Corona

Lokale im Kreis Segeberg dürfen wieder öffnen

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Christopher Herbst
Kostas Trakalianis, Inhaber des Restaurants Hellas im Lütjenmoor in Norderstedt, hat seinen Außenbereich vorbereitet.

Kostas Trakalianis, Inhaber des Restaurants Hellas im Lütjenmoor in Norderstedt, hat seinen Außenbereich vorbereitet.

Foto: Christopher Herbst

Land und Kreis erteilen Genehmigung für Außengastronomie, weil die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich unter 100 liegt.

Kreis Segeberg.  Vielleicht werden die ersten Tage angesichts der Vorhersagen eher etwas für wetterfeste Menschen. Doch fest steht: Im Kreis Segeberg öffnet ab Sonnabend wieder die Außengastronomie. Seit November hatten Restaurants und Cafés maximal Außer-Haus oder Lieferungen anbieten dürfen, viele verzichteten jedoch komplett. Doch weil sich die Pandemie-Situation in der Region merklich entspannt hat – die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz beträgt 66,4 –, müssen viele der Einschränkungen nicht mehr in ihrer bisherigen Form bestehen bleiben.

Bis zu fünf Personen dürfen zusammen essen gehen

„Die Vorbereitung ist nicht ohne. Aber wir wollen mitmachen. Und jeder Euro zählt“, sagt Kostas Trakalianis, Inhaber des Restaurants Hellas in Norderstedt. Auf einer Fläche vor dem Lokal, von der Straße Lütjenmoor mit einer Hecke getrennt, stehen bereits die Tische, ein Teil ist mit einem Zelt geschützt. Getränke und Lebensmittel wird er in einer größeren Menge als für den Außer-Haus-Verkauf („Das wurde zuletzt immer weniger“) bestellen. „Und ich bringe die Mannschaft wieder zusammen. Für einen Sonnabend brauche ich drei in der Küche, drei im Service.“

Vorgeschrieben ist, dass die Kontaktdaten aller Gäste erfasst werden. Trakalianis verwendet dafür die Luca-App, die QR-Codes wird er zusammen mit den Speisekarten verteilen. Wer mag, kann sich aber auch klassisch per Hand in eine Liste eintragen.

Maximal fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen zusammen zum Essen kommen, Masken – vorgeschrieben sind medizinische oder FFP2-Modelle – nur am Tisch abgenommen werden. Dass ein negativer Schnelltest oder gar ein Impfnachweis vorgelegt werden soll, davon ist bislang nicht die Rede.

Lutz Frank, Kreisvorsitzender des Interessenverbandes Dehoga, spricht von einem „Licht am Ende des Tunnels“, nachdem andere Regionen in Schleswig-Holstein – etwa der Nachbarkreis Pinneberg – die Außengastronomie bereits wieder ermöglicht hatten. „Es ist ein erster Schritt für das Gewerbe. Die Verwaltungen haben uns wieder auf dem Schirm. Aber jeder muss selbst entscheiden, ob er öffnet. Bei nur drei Tischen muss man überlegen, ob es sich lohnt.“

Wer hingegen mehr Fläche zur Verfügung hat, könnte profitieren. So auch Frank selbst, der in Bad Segeberg das Restaurant am Ihlsee betreibt, also mit guter Lage punktet. „Das Telefon klingelt bereits. Wir können 40 Plätze mit Abstandsregeln anbieten. Bei jedem werden erst einmal die Stammgäste kommen. Aber für viele meiner Kollegen ist es auch wichtig für die Psyche.“

Endlich wieder Gäste am Platz bedienen und nicht nur abgepackte Speisen mitgeben, das macht einen Unterschied. Frank: „Wer bereits das Außer-Haus-Geschäft gemacht hat, kann nun schneller wieder hochfahren.“

Kritischer sieht es Ralf Scheelke, Inhaber des gleichnamigen Hotel-Restaurants in Henstedt-Ulzburg. „Würden Sie bei den Temperatur draußen sitzen?“, fragt er. Er geht nicht davon aus, dass es sich schon jetzt lohnen würde, die Terrasse zu öffnen. „Nicht jeder Gastronom hat einen See vor Ort. Ich sehe für eine Öffnung momentan noch nicht die nötigen Witterungsverhältnisse.“

Anders wäre es aus seiner Sicht, wenn es einmal 14 Tage konstant warm und trocken sei. Vielleicht werde er – „wenn wirklich Sonne da ist“ – aber in den nächsten Tagen zunächst vier Tische für Stammgäste aufstellen. Was Scheelke jedoch vermisst, sind klare Informationen, ob Besucher vorher einen Schnelltest machen müssen oder nicht. Seinen Mitarbeitern mache er dieses Angebot, sagt der Gastronom. Frustriert reagiert er auf die Frage, wann er denn auch den Innenbereich wieder nutzen könnte. „Das weiß keiner“, sagt er.

