Kaltenkirchen

Bürger entscheiden über die Motocross-Strecke

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Burkhard Fuchs
Der MSC Kaltenkirchen kämpft für die Zukunft des Motocross-Sports in Kaltenkirchen. Die Gegner aus der Politik fürchten hingegen Lärm und Umweltzerstörung.

Der MSC Kaltenkirchen kämpft für die Zukunft des Motocross-Sports in Kaltenkirchen. Die Gegner aus der Politik fürchten hingegen Lärm und Umweltzerstörung.

Foto: MSC Kaltenkirchen / Jörn Schüle / Burkhard Fuchs

Darf der Motorsportclub Pläne für einen Übungsplatz umsetzen? Darüber wird am Sonntag in Kaltenkirchen entschieden.

Kaltenkirchen.  Die 18.200 wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger in Kaltenkirchen stimmen am Sonntag über den geplanten Moto-Cross-Übungsplatz an der Barmstedter Straße ab, den der Motorsportclub Kaltenkirchen dort herrichten möchte. Der Kaltenkirchener Verein von 1952 will direkt an der A 7 gelegen westlich des Rastplatzes Moorkaten-West einen „Mehrzweck-Offroadpark“ für seine etwa 200 Mitglieder schaffen.

Motocross-Strecke: Bürgerentscheid in Kaltenkirchen

Drei Kaltenkirchener Bürger, darunter der Fraktionschef der Wählergemeinschaft Pro-Kaki, Reinhard Bundschuh, haben dagegen einen Bürgerentscheid angestrengt, der nun am Sonntag, 17. Oktober, an den Wahlurnen entschieden wird. Wer mindestens 2912 Stimmen bekommt und die Mehrheit erhält, hat gewonnen.

Für den MSC Kaltenkirchen gehe es dabei um die Existenz, sagt die Erste Vorsitzende Monika Henning, deren Vater Wilhelm Henning vor fast genau 70 Jahren den Verein gegründet hatte. „Wenn wir verlieren, werden wir wohl den Verein auflösen müssen“, sagt Jörn Schüle, der Umweltbeauftragte des MSC.

Motorsportler haben keine Übungsfläche

Jahrzehntelang hätten die Motorsportler den Truppenübungsplatz auf der gegenüberliegenden Seite der Barmstedter Straße für ihre Cross-Strecken nutzen können, bis dieser vor etwa 20 Jahren zu einer Ausgleichsfläche für den A-20-Bau als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet umgewidmet worden sei. „Seitdem sind wir heimatlos und müssen für unser Training auf landwirtschaftliche Flächen ausweichen“, sagt Vorsitzende Henning. Der Verein brauche für seine Mitglieder und den Nachwuchs endlich einen eigenen Platz zum Üben.

Das soll direkt hinter der A 7 geschehen am dortigen Hartsteinwerk im Industriegebiet Moorkaten, etwa 800 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. Dafür muss der gültige Flächennutzungsplan, der dort eine Landwirtschafts- und Waldfläche vorsieht, geändert werden und ein 9,7 Hektar großes, zurzeit bewaldetes Areal entsprechend hergerichtet werden.

Mehr als eine Million Euro würde die Anlage kosten

Die eigentliche Eingriffsfläche ist fünf Hektar groß für Strecken, Fahrerlager und Nebenflächen. Ein Hektar davon ist laut Verwaltung Wald. „In der Gesamtsumme werden nach derzeitiger Planung 7,5 Hektar Ausgleichsflächen, für naturschutz-, artenschutz- und waldrechtlichen Ausgleich anzulegen sein“, heißt es in der Verwaltungsvorlage dazu.

