Kreis Segeberg

Traditionsunternehmen Blumen Bade zieht nach Kisdorf

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Christopher Herbst
Wolfgang Bade (m.), seine Söhne Christian (l.) und Lars leiten den Betrieb in dritter und vierter Generation. Pünktlich zur Frühjahrssaison 2022 soll der Neubau in Kisdorf eröffnet werden.

Wolfgang Bade (m.), seine Söhne Christian (l.) und Lars leiten den Betrieb in dritter und vierter Generation. Pünktlich zur Frühjahrssaison 2022 soll der Neubau in Kisdorf eröffnet werden.

Foto: Christopher Herbst

Henstedt-Ulzburger Familienbetrieb verlagert Standort in die Nachbargemeinde, um sich vergrößern zu können.

Henstedt-Ulzburg.  Im lokalen Handel ist Blumen Bade eine Institution. Mittlerweile in dritter und vierter Generation leiten Wolfgang Bade sowie seine Söhne Christian und Lars den Gartenfachbetrieb an der Hamburger Straße, für viele Henstedt-Ulzburger sind sie die erste Anlaufstelle bei allen Fragen rund um Floristik, Pflanzen, Säen und Ernten. Das soll auch weiterhin so bleiben, allerdings nicht in der Großgemeinde. Denn die Zukunft des Familienunternehmens liegt im Nachbarort Kisdorf. Dort, an der Henstedter Straße, wird ab diesem Sommer ein Neubau entstehen.

Christian Bade erklärt, warum dieser Schritt letztlich die beste Alternative gewesen sei. „Eigentlich war es unser Ziel, in Henstedt-Ulzburg zu bleiben. Aber ein Teil der jetzigen Verkaufsfläche ist eine Pachtfläche des Nachbarn, die perspektivisch nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Wir waren schon vor einigen Jahren bei der Politik, bei der Gemeinde, waren in Henstedt-Ulzburg auf Grundstückssuche. Nach einigen Gesprächen mit der Wirtschaftsförderung kam die Einsicht, dass in Henstedt-Ulzburg leider keine passende Fläche zur Verfügung steht.“ Aus der Kommunalpolitik kam dann der Tipp, dass in Kisdorf ein Grundstück zum Verkauf stünde. Diese Fläche befindet sich direkt neben den Märkten von Aldi und Edeka. Dort würden, so wissen die Bades, sowieso viele Stammkunden einkaufen. Das habe am Ende den Ausschlag gegeben. Ganz abgesehen von dem Spielraum bei der Entwicklung.

„Es gibt Anforderungen von der Größe, der Erreichbarkeit, der Anzahl der Parkplätze“, sagt Christian Bade. Gerade diese seien am jetzigen Standort zu wenig vorhanden, lediglich rund 20 Kunden können gleichzeitig ihr Auto abstellen, zu Saisonzeiten platze der Betrieb „aus allen Nähten“. In Zukunft werde es auch problemlos möglich, mit einem Anhänger oder einem großen Transporter zu kommen. Eine neue Zufahrt werde man sich mit Aldi und Edeka teilen.

Dazu kämen eine bessere Trennung von Anlieferung und Verkauf und ein neues Lager. Das Sortiment wird anders präsentiert werden können. Die Corona-Zeit hat gezeigt: Themen wie Selbstversorgung und eigene Ernte sind immer wichtiger geworden. Mittlerweile gelten Gartenbetriebe gesetzlich zum Handel des „täglichen Bedarfs“, müssen also auch bei Inzidenzen jenseits der 100er-Marke nicht zwangsläufig schließen.

Corona ist auch ein Grund, warum die Bades mit der Verkündung ihrer Pläne etwas gewartet haben – denn im Gespräch ist der Schritt schon seit einiger Zeit. „Es ging nicht schneller wegen der Pandemie“, so Wolfgang Bade, der betont: „Kisdorf hat uns sehr freundlich aufgenommen. Es war immer ein gutes Miteinander mit der Amtsverwaltung.“ Mittlerweile sei der Bauantrag bereits gestellt.

Kisdorfs Bürgermeister Wolfgang Stolze – die ersten Gespräche hatte noch sein Vorgänger Reimer Wisch geführt – spricht von einem „sehr guten Kontakt zur Familie Bade“, man werde „einen sehr zuverlässigen Betrieb ansiedeln“. Ein Gewerbe-Neubau in dieser Größenordnung ist für die Gemeinde durchaus ungewöhnlich. Zwar will Kisdorf mittelfristig in Nachbarschaft zum geplanten Feuerwehrhaus ein Mischgebiet im Bereich Winsener Straße/Stocksberg entwickeln, die Fläche dürfte aber eher für Kleingewerbe geeignet sein.

„Bis es in Kisdorf losgeht, bleiben wir hier an der Hamburger Straße“, sagt Wolfgang Bade. Bauliche Elemente des alten Standortes werde man nicht mitnehmen, dieser sei zum Teil 50, 60 Jahre alt und energetisch nicht mehr zeitgemäß. Und gerade, um moderne Gewächshäuser zu bauen, benötige es Spezialfirmen. „In Deutschland kommt nur eine Handvoll Unternehmen dafür in Frage.“

Im Frühjahr 2022 soll in Kisdorf Eröffnung gefeiert werden, „es wird ein fließender Übergang sein“. Der alte Gartenbetrieb wird dann abgerissen – und durch ein Wohnungsquartier ersetzt. „Es ist jetzt spruchreif“, so Wolfgang Bade, „und das eine bedingt das andere.“ Denn die Familie verkauft die Fläche an PSB Architekten aus Henstedt-Ulzburg, eine Gesellschaft für Grundstücksentwicklung. Architektin Beata Trczinski hat im Ort bereits rund ein Dutzend vergleichbarer Projekte realisiert, aktuell am Kirchweg und am Alten Burgwall.

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