Kreis Segeberg

Halb so viele Unfälle und kaum noch Einbrüche

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Wolfgang Klietz
Max Zastrow und Marleen Wieben von der Norderstedter Polizei fahren gemeinsam Streife. Distanz zu halten, ist im Auto nicht möglich.

Max Zastrow und Marleen Wieben von der Norderstedter Polizei fahren gemeinsam Streife. Distanz zu halten, ist im Auto nicht möglich.

Foto: Wolfgang Klietz

Oberkommissar Steffen Büntjen spricht im Interview mit dem Abendblatt über die Arbeit der Polizeibeamten in Zeiten der Coronapandemie.

Kreis Segeberg.  Die Coronapandemie stellt die Polizei vor neue Herausforderungen. Die Beamten müssen prüfen, ob sich Bürger an die Kontaktverbote und andere Vorschriften halten. Gleichzeitig gehen die klassischen Einsätze wie Einbrüche und Verkehrsunfälle deutlich zurück. Das Hamburger Abendblatt hat darüber mit Oberkommissar Steffen Büntjen von der Pressestelle der Polizeidirektion gesprochen.

Abendblatt: Viele Menschen sind wegen der Coronakrise zu Hause. Welche Folgen hat das für die Einbruchskriminalität?

Steffen Büntjen: Wohnungseinbrüche sind seit Jahren ein großes Thema, gerade bei uns im Hamburger Randgebiet. Wir haben mit der ehemaligen Soko „Wohnung“, jetzt „Sachgebiet 4“ bei der Kriminalinspektion Pinneberg, einige Taten aufklären können. Insgesamt ist die Zahl der Wohnungseinbrüche Jahr für Jahr niedriger geworden. Seitdem sich in der aktuellen Situation viele Menschen im Homeoffice befinden, stellen wir einen weiteren, deutlichen Rückgang der Einbruchstaten fest. Wir hatten jetzt auch einzelne Tage, an denen es gar keine Wohnungseinbrüche gab. Wie sich das allerdings auf die polizeiliche Kriminalstatistik auswirkt, können wir erst Anfang 2021 sagen. Momentan liegen uns keine statistisch verwertbaren Zahlen vor, sondern lediglich Tendenzen anhand der aufgenommenen Taten. Dass sich hier momentan ein spürbarer Rückgang abzeichnet, ist natürlich erfreulich. Aber wir müssen beachten, dass es den Tätern momentan schlichtweg an Tatgelegenheiten fehlt. Es ist davon auszugehen, dass es nach dem Ende der Coronalage auch wieder zu Wohnungseinbrüchen kommen wird. Das Thema ist damit nicht vom Tisch, und wir werden weiter mit der gewohnten Energie gegen dieses Deliktsfeld vorgehen.

Auch der Straßenverkehr hat deutlich abgenommen. Auch die Zahl der Unfälle und Verkehrsdelikte?

Auch im Verkehrssektor müssen wir die kommende Jahresstatistik abwarten, um verlässliche Bewertungen vorzunehmen. Aktuell lässt sich aber der Trend ableiten, dass sich die Verkehrsdelikte in den vergangenen beiden Wochen etwa halbiert haben. Es sind, insbesondere zu den üblichen Stoßzeiten, merklich weniger Fahrzeuge auf der Straße.

Wie reagiert die Polizei auf den Rückgang der Einsätze? Wo werden jetzt die Schwerpunkte gesetzt?

Es stehen die gleichen Zahlen an Streifenwagenbesatzungen zur Verfügung wie vorher auch. Das polizeiliche Einsatzgeschehen lässt sich nie in Gänze vorhersehen. Insofern sind wir nach wie vor auf unterschiedlichste Einsatzlagen vorbereitet. Außerdem bringt die neue Situation auch neue Themenfelder mit sich. So haben wir am vergangenen Wochenende im Bereich Wedel die Präsenz erhöht und das Ordnungsamt bei der Kontrolle des Tagestourismus unterstützt.

