Henstedt-Ulzburg

Abendblatt-Leser helfen Reitzentrum

| Lesedauer: 3 Minuten
Claudia Blume
Die Hofgemeinschaft hält zusammen: Corinna Wehrend (l.) mit Tinkerstute Tini, Anika Heinsohn mit Rüde Pietje, Angie Barenthin und Jule Kock mit Lusitanostute Habanera.

Die Hofgemeinschaft hält zusammen: Corinna Wehrend (l.) mit Tinkerstute Tini, Anika Heinsohn mit Rüde Pietje, Angie Barenthin und Jule Kock mit Lusitanostute Habanera.

Foto: Claudia Blume / blume

Kurz vor Weihnachten hatte Anika Heinsohn vom Überlebenskampf ihres „Anima Ausbildungszentrums“ berichtet. Resonanz war überwältigend.

Henstedt-Ulzburg.  Anika Heinsohn blickt über die Pferdekoppeln und ist überwältigt. Seit Monaten kämpft sie um das Überleben des „Anima Ausbildungszentrums“ auf dem „Kleinen Pferdehof“. Durch immer wieder verschärfte Corona-Auflagen hat die 39-Jährige so gut wie keine Einkünfte. Reitunterricht, Kurse – seit November bis auf Weiteres alles untersagt. Doch 17 Lehrponys und -pferde müssen weiterhin versorgt und die muss Boxenmiete gezahlt werden.

In einem Abendblatt-Artikel kurz vor Weihnachten schilderte Anika Heinsohn ihre Existenzängste und bat um Unterstützung. Doch mit der riesigen Resonanz hatte sie nicht gerechnet. Über die Internetplattform GoFundMe und weitere Spenden kamen gut 5000 Euro zusammen. Reitkinder brachten in Umschlägen selbst gemalte Bilder ihrer Lieblingsponys vorbei und legten fünf Euro aus dem Sparschwein bei. Die Familie einiger Reitschüler orderte bei einem Bauern eine Fuhre Heu- und Strohballen. Pferdefreunde kauften dringend benötigtes Spezialfutter für vierbeinige Patienten, und ein Lebensmittelhändler spendiert regelmäßig unverkäufliche Möhren und Äpfel. Mehr als 140 E-Mails erreichten die Reitlehrerin ein, die sie alle beantwortete.

„Der immense Zuspruch und die großartige Hilfe machen mich unendlich dankbar und berühren mich sehr“, sagt Anika Heinsohn sichtlich bewegt. Ihr ist wichtig, offen und transparent darzustellen, was mit dem gespendeten Geld geschieht. So wurden zu Jahresbeginn 4500 Euro für Haftpflichtversicherungen fällig, hinzu kam eine Tierarztrechnung über 500 Euro wegen einer Schlundverstopfung von Tinkerstute Tini. Und bei Hannoveranerwallach Rigo war eine wichtige Zahnbehandlung nötig. „Es ist immer noch eine knappe Kiste und die schlaflosen Nächte werden angesichts der großen Herausforderung nicht weniger“, resümiert Heinsohn, dann kommen ihr die Tränen. „Die Hilfe tut gut, doch es reicht nur für kurze Zeit, wenn der Betrieb nicht laufen darf. Ich muss ihn verkleinern. Zwei meiner Herzenspferde sind so gut wie verkauft.“

„In Schleswig-Holstein gibt es weit über 1000 Pferdebetriebe und Reitvereine, die bei jeder Verlängerung des Lockdowns immer mehr an ihre Grenzen kommen und um ihre Existenz bangen. Die Lage ist besorgniserregend, weil die Versorgung der Pferde im Winter aufwändiger und teurer ist als im Sommer auf den Weiden“, sagt Matthias Karstensen vom Pferdesportverband Schleswig-Holstein. „Wir erhalten täglich Anrufe von Vereinen, Selbstständigen und Trainern, denen wir raten, Anspruch auf finanzielle Unterstützung durch Land und Bund zu prüfen.“

Für die Henstedt-Ulzburgerin gab es lediglich im Sommer einmalig 9000 Euro Soforthilfe. Die waren angesichts von 4000 Euro monatlicher Fixkosten schnell weg. Dennoch bleibt sie optimistisch. Sollte es das „Anima Ausbildungszentrum“ schaffen, möchte die engagierte Frau künftig jeden Herbst eine Spendenaktion für in Not geratene Menschen oder Betriebe aller Art organisieren.

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