Spürbare Skepsis bei vielen Gastronomen

Grundsätzlich zeigt sich die Branche noch skeptisch, einige hatten gar nicht mitbekommen, dass Außenbereiche ab dem Wochenende wieder bewirtet werden dürfen. Zudem überwiegt die Sorge, in wenigen Wochen, sollte sich die Inzidenz negativ entwickeln, wieder einen Schritt zurückgehen zu müssen. Ob und wann etwa die potenziell sicher hoch frequentierte Hopfenliebe am Norderstedter Rathausmarkt öffnet, stand am Donnerstag noch nicht fest.

Die Seeterrassen im Stadtpark, die zum Konzept Spotz der Betreiberin Anne Rumpel gehören, werden ihr „To-Go“-Angebot, also etwa mit Frühstück, Salat oder Flammkuchen, noch nicht starten. „Wenn wir ein bisschen Beständigkeit haben, fahren wir es hoch“, so Rumpel. Nur Pommes gebe es wie bisher sieben Tage die Woche.

Dazu wollen viele Betreiber die aktualisierte Allgemeinverfügung des Kreises vor sich haben. Diese wird aber nach Angaben der Verwaltung erst am heutigen Freitag veröffentlicht. Bislang gibt es lediglich eine Mitteilung der Landesregierung über die anstehenden Lockerungen – alle weiteren Informationen hat der Kreis Segeberg lediglich auf telefonische Nachfrage geliefert.

Einzelhandel im Kreis darf wieder öffnen

Der Einzelhandel hatte zuletzt erwartet, wieder auf „Click & Meet“, also das Einkaufen mit vorheriger Terminvereinbarung, umstellen zu können. Nun aber wird sogar noch mehr möglich sein. Grundlage ist das neue Bundesinfektionsschutzgesetz, wonach Geschäfte in Kreisen mit einer stabilen Inzidenz unter 100 wieder öffnen dürfen, Kunden lediglich Kontaktdaten angeben müssen. „Click & Meet“ ist also Geschichte.

Dazu gilt: Für die ersten 800 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es ein Limit von einem Kunden pro zehn Quadratmeter, ab 800 Quadratmeter hätte jede Person doppelt so viel Platz. Bei einem Geschäft mit 1600 Quadratmetern Fläche könnten sich daher zeitgleich 120 Kundinnen und Kunden aufhalten. Auch das soll laut Kreisverwaltung bereits ab Sonnabend gelten.

Ab Montag neue Regelungen für Schulen und Kitas

Für die Schulen gilt ab 26. April: Die Jahrgänge eins bis sechs finden im Wechselunterricht, ergänzt durch eine Notbetreuung, statt. Die Jahrgänge sieben bis 13 bleiben beim Distanzunterricht, ausgenommen sind die Abschlussklassen. Diese treffen sich in Präsenz, hierbei gelten die gängigen Hygienebestimmungen und zudem wie überall in Schleswig-Holstein eine Testpflicht für Kinder, Jugendliche und Beschäftigte. Diese müssen zweimal pro Woche vor Ort einen Schnelltest durchführen oder ein negatives Testergebnis vorlegen, das nicht älter als drei Tage sein darf.

Kindertagesstätten wechseln in den eingeschränkten Regelbetrieb. Das Betretungsverbot sowie die Einschränkung der Gruppengrößen werden ab 26. April aufgehoben, alle Kinder mit berufstätigen Müttern oder Vätern dürfen betreut werden, ebenso Kinder mit erhöhtem Förderbedarf.

35 Neuinfektionen im Kreis Segeberg

Eine Frau (81) ist der 153. Todesfall im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung im Kreis Segeberg. Bei ihr war die Mutation B.1.1.7. nachgewiesen worden. Sie steht in keinem Bezug zu einer Pflegeeinrichtung.

Ferner gibt es 35 weitere nachgewiesene Neuinfektionen, darunter sind 16 Kontaktpersonen. Aktuell sind 727 Segebergerinnen und Segeberger infiziert, 1669 befinden sich in häuslicher Quarantäne. In einem Krankenhaus werden 29 Erkrankte versorgt, elf davon auf einer Intensivstation.

Im Kreis Stormarn, zu dem auch Norderstedts Nachbargemeinde Tangstedt gehört, liegt die Inzidenz seit drei Tagen über dem Wert von 100. Für Freitag werden daher verschärfende Maßnahmen erwartet – vermutlich analog zu jenen, die zuletzt im Kreis Segeberg galten.

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