Kreis Segeberg

Zu wenig Parkplätze: Wohin mit den Wohnmobilen?

| Lesedauer: 5 Minuten
Jörg Riefenstahl
Das Unternehmerehepaar Timm und Vanessa Wemmel (mit Hund Cooper) vermietet Freiflächen seines Gewerbebetriebes in Kaltenkirchen für das dauerhafte Abstellen von Wohnmobilen.

Das Unternehmerehepaar Timm und Vanessa Wemmel (mit Hund Cooper) vermietet Freiflächen seines Gewerbebetriebes in Kaltenkirchen für das dauerhafte Abstellen von Wohnmobilen.

Foto: Jörg Riefenstahl / Tim Wemmel

Im Kreis Segeberg werden immer mehr Stellplätze ausgewiesen und XXL-Garagen errichtet. Die Nachfrage ist groß.

Norderstedt/Kaltenkirchen.  Sie verstopfen die Straßen, lassen immer weniger Platz für parkende Autos: Wohnmobile sind Trend. Während der Corona-Pandemie hat die unabhängige Form des Reisens enorm zugelegt – was zum Saisonende in Großstädten wie Hamburg mit begrenztem Parkraum und im Umland zum Problem wird.

Camper lassen ihre großen Fahrzeuge in Wohnstraßen stehen. Oder weichen auf öffentliche Parkplätze aus. Die Folge: Der Parkdruck wächst. Anwohner sind zunehmend genervt – und die Ordnungshüter werden aktiv: In Schenefeld im Nachbarkreis Pinneberg beispielsweise zeigen neuerdings Zusatzschilder an Parkplätzen, dass hier ausschließlich Pkw parken dürfen. Wohnmobile und Wohnwagen müssen draußen bleiben. Wer sich nicht dran hält, riskiert ein Knöllchen.

Wohnmobile: Stellplatz ab 30 Euro pro Monat

Zwar ist für Reisemobile – im Unterscheid zu Wohnwagen – langfristiges Parken im öffentlichen Raum grundsätzlich erlaubt. Doch wohin, wenn kein Platz für fünf bis sechs Meter lange Busse, Kastenwagen und Reisemobile von sieben Metern und mehr zu finden ist?

Vor einem Jahr hat Unternehmer Timm Wemmel den Bedarf bereits erkannt und eine Fläche seines Gewerbebetriebes in Kaltenkirchen für 60 Reisemobile und Wohnwagen hergerichtet, die er an Freizeitcamper vermietet. Um die wachsende Nachfrage zu decken, hat der Reinigungsmittelhersteller im Herbst eine zweite Fläche für weitere 40 Wohnmobile erschlossen. Ab 30 Euro im Monat kostet ein Stellplatz für ein 6,50 Meter langes Wohnmobil bei ihm.

Kunden gelangen jederzeit auf das eingezäunte Gelände

Wemmel kann sich vor Anfragen kaum retten. ,,Die Leute kommen aus Hen­stetdt-Ulzburg, Kaltenkirchen, Norderstedt, aber auch aus Schenefeld und Quickborn zu uns“, sagt der Unternehmer. Sein Platz ist mit Kastenwagen und Wohnwagen gut gefüllt. Wemmel rechnet damit, dass spätestens Mitte November alles dicht sein wird. Mit einem Schlüssel gelangen seine Kunden auf das eingezäunte Gelände und können so jederzeit mit ihrem Mobil losfahren. Übernachten ist jedoch nicht gestattet. ,,Die meisten lassen in den Ferien ihren Pkw bei uns stehen und fahren von hier aus mit ihrem Wohnmobil nach Skandinavien“, erzählt Wemmel, der gern selbst mit seiner Frau Vanessa und Hund Cooper als Freizeitcamper unterwegs ist.

