Der Rückraumriese hilft im Abstiegskampf

Der ehemalige Junioren-Nationalspieler Kevin Wendlandt verstärkt die Zweitliga-Handballer des SV Henstedt-Ulzburg in der Rückrunde

Henstedt-Ulzburg. Eines haben die C-Jugend-Handballerinen des SV Henstedt-Ulzburg den Fans ihres Vereins voraus: Die von Zweitliga-Rückraumspieler Tim Völzke trainierten Mädchen durften bereits den neuesten Teamkameraden ihres Coaches aus der Nähe kennenlernen. Seit dieser Woche trainiert Kevin Wendlandt, der mit sofortiger Wirkung vom abstiegsgefährdeten Drittligisten HSV Insel Usedom verpflichtet wurde, mit der Mannschaft von SVHU-Coach Tobias Skerka zusammen. Und die hatte nun am Abend nach dem eigenen Training einen besonderen Termin auf dem Zettel.

Ein Elternpaar hatte in den eigenen Geldbeutel gegriffen und den Mädchen bei der Aktion "Handball hilft" zu Gunsten der Deutschen Krebshilfe ein Showtraining mit dem Zweitliga-Neuling ersteigert. Angeleitet von Tim Völzke zeigten die Profis den jungen Talenten Tricks und Übungen aus dem Trainingsalltag eines Vollzeit-Handballers.

Höhepunkt war ein abschließendes Spiel zweier gemischter Teams, bei dem so manche Nachwuchsspielerin bereits ihr Können bewies und den Ball an den Zweitliga-Keepern Stephan Hampel und Markus Noel vorbei ins Tor bugsierte. "Das hat tierisch Spaß gemacht", sagten Anna Nowatzki und Isabel Hovorka stellvertretend für ihre Mannschaftskameradinnen.

Spaß hatte auch Kevin Wendlandt, der bereits mit Hilfe von Tim Bracklow, dem Co-Trainer des Drittliga-Frauenteams, nach Henstedt-Ulzburg umgezogen ist und nun in einer Wohngemeinschaft mit Teamkamerad Tim-Philip Jurgeleit lebt. Doch für den 1,97 Meter großen und wurfgewaltigen Rückraumschützen - Wendlandt hat bis zu seinem Wechsel in 16 Drittliga-Partien für den HSV Usedom 94 Saisontore erzielt - heißt es vorrangig, möglichst schnell die spielerische Bindung zu seiner neuen Mannschaft zu finden.

Aber wenn die Akklimatisierung des 23- Jährigen ebenso schnell und reibungslos vonstatten geht, wie nun dessen Wechsel von der Ostseeinsel nach Henstedt-Ulzburg vollzogen wurde, dann kann Coach Tobias Skerka op ti mistisch der an diesem Sonnabend um 20 Uhr mit dem Match beim TV 05/ 07 Hüttenberg beginnenden Rückrunde entgegen blicken.

"Es ist zwar nur zu verständlich, dass auch für einen guten Spieler wie Kevin die Feinabstimmung auf ein bestehendes Team nicht von heute auf morgen gelingen kann", sagt Skerka, für dessen Männer es immerhin darum geht, nach einem erfolgreichen Dezember nun endlich die Abstiegsränge zu verlassen. "Die groben Abläufe haben wir mit Kevin einstudieren können, und das sah schon sehr gut aus. Er wird spielbereit in Hüttenberg mit von der Partie sein, und wir werden der Situation entsprechend entscheiden, ob und wann er zum Einsatz kommt."

Dass Kevin Wendlandt die dafür notwendige Einstellung mitbringt, ist unbestritten. Schließlich hat der gebürtige Berliner schon im D-Jugendalter den Handballsport in den Vordergrund seiner Lebensplanung gestellt. "Ich bin mit zwölf Jahren ins Handball-Internat des LHC Cottbus gewechselt", sagte der Rückraumshooter, dessen Mutter bereits Handball spielte und ihn auch dazu ermuntert hat, mit vier Jahren die ersten Versuche mit dem Ball in der Hand zu unternehmen.

In Cottbus blieb Wendlandt, bis er spielberechtigt für das Männerteam war. "Aber als der LHC aus der zweiten Bundesliga abstieg, wechselte ich 2008 zum Bergischen HC, um in der Klasse zu bleiben", erinnert sich Wendlandt, der damals auch Junioren-Nationalspieler war. "Aber dann kam im wörtlichen Sinn ein Bruch in meiner Karriere; ich zog mir einen Fraktur im Ellenbogen zu und musste lange aussetzen."

Zu lange, um sofort in der zweiten Liga den Anschluss zu finden. Wendlandt beendete die Serie beim Süd-Regionalligisten in Neustadt/Saale, ehe es ihn für dreieinhalb Jahre nach Usedom zog. Dort war der Rückraumriese bis jetzt die Stütze im Angriffsspiel der Ostseestädter. "Aber ich hatte dem Verein schon signalisiert, dass ich unbedingt zurück in die zweite Liga möchte", sagt der Rechtshänder, "und nachdem wir schon vor der Serie Kontakt hatten, fragte Manager Olaf Knüppel jetzt noch einmal an, wie es mit einem Wechsel aussähe. "Ich hatte ein gutes Gespräch mit Tobias Skerka, habe mich über das Team informiert und dann zugesagt."

Die Usedomer legten ihrem Shooter, der in diesem Jahr die Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann aufnehmen will, keine Steine in den Weg. Und so kann der SVHU im linken Rückraum den Langzeitverletzten Florian Bitterlich ersetzen. "Vielleicht ja schon in Hüttenberg", sagt Wendlandt, "ich möchte jedenfalls sehr bald dazu beitragen, dass wir hier die Klasse halten."