Norderstedt

Streetworker für die Norderstedter Jugendszene

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Burkhard Fuchs
Sebastian Beck, Geschäftsführer B+S Soziale Dienste: „Wir sehen uns als Gast der Jugendlichen und nicht als Oberlehrer oder gar Boten der Polizei.“

Sebastian Beck, Geschäftsführer B+S Soziale Dienste: „Wir sehen uns als Gast der Jugendlichen und nicht als Oberlehrer oder gar Boten der Polizei.“

Foto: Joseph Heicks / Burkhard Fuchs

Die Stadt führt die Straßensozialarbeit wieder ein, um auffällige Jugendliche besser zu erreichen. Start nach den Sommerferien.

Norderstedt.  Die Stadt Norderstedt wird nach den Sommerferien wieder die Straßensozialarbeit einführen. Erfahrene Sozialpädagogen sollen mit den Kindern und Jugendlichen an deren Treffpunkten ins Gespräch kommen. Der Jugendhilfeausschuss hat auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause den Träger B+S Soziale Dienste mit Sitz in Stade mit dieser Aufgabe betraut. Etwa 270.000 Euro wurden für die Jugendarbeit bewilligt, deren Erfolg ständig überprüft werden soll.

Neben der ambulanten Jugendarbeit soll bald auch eine zentral gelegene feste Anlaufstelle für die Kinder und Jugendlichen geschaffen werden, kündigt B+S-Geschäftsführer Sebastian Beck auf Abendblatt-Nachfrage an. Auch eine Übernachtungsstätte für Kinder und Jugendliche, die zu Hause Probleme haben und die bis vor weniger Jahren der Lichtblick in der Vicelin-Kirchengemeinde angeboten hatte, sei in weiterer Zukunft denkbar. „Zunächst aber wollen wir herausfinden, was sind die Bedarfe und Wünsche der Kinder und Jugendlichen in Norderstedt“, kündigt Beck an. „Wir starten damit nach den Sommerferien in der zweiten Augustwoche.“

„Es wird jetzt endlich eine Lücke in der Norderstedter Jugendarbeit geschlossen“, sagt Vizefraktionschefin Sybille Hahn (SPD), unter deren Vorsitz der Jugendhilfeausschuss mit großer Mehrheit nach fast dreieinhalbstündiger Beratung B+S mit der Straßensozialarbeit betraute, als einem von fünf Bewerbern. Hahn: „Uns war wichtig, dass dieser Träger schon Erfahrung dafür mitbringt.“ Es habe sich gezeigt, dass die bisher von der Stadt angebotene Schulsozialarbeit nicht ausreicht, um alle auffälligen Kinder und Jugendlichen in Norderstedt zu erreichen. Laut SPD hatte ein Gutachten zur Sozialraumforschung in Norderstedt ergeben, dass das Angebot in den städtischen Jugendzentren und die Betreuung der Spielplätze recht gut funktioniere. Wohingegen es bei der Ansprache und Interaktion mit Jugendlichen im öffentlichen Raum durchaus Nachholbedarf gebe. Insbesondere nachdem die Straßensozialarbeit mit Fokussierung auf den Stadtteil Garstedt und dem Herold-Center vor einigen Jahren ausgelaufen war, sei „eine Lücke im Feld der Straßensozialarbeit in Norderstedt entstanden“, erkannte das Jugendamt. „Wir haben jetzt jemanden hier, der die aufsuchende Kinder- und Jugendarbeit von Grund auf kann“, sagt SPD-Vertreter Tobias Schloo. „Zudem konnte er sofort starten.“ In Hamburg, Harburg und Stade betreuen 100 B+S-Mitarbeiter etwa 350 Kinder und Jugendliche mit Problemen in ambulanten und teilstationären Jugendhilfeeinrichtungen. B+S schickt erfahrene Sozialpädagogen nach Norderstedt: Joachim Blutbacher, der zusammen mit Thomas Andresen in Norderstedt arbeiten wird, hat bereits zwölf Jahre Erfahrung als Streetworker in Stuttgart gesammelt.

B+S habe mit den Vorbereitungsarbeiten im Juli begonnen, sagt Geschäftsführer Beck. Dabei habe seine Organisation bereits Kontakte geknüpft zum Kinder- und Jugendbeirat, den Jugendzentren, dem Kriminalpräventiven Rat und dem Jugendamt, um so ein Netzwerk aufzubauen. Vor allem mit dem Jugendamt klappt die Zusammenarbeit „hervorragend“, sagt Beck.

Auch erste Räume für eine feste Anlaufstelle seien besichtigt, aber noch nicht angemietet worden. Hier sollen künftig vertiefende Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen geführt werden, aber auch gemeinsam gekocht und so Vertrauen und Beziehungen zu ihnen aufgebaut werden.

Die Problemlagen dürften in Norderstedt nicht viel anders als in Hamburg und Niedersachsen sein, ist Beck überzeugt. Auch hier werde es um Probleme zu Hause, mit den Eltern und in der Schule, um Gewalterfahrung, Drogenmissbrauch, Perspektivlosigkeit und Zukunftsangst gehen, glaubt der Experte.

„Die Infrastruktur und die Ausstattung der Jugendzentren in Norderstedt ist gut.“ Jetzt käme es vor allem darauf an, auf die Wünsche der Jugendlichen einzugehen und für ein gutes Miteinander der Generationen in der Stadt zu sorgen. „Wir haben richtig Bock darauf, gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen da etwas zu entwickeln.“

Um sich bekannt zu machen, würden die beiden Sozialpädagogen nach den Ferien auch die Schulen, Sportvereine und Kirchengemeinden aufsuchen, kündigt der B+S-Chef an. „Dann werden wir uns natürlich auch mit Vorsicht bei den Hot-Spots in Norderstedt blicken lassen.“ Jugendliche würden sich bevorzugt am ZOB, Herold-Center, am Harksheider Markt oder im Stadtpark treffen. Dies werde auch in den Abendstunden geschehen. „Wir werden dort aber nicht für Ruhe und Ordnung sorgen“, betont Beck. „Wir sehen uns als Gast der Jugendlichen und nicht als Oberlehrer oder gar Boten der Polizei.“

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