Reagieren die Bürger einsichtig, wenn die Polizei sie auf Verstöße gegen die Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus hinweist?

Wir sind eine Bürgerpolizei, und das bleiben wir auch in dieser Zeit. In erster Linie setzen wir daher auf das Gespräch und weisen auf die Gefahren bei Verstößen gegen die Verhaltensregeln hin. Die Bürgerinnen und Bürger verhalten sich in diesem Zusammenhang dankenswerter Weise in aller Regel kooperativ und einsichtig. Für strafbare Handlungen sieht unter anderem das Infektionsschutzgesetz aber auch entsprechende Ahndungsmöglichkeiten vor.

Wie viele Verstöße hat die Polizei im Kreis Segeberg bislang festgestellt?

Der Polizei im Kreis Segeberg werden vereinzelt Hinweise auf Verstöße gegen die Verhaltensregeln gemeldet. Dies können beispielsweise Personengruppen von mehr als zwei Menschen sein oder die Nutzung von Spielplätzen. Wir überprüfen derartige Hinweise und schauen natürlich auch im Rahmen der Streifenfahrten, lageangepasst oder im Einzelfall, ob die Vorgaben eingehalten werden. Aktuell stellen wir aber fest, dass es nur vereinzelt zu Verstößen kommt. In ganz überwiegendem Maße werden die Regeln eingehalten.

Gab es besonders krasse Fälle?

Nein.

Bietet sich jetzt die Gelegenheit, Überstunden abzubauen?

Dies lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von verschiedenen Faktoren und individuellen Besonderheiten ab.

Wie verhindert die Polizei, dass sich das Virus innerhalb der Dienststellen ausbreitet?

Wir haben eine Reihe interner Maßnahmen ergriffen, um unnötige Infektionsrisiken auszuschließen oder zu reduzieren. So haben wir zum Beispiel die laufenden Schülerpraktika beendet und bieten zunächst auch keine neuen an. Bis zu den Osterferien finden keine schulischen oder anderweitigen Präventionsveranstaltungen statt. Auch unseren Aus- und Fortbildungsbetrieb haben wir beendet, um mögliche innerdienstliche Infektionswege zu reduzieren. Auf den Dienststellen im Kreis Segeberg haben wir unsere Dienstpläne entsprechend angepasst, damit möglichst feste Teams zusammenarbeiten und die Zahl innerdienstlicher Kontaktpersonen damit so weit wie möglich reduziert wird.

Streifenwagen sind in der Regel mit mindestens zwei Polizisten besetzt, die somit den Abstand von 1,50 Meter nicht einhalten können. Wie gehen die Beamten miteinander um?

Im Streifenwagen sitzen wir grundsätzlich zu zweit. Das ist für die erfolgreiche Bewältigung unterschiedlichster Einsatzlagen auch erforderlich. Dabei haben wir natürlich ein erhöhtes Augenmerk auf mögliche Infektionswege.

Wie ist die Regelung für andere Autofahrer wie Handwerker, Taxi-Fahrer oder auch Familienmitglieder, die nicht in einem Haushalt wohnen?

Hierzu verweisen wir auf die Bürgerinformationen und FAQs der Landesregierung. (Dort steht: Wer sich mit dem Auto in den öffentlichen Straßenverkehr begibt, unterliegt dort den Regelungen zur Kontaktbeschränkung. Folglich sind Autofahrten mit mehr als zwei Passagieren untersagt. Vom Verbot ausgenommen sind nur Verwandte in gerader Linie, Ehegatten, Lebenspartner, alle in häuslicher Gemeinschaft lebende Personen; die Red.).

Verfügen die Polizeibeamten im Kreis Segeberg über genügend Ausrüstung, um sich bei Einsätzen vor Infektionen schützen zu können?

Wir haben auf jedem Streifenwagen sogenannte Infektsets. Darin befinden sich Einweghandschuhe, FFP3-Masken und Desinfektionsmittel. Der Nachschub ist zum jetzigen Zeitpunkt gewährleistet.

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