Norderstedt

Mega-Fusion der Volksbanken in der Region

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Burkhard Fuchs
Sie stellten am Freitag auf der Dachterrasse der neuen Hauptfiliale in Norderstedt Einzelheiten der Bankenfusion vor: die VReG-Vorstandsmitglieder Reiner Schomacker (von links), Stephan Schack und Martin Weber.

Sie stellten am Freitag auf der Dachterrasse der neuen Hauptfiliale in Norderstedt Einzelheiten der Bankenfusion vor: die VReG-Vorstandsmitglieder Reiner Schomacker (von links), Stephan Schack und Martin Weber.

Foto: Burkhard Fuchs

Ehemalige Norderstedter Bank will sich mit den Genossenschaftsbanken Stormarn und Ratzeburg zusammenschließen.

Norderstedt.  Das Fusionskarussell bei den Genossenschaftsbanken im Land dreht sich immer schneller. Von Norderstedt aus wird seit September an der flächenmäßig wohl größten Volks- und Raiffeisenbank in Schleswig-Holstein gebastelt. Am Freitag kündigte der Vorstand der Volksbank Raiffeisenbank eG (VReG) in Norderstedt an, dass man sich einig sei, sich mit der Volksbank Raiffeisenbank Stormarn und mit der Raiffeisenbank Ratzeburg zusammenzuschließen. Das neue Gebilde mit einem Bilanzvolumen von zusammen 2,8 Milliarden Euro wäre dann eine der größten der dann noch 24 Genossenschaftsbanken im Land. Ihr Filialnetz erstreckt sich über die vier Kreise Steinburg, Segeberg, Stormarn und Lauenburg und reicht von Wilster bis Lübeck und von Norderstedt bis Bergedorf. Die Super-Bank umfasst 29 Geschäftsstellen.

Um sich den Herausforderungen des Bankenmarktes zukunftsträchtig zu stellen, bedürfe es einer gewissen Größe, die bei drei bis vier Milliarden Euro liege, sagte Vorstand Reiner Schomacker. Nur so könnten bei anhaltend niedrigen Zinsmargen neue Geschäftsfelder erschlossen werden, begründete Vorstandskollege Martin Weber dieses neuerliche Wachstum. „Wir brauchen Schwungmasse für neue Entwicklungen und Investitionen“, sagt er.

Juristische Zentrale der Bank soll in Itzehoe liegen

Erst vor zwei Jahren war die VR eG aus der Fusion der Norderstedter Bank mit der Raiffeisenbank Itzehoe hervorgegangen ist. Seitdem sei die gemeinsame Genossenschaftsbank mit Sitz in Norderstedt und Itzehoe kräftig weitergewachsen und habe die Bilanzsumme von 1,2 auf 1,4 Milliarden Euro erhöhen können. „Dieser Rückenwind für unsere geschäftliche Weiterentwicklung soll uns jetzt auch beim nächsten Schritt helfen“, sagt Vorstand Schomacker.

Die juristische Zentrale der neuen Genossenschaftsbank, die weiterhin Volksbank Raiffeisenbank eG heißen soll, werde in Itzehoe sein, wo sich mit 152 Jahren die älteste der ehemals sieben selbstständigen Genossenschaftsbanken befindet. Ausgearbeitet und abgesprochen hätten die zehn beteiligten Vorstandsmitglieder der jetzt drei zu fusionierenden Banken den Fusionsplan in den neuen, großen Räumlichkeiten der Hauptfiliale an der Berliner Allee. Diese ist erst im Februar dieses Jahres für 15 Millionen Euro fertiggestellt worden. Für den bisherigen etwa 2000 Quadratmeter großen Standort an der Ochsenzoller Straße werde zurzeit eine Nachnutzung gesucht. Wohnbebauung sei dort eine Option, sagte Schomacker. „Wir sind da mit der Stadt Norderstedt in Gesprächen.“

Neue Genossenschaftsbank wird 111.303 Kunden haben

Die Vertreterversammlungen der drei Genossenschaftsbanken, die künftig 36.627 Mitglieder hat und Kredite und Einlagen in Höhe von sechs Milliarden Euro von zusammen 111.303 Kunden verwaltet, sollen an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Mai den Zusammenschluss perfekt machen. Dieser würde dann rückwirkend zum 1. Januar 2021 vollzogen.

Für die Kunden ändere sich durch den Zusammenschluss im Prinzip nichts, betonte Schomacker. Unter der neuen Dachmarke würden alle ehemals selbstständigen Genossenschaftsbanken ihre „regionale Identität“ behalten. So solle die Nähe zum Kunden gewahrt bleiben. Was sich an den jeweiligen Standorten von Itzehoe über Norderstedt bis Bargteheide, Bergedorf, Bad Oldesloe, Vierlande und Ratzeburg zeigen werde. „Unsere Mitglieder und Kunden werden ihre Bank vor Ort weiterhin so erleben, wie sie es gewohnt sind.“

Geschäftsstellen sollen nach Fusion erhalten bleiben

Auch für die künftig 554 Mitarbeiter der neu fusionierten VReG würde sich kaum etwas ändern, sagte Vorstand Stephan Schack. „Es wird keine fusionsbedingten Kündigungen geben“, verspricht er. „Wir wollen weiter wachsen. Jeder Mitarbeiter wird gebraucht.“ Es würden aber in den einzelnen Regionen Arbeitsschwerpunkte gebildet, und auch das Arbeiten von zu Hause aus, das jetzt in der Corona-Krise jeder zweite Mitarbeiter nutze, würde weiter ausgebaut. Lediglich „teure Doppelstrukturen“ sollen abgebaut werden, sagte Vorstand Weber.

Eine Reduzierung der 29 Geschäftsstellen sei nicht geplant. Es gebe auch keine regionalen Überschneidungen. Allerdings hatte sich mit dem Zusammenschluss der Norderstedter Bank mit der Raiffeisenbank Itzehoe vor zwei Jahren deren Zahl von 23 auf zurzeit 13 Geschäftsstellen verringert.

Weitere strategische Zusammenschlüsse denkbar

Unklar sei noch, wie viele Häuptlinge die neue Genossenschaftsbank haben werde. Ob, wie viele und welche der zurzeit zehn Vorstandsmitglieder der drei zu fusionierenden Banken nach dem Zusammenschluss im Amt blieben, werde noch diskutiert und entschieden, sagte Schomackler. „Der Blick auf die Schulterklappen, ob ich Vorstand bin oder nicht, spielt für uns keine Rolle.“ Vielmehr solle die neue Führungsstruktur möglichst breit aufgestellt und so wenig hierarchisch wie möglich strukturiert sein. Und für die Zukunft kündigte Schomacker weitere strategische Zusammenschlüsse an. „Ich bin mir sicher, dass wir weitere Schritte gehen werden.“

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