Norderstedt. Für 50 Millionen Euro wird das Umspannwerk in Friedrichsgabe modernisiert. Für die Versorgung der Hansestadt ein Schlüsselprojekt.

Genau lässt es sich nicht beziffern, wie sehr der Energiebedarf von Ballungsräumen wie in Hamburg in Zukunft steigen wird. Eines ist aber sicher: Der Zuwachs wird enorm sein. Und das wiederum bedeutet: Die Infrastruktur muss so schnell wie möglich mitwachsen. Und da spielt ein Projekt für die Hansestadt eine wichtige Rolle, das gar nicht dort realisiert wird, sondern in Norderstedt. Denn hier befindet sich das Umspannwerk Hamburg-Nord, einer von drei Knotenpunkten für die Versorgung der zweitgrößten deutschen Stadt. Und dieser wird innerhalb der nächsten fünf Jahre für 50 Millionen Euro modernisiert.

„In der Vergangenheit hat die Energiewende überwiegend im ländlichen Raum stattgefunden. Aber was jetzt absehbar in den nächsten Jahren und Jahrzehnten passieren wird: Sie kommt in Städte wie Hamburg“, sagt Andreas Cerbe, Geschäftsführer der Stromnetz Hamburg GmbH. Das kommunale Unternehmen ist Eigentümer des Umspannwerks und des Verteilungsnetzes, das 1,2 Millionen Haushalte und Gewerbekunden versorgt. Jährlich fließen rund 10,4 Milliarden Kilowattstunden Strom durch das Stromnetz.

Energiewende: Ein Knotenpunkt in Norderstedt trägt Hamburgs Stromnetz

Michael Pollmann, Staatsrat der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: Bis 2045 will Hamburg klimaneutral sein, dafür müsse die Netzinfrastruktur „zukunftsfit“ sein.
Michael Pollmann, Staatsrat der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft: Bis 2045 will Hamburg klimaneutral sein, dafür müsse die Netzinfrastruktur „zukunftsfit“ sein. © Christopher Mey

In Norderstedt wird derzeit bereits ein neues Betriebsgebäude errichtet, dessen Richtfest jetzt gefeiert wurde. Wesentlich für die Zukunft ist aber die geplante Freiluftschaltanlage. Diese Erneuerung soll die Leistungsfähigkeit der Netzinfrastruktur langfristig absichern, heißt es. Dies sei ein „wichtiger Schritt zu einem gut ausgebauten Stromnetz mit sich dynamisch verändernden Kundenanforderungen und eine weitere Unterstützung der Hamburger Klimaziele“.

Die Herausforderung, so Cerbe: „Es ist wie eine Operation am offenen Herzen.“ Denn das Umspannwerk darf aus nachvollziehbaren Gründen nicht abgeschaltet werden. Vielmehr werden Provisorien installiert, damit die Funktionalität gewährleistet bleibt.

Bis 2045 will die Hansestadt Hamburg klimaneutral werden

Auf diese verweist Staatsrat Michael Pollmann von der zuständigen Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft. „Unsere Energieversorgung muss rasch von fossilen Brennstoffen wegkommen. Hamburg soll bis 2045 klimaneutral sein. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, muss auch unsere Netzinfrastruktur zukunftsfit sein.“

Zunehmend werde Strom dezentral erzeugt und eingespeist, gleichzeitig steige der Bedarf. „Die Last wird steigen, da wir an vielen Stellen fossile Energien ersetzen“, so Pollmann. „Das wird deutlich bei der Ladeinfrastruktur, die ausgebaut werden muss, es sind auch die Wärmepumpen oder große Aggregate mit Landstrom, die wir im Hamburger Hafen anschließen.“ Und zwar für die großen Kreuzfahrtschiffe, die eine Leistung von mehreren Megawatt benötigen.

Während der Umbauarbeiten wird es über mehrere Jahre eine provisorische Anlage geben, damit die Stromversorgung gewährleistet bleibt.
Während der Umbauarbeiten wird es über mehrere Jahre eine provisorische Anlage geben, damit die Stromversorgung gewährleistet bleibt. © Christopher Mey

Eine wichtige Frage: Wie schnell kommt der Ausbau großer Übertragungsnetze, also der 380-Kilovolt-Leitungen, voran? Das ist elementar, denn fehlt hier die Kapazität, bleibt ein Teil des Potenzials erneuerbarer Energien wie dem Windstrom in Schleswig-Holstein ungenutzt.

Vorgelagert ist in Norderstedt das Höchstspannungsnetz von 50 Hertz. Im Umspannwerk wird die Spannung auf 110 Kilovolt reduziert. Pollmann betont: „Das Stromnetz in Hamburg funktioniert hervorragend. Die Ausfallzeiten sind in den letzten Jahren fortwährend nach unten gegangen Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jeder Haushalt, jedes Gewerbe mit der Stromversorgung rechnen kann.“

2013: Per Volksentscheid votiert Hamburgs Bevölkerung für den Rückkauf der Energienetze

Diesen Auftrag hatte die Bevölkerung vor zehn Jahren quasi selbst erteilt mit dem Volksentscheid zum Rückkauf der Energienetze. „Das war ein Wendepunkt in der Energiepolitik. Ich bin froh, dass es den Volksentscheid gegeben hat.“ Im letzten Jahr habe die Hansestadt 500 Millionen Euro in den Ausbau beziehungsweise den Erhalt der Netzinfrastruktur investiert.

Robert Schaetzke ist Leiter für den Schaltanlagenbau bei Spie Deutschland, dem Generalunternehmer für das Projekt, das zusammen mit dem Bauunternehmen Wiesensee umgesetzt wird. „2028 werden wir ein neues Herzstück haben, dass die Energieversorgung der Stadt Hamburg sichert.“ Der eigentliche Umbau im laufenden Betrieb startet Anfang 2024. „Die Koordination der Gewerke ist eine große Herausforderung, die genaueste Abstimmungen mit dem Auftraggeber erfordert.“

Für die nächsten fünf Jahre wird es daher übergangsweise gesonderte Leitungen auf dem Gelände geben, damit die Endverbraucher von der Maßnahme bestenfalls nichts mitbekommen. Zudem müssen, so Stromnetz Hamburg, ebenso Ausbaureserven vorgehalten werden für zukünftige Lastanstiege.