Norderstedt
Kreis Segeberg

Härtere Strafen: jetzt gibt es Punktabzüge

Der Kreisfußballverband Segeberg wird Vereine künftig empfindlich bestrafen, wenn diese nicht ausreichend eigene Schiedsrichter stellen.

Kreis Segeberg. Auch Andreas Jeschke ist dem Impuls schon mehrfach erlegen. Genau wie wohl jeder Fußballer - ganz gleich ob Trainer oder Spieler - hat der 46 Jahre alte ehemalige Zweitliga-Profi des FC St. Pauli ebenso mal lautstark, mal insgeheim auf den Schiedsrichter geschimpft. Dabei hat der heutige Coach der Kaltenkirchener Turnerschaft im Verlaufe seiner Karriere Anfang der 1990er-Jahre sogar die Wege mit einigen der bekanntesten deutschen Referees gekreuzt - Hellmut Krug, Manfred Amerell, Eugen Strigel oder Lutz Wagner.

In der kommenden Saison wird Jeschke am eigenen Leib erleben, wie sich ein Unparteiischer fühlt inmitten der Gemengelage von kniffligen Entscheidungen, Gemecker von der Seitenlinie und Disputen mit Kickern. Der KT- Trainer hat erfolgreich an einem Anwärterlehrgang für Schiedsrichter teilgenommen. Dies geschah allerdings nur bedingt freiwillig. Vielmehr musste Jeschke die Initiative ergreifen, damit seinem Verein empfindliche Sanktionen erspart bleiben. "Die Ansage war sehr deutlich - wir hätten drei Punkte Abzug bekommen."

Künftig ist es nämlich vorbei mit der Nachsicht seitens der Verbände. Bisher war es so, dass Clubs, die eine festgelegte Quote von gemeldeten Referees nicht erfüllten, mit Geldbußen belegt wurden. Diese wurden oftmals bereitwillig gezahlt, kamen den Konten der Kreisfußballverbände zugute, kaschierten aber lediglich die Probleme. Eine Satzungsänderung der Spielordnung des Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verbandes (SHFV) hat den Vereinen diesen vermeintlich eleganten Ausweg nun genommen.

Bis zum 30. Juni mussten die Vereine ihre Schiedsrichter gemeldet haben

Paragraf 9 schreibt vor, dass für jede Frauen-/Herren-, A-Juniorinnen- oder A-Junioren-Mannschaft ein Schiedsrichter gemeldet werden muss. Gleiches gilt für B- und C-Junioren, die oberhalb der Kreisebenen aktiv sind. Spielt ein Herrenteam zudem - wie Kaltenkirchen - in der Verbandsliga oder in der Schleswig-Holstein-Liga, sind sogar zwei Unparteiische Pflicht. Als Frist für die Meldung von Mannschaften und Schiedsrichtern war der 30. Juni festgelegt. Wer jetzt einen sogenannten "Schiedsrichterfehlbestand" aufweist, muss mit Strafen rechnen.

Für jeden fehlenden Referee müssen 125 Euro (erstes Jahr), 250 Euro (zweites Jahr), 375 Euro (drittes Jahr), 500 Euro und so weiter gezahlt werden. Ab dem zweiten Jahr kommen Punktabzüge hinzu für das höchstklassige Team - drei Zähler (erstes Jahr), dann sechs, dann neun. Tritt keine Besserung ein, kann der Verband zudem der jeweils untersten Herren- oder Frauenmannschaft die Zulassung verwehren.

Die Anwärter müssen eine zwölfmonatige Probezeit bestehen

Im Falle von Andreas Jeschke und der Kaltenkirchener TS hätte dies bedeutet, dass die Verbandsliga-Truppe mit einem negativen Punktekonto in die Saison 2013/2014 gestartet wäre. Der Trainer ergriff somit die Initiative und meldete sich für den Lehrgang an. "Ich habe gehofft, dass dann einige bei uns im Verein mitziehen würden. Das war der Fall", sagt er.

Insgesamt sechs Kaltenkirchener folgten Jeschkes Beispiel. Sie haben nun allerdings noch eine zwölfmonatige Probezeit vor sich. Diese beinhaltet, dass zwölf Begegnungen auf Kreisebene geleitet werden müssen; zudem ist der Besuch von acht Schulungen obligatorisch. Wer das Soll erfüllt, wird zugelassen für den abschließenden Eignungstest für die DFB-Lizenz. Fällt jemand durch und muss die Probezeit wiederholen, droht dem jeweiligen Club ein nachträglicher Punktabzug.

Laut Hans-Jürgen Lühmann, Schiedsrichterobmann des Kreises, wurde es Zeit, dass säumige Vereine bestraft werden. "Die Satzungsänderung hat alle wachgerüttelt. Es ist aber typisch, dass erst etwas passiert, wenn wir als Verband Sanktionen androhen. Wir haben erreicht, was wir wollten. Anders kommen wir den Vereinen auch nicht bei." Gleichwohl werde es Punktabzüge und Geldstrafen geben, so Lühmann. "Es gibt Vereine, die sich nicht anstrengen." Letzter Ausweg könnte der zweite Lehrgang im September sein. Der KFV möchte im Sinne des Sports kulant sein - die Anwärter könnten rückwirkend für die dann bereits laufende Saison ihren Clubs gutgeschrieben werden.

Andreas Jeschke hat den nötigen ersten Schritt getan. "Das sollte eigentlich jeder Trainer einmal machen. Da waren einige Regeln bei, von denen ich noch überhaupt nichts wusste", sagt er und versichert: "Ich werde jetzt anders in die Spiele gehen, weil ich mich auch in die Lage des Schiedsrichters versetzen kann." Nun muss er seine neuen Pflichten als Referee nur noch mit den Aufgaben bei der KT koordinieren. "Es muss zeitlich passen. Der Trainerjob hat Vorrang." Dass Ausreden nicht akzeptiert werden, stellt Hans-Jürgen Lühmann klar. "Es kann keiner sagen, er hätte keine Zeit. Wer die Bedingungen in der Probezeit nicht erfüllt, wird zurück an seinen Verein geschickt."