Einen Katzensprung entfernt zielt Projektentwickler Stefan Specht mit XXL-Garagen auf eine zahlungskräftige Klientel: Zehn Luxus-Reisemobile der 150.000-Euro-Klasse und Oldtimer parken in seinen fünf mal zehn Meter großen Garagen. 300 Euro pro Monat kostet ein luxuriöser Unterstand mit Strom- und Wasseranschluss sowie zentralem Sanitärbereich und Videoüberwachung auf dem umzäunten Gelände in der Nähe des Globus Marktes.

Insgesamt 28 beheizbare XXL-Garagenplätze vermietet Specht Immobilien in Kaltenkirchen, fünf in Bredenbek und 17 in Wasbek bei Neumünster. Und es sollen deutlich mehr werden. ,,Wir haben jede Menge Anfragen. Wir wollen in der Region weiter expandieren“, betont Specht.

XXL-Garage in Henstedt-Ulzburg für 159 Euro im Monat

In Bad Segeberg entstehen zurzeit XXL-Garagen für Wohnmobile im Gewerbegebiet Birkenweg. ,,Obwohl die Garagen erst Mitte November fertig werden und wir keine Werbung gemacht haben, sind schon 25 der ersten 40 Garagen fest vergeben“, sagt Michael Prien. Der Angestellte eines Segeberger Autohauses hat mit seiner jungen Firma bereits 30 weitere Garagen im Bau. 159 Euro im Monat kostet eine acht Meter lange Garage bei XXL-Garagen Segeberg.

In Henstedt-Ulzburg bietet Bettina Bleck, Inhaberin von DRM Wohnmobile, außerhalb der Saison 25 bis 40 Stellplätze für Wohnmobile im Freien an. Kostenpunkt: 50 Euro im Monat. ,,Der Verkauf von Wohnmobilen und Zubehör ist der totale Hype“, sagt die Geschäftsfrau. Die Folge: Gebrauchte Mobile wie etwa der VW California, die bereits ein halbes Jahr gelaufen sind, werden zum ursprünglichen Neupreis gehandelt. Zudem gibt es Lieferschwierigkeiten bei Fahrgestellen und Zubehör. ,,Fenster werden knapp“, hat Bettina Bleck festgestellt.

Gebrauchte Wohnmobile werden zum Neupreis verkauft

,,Unser Hof ist leergekauft“, sagt Heinz Ceglarek, Geschäftsführer von Lundberg Reisemobile in Norderstedt. Er wartet händeringend auf neue Modelle. Lieferfristen von einem Jahr – etwa bei Mercedes – seien keine Seltenheit. Drei bis vier Jahre alte Wohnmobile würden zum ursprünglichen Neupreis gehandelt, sogar sechs bis sieben Jahre alte Kastenwagen. ,,Viele aus dem Hamburger Raum und Pinneberg fragen bei uns nach Stellplätzen“, sagt Ceglarek. ,,Ihnen rate ich: Fahren sie rum, fragen sie bei Betrieben oder Landwirten nach, ob sie irgendwo ein Plätzchen haben.“

Die Neuzulassungen von Wohnmobilen in Deutschland haben sich innerhalb von sieben Jahren von 24.800 im Jahr 2013 auf 78.100 im Jahr 2020 mehr als verdreifacht. Neuzulassungen von Wohnwagen stiegen im selben Zeitraum von 16.600 auf rund 28.700.

Vereinzelt Beschwerden über geparkte Wohnmobile

Eine spezielle Beschilderung zur Verhinderung des Parkens von Wohnmobilen, wie es andere Kommunen bereits praktizieren, ist in Norderstedt indes (noch) nicht vorgesehen. ,,Es kommt auch in Norderstedt immer wieder zu vereinzelten Hinweisen und Beschwerden wegen des langfristigen Parkens von Wohnmobilen an normalen Straßen“, sagt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek.

Die Verkehrsaufsicht geht den Hinweisen nach und schaut sich die Situation vor Ort an. Zwar sei zeitlich unbegrenztes Parken für Wohnmobile laut Straßenverkehrsordnung grundsätzlich erlaubt, so Struppek, aber: ,,Autofahrende müssen damit rechnen, dass sich die Verkehrssituation und die Parkregelung gegebenenfalls ändern.“

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