Etwa eine Million Euro soll dies die Stadt kosten, die dem MSC Kaltenkirchen die Fläche dann in einem Nutzungsvertrag überlässt, der wiederum Eigenleistungen in Höhe von 200.000 Euro zusätzlich in das Projekt einbringt. Der Kaltenkirchener Bauausschuss hat bereits 2017 den Aufstellungsbeschluss für die F-Plan-Änderung gefasst, aber erst in diesem Frühjahr die eingereichten 700 Einwendungen dazu abgewogen, so die Büroleitende Beamtin Meike Wölfel. Dagegen richtet sich nun das Bürgerbegehren, das mit 1800 Ja-Stimmen den Bürgerentscheid für diesen Sonntag in Gang setzte.

Inklusion: Verein plant Parcours für Querschnittsgelähmte

Das Konzept des MSC sieht vor, auf dem Gelände vier Cross-Strecken für Motocross- und Enduro-Maschinen sowie BMX- und Mountain-Bike-Fahrräder einzurichten. „Nur an zwei Tagen jeweils vier Stunden lang wird es hier Motorenlärm geben“, versichert MSC-Beauftragter Schüle. „Das werden wir in dem Nutzungsvertrag mit der Stadt so festlegen.“

So würde der Einsatz von Elektro-Motorrädern und –Quads auch im Motocross-Sport zunehmen, so Schüle. Darüber hinaus wolle der Verein den Behindertensport fördern, indem auf dem Gelände Handbike-Querfeldein-Parcours für Querschnittsgelähmte geschaffen werden sollen. „Drei unserer Mitglieder sind schwerstbehindert“, so Schüle. Dieser Anteil soll künftig wachsen. Der Rollstuhlverband habe für dieses vorbildliche Inklusions-Vorhaben bereits einen Preis in Aussicht gestellt, so Schüle.

Landesweit gebe es nur in Tensfeld, Bokel (Kreis Pinneberg), Mölln, Albersdorf und Reesdorf bei Bordesholm Motocross-Übungsplätze, so Schüle. „Wir wollen hier den größten und besten Trainingsplatz schaffen. Die Stadt Kaltenkirchen wird stolz darauf sein.“

Kritiker fürchten erhebliche Lärmbelästigung

Das wollen die Initiatoren des Bürgerentscheids verhindern. „Uns geht es in erster Linie um die Lärmbelästigung der Kaltenkirchener Bevölkerung im Südwesten der Stadt“, sagt Initiator Bundschuh. Zwar gebe es ein Lärmgutachten, das für diese Ausweisung des Motocross-Platzes die Einhaltung der Grenzwerte bescheinigt habe. Dabei sei aber nicht der Verkehrslärm der A 7 berücksichtigt worden, zumal das Motocross-Gelände etwa acht Meter über der Autobahn liege, so der Initiator des Bürgerentscheids und Kommunalpolitiker. „Der Gesamtlärm steigt auf jeden Fall und das wurde nicht untersucht.“

Die Inklusions-Angebote des MSC für Behinderte hält er für eine „Pseudo-Debatte“ und ein „Feigenblatt“, um der umweltschädlichen Motocross-Strecke einen positiven Anstrich zu geben, so Bundschuh.

Bürger sollen über Motocross-Fläche entscheiden

Nur dadurch, dass zwei seiner Fraktionskollegen und einer von der SPD auf die Seite der politischen Befürworter von CDU, FDP und AfD gewechselt sind, verfüge diese Seite jetzt über die politische Mehrheit in Bauausschuss und Stadtvertretung Kaltenkirchens, ärgert sich Bundschuh. „Deshalb sollen jetzt die Bürger darüber entscheiden.“

Selbst wenn seine Initiative durch ein mehrheitliches Nein-Votum zum Bürgerentscheid unterliegen sollte, könnte er sich nicht vorstellen, dass die Landesbehörde der Umwidmung einer Waldfläche zum Motorsport zustimmen wird, da ist Bundschuh zuversichtlich.

Die Wahlurnen für den Bürgerentscheid am Sonntag sind in Kaltenkirchen von 8 bis 18 Uhr geöffnet.Das Ergebnis der Abstimmung finden Sie am Sonntag unter abendblatt.de/norderstedt.

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