Lolo Jesus Armario, 23, vom norwegischen Zweitligisten FK Nest-Sotra.

Tore: 0:1 Loheider (2.), 1:1 Eleftheriadis (89./Eigentor).

Eintracht Norderstedt: Höcker - Heinemann, Eglseder, Stepanek (61. Schneider), Rose - Koch, Mandic - Kunath, Tunjic, Meyer - Lüneburg.