Schröters Wochenschau

Die „Ever Given“ steht quer in der Bramau

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Wolfgang Klietz

Was wäre wenn? Jan Schröter hat Albträume von einem Containerschiff im Zentrum Bad Bramstedts.

Bad Bramstedt.  Neulich, die „Ever Given“ steckte noch quer im Hals des Suez-Kanals, schickte mir ein computeraffiner und kreativer Freund ein Foto auf den Monitor: die Luftansicht meiner Wohngegend. Mein Haus und Grundstück klar erkennbar, davor die große Wiese, durch deren Mitte sich munter die Bramau schlängelt.

Das heißt, die Bramau war eigentlich kaum noch zu sehen. Denn auf ihr dümpelte dieses Container-Monsterschiff, gekonnt vom Computertüftler in die Szenerie geschnitten. Ein skurriler Anblick. Die Bramau hat derzeit einen Pegelstand von ca. 1,75 Meter. Kurzer Check im Schiffsregister: Die „Ever Given“ hat einen Maximaltiefgang von 15,70 Meter, ist knapp 400 Meter lang und 58,80 Meter breit. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Schiff vor meinem Grundstück ankert, ist demnach selbst mit einer volltrunkenen Besatzung gleich Null. Andererseits leistet der Motor satte 80.626 PS. So eine Kraftentwicklung kann ich mir nicht mal annähernd vorstellen, ich fahre Opel Astra. Wenn dieser Kahn auf der Elbe versehentlich mit Vollgas nach links in die Stör abbiegt, fräst er sich wahrscheinlich mühelos bis vor meine Haustür durch die norddeutsche Tiefebene. Wahrscheinlich merken die Leute auf der Brücke es nicht mal. Vermutlich ist sogar niemand auf der Brücke. Die „Ever Given“ fährt mit lediglich 25-köpfiger Besatzung. So viele Leute brauchte man früher schon für eine Acht-Meter-Galeere. Heutzutage steuert eine „Künstliche Intelligenz“ den Frachter, während die Besatzung TV-Serien streamt.

Falls ein Programmierer vergessen hat, im nautischen System Schleswig-Holstein als Festland zu markieren, bin ich fällig. Bad Bramstedt übrigens auch. Denn selbst wenn die „Ever Given“ endlich die Maschine stoppt, nachdem sie mein Haus weggebügelt hat, ist ihr Bremsweg so lang, dass sie erst anhält, wenn ihre Bugspitze die Rolandfigur auf dem Bleeck umschubst. Und dann? Wie erklären wir das der Versicherung? Der Frachter ist in Panama gemeldet. Keine Chance. Wer schon mal einen unverschuldeten Blechschaden in Südeuropa reguliert haben wollte, weiß, was ich meine. Lieber Freund, Deine lustige Fotomontage sollte ein Scherz sein. Aber jetzt hab ich Albträume.

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