Rätsel-Kolumne

Gesucht: eine europäische Wissenschaftlerin

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Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Wolkenformation in Form eines Fragezeichens.

Foto: Artur Cupak / picture alliance / imageBROKER

Jeden Tag stellen wir Ihnen eine Aufgabe. Im Rätsel geht es heute um eine Frau, die eine internationale pädagogische Bewegung begründete.

Kreis Segeberg.  Das Konzert ist abgesagt, die wöchentliche Gymnastikstunde im Sportverein ebenfalls, die Museen sind dicht, und mit den Kumpels vom Stammtisch können Sie sich vorerst auch nicht mehr treffen. Was tun mit der ganzen freien Zeit? Nun, versuchen Sie doch einmal, das folgende Denksport-Rätsel zu lösen. Wir suchen jeden Tag den Namen einer bekannten Persönlichkeit. Los geht’s – und viel Spaß beim Rätseln!


Die Vierzehnjährige beschloss, Ingenieurin zu werden. Die „Bildungseinrichtungen für höhere Töchter“ konnten diesem ausgefallenen Anspruch nicht gerecht werden. Also besuchte sie, gegen den Willen ihres grollenden Vaters, den Unterricht einer technischen Schule für Jungen. Nach erfolgreichem Abschluss strebte sie ein Medizinstudium an – für ihre Zeitgenossen eine Ungeheuerlichkeit, selbst in der Stadt, die als eine Wiege europäischer Zivilisation gilt. Sie antichambrierte beim Erziehungsminister, der den Plan glatt ablehnte. Dennoch schaffte sie als erste Frau ihres Landes die Zulassung zum Medizinstudium, und sie überwand auch souverän die Schikanen männlicher Kommilitonen. Einer Studentengruppe, die ihr Erscheinen kollektiv mit einem verächtlichen „Puh!“ kommentierte, antwortete sie gelassen: „Blasen Sie, liebe Freunde -- je kräftiger Sie blasen, desto höher kann ich steigen.“

Im Zusammenhang mit der Betreuung von Kindern in Irrenhäusern gelangte sie zur Erkenntnis, dass geistige Unterentwicklung nicht zwangsläufig nur ein medizinisches, sondern auch ein pädagogisches Problem ist. Dem Umgang mit schwachsinnigen oder als verhaltensauffällig geltenden Kindern widmete sie von nun an besonderes Interesse. Dabei entstand ein Projekt, welches ihren Ruf international verbreitete. Sogar die ehrwürdige „Times“ verlieh der Forscherin das Prädikat: „The most interesting woman in Europe.“

Das aufsehenerregende Projekt vollzog sich nicht etwa in einem Glanzviertel der an Sehenswürdigkeiten reichen Drei-Millionen-Stadt, deren Kern innerhalb der noch erhaltenen, etwa 19 Kilometer langen Stadtmauer als das größte historische Zentrum der Welt gilt. San Lorenzo ist ein traditioneller Arbeiterstadtteil, trotz der prächtigen, hier gelegenen Kirche. „San Lorenzo fuori le Mura“ gehört zu den heiligen Stätten der Christenheit und ist eine der sieben Pilgerkirchen der Stadt. Kurz nach der letzten Jahrhundertwende galt San Lorenzo als Elendsquartier. Um die hier herrschenden Wohnverhältnisse einigermaßen zu entschärfen, baute man zwei große Wohnblocks für etwa 1000 Einwohner.

Da die meisten Eltern arbeiten mussten, blieben die nicht schulpflichtigen Kleinkinder unbeaufsichtigt. Ihre Verwahrlosung nahm zu, bis man auf die Idee kam, einen Kindergarten zu gründen.

Als Leiterin verpflichtete man die bereits durch die lokale Presse bekannte junge Wissenschaftlerin. Einmal mehr bewies sie ihr Genie durch die Entwicklung einer eigenen Strategie: Eigens erdachtes Spielzeug, besondere Übungen und Spiele erweckten in den bis dahin vernachlässigten und unterentwickelten Kindern erhebliche Fähigkeiten zur Konzentration und Selbstständigkeit. In der Folgezeit kamen wissenschaftliche Kapazitäten und gekrönte Häupter aus aller Welt nach San Lorenzo, um die neuen Methoden in der „Casa dei bambini“ zu bestaunen. Aus der „Casa“ entstand eine internationale pädagogische Bewegung, deren Schulen den Namen der Gründerin tragen.


Wie heißt die 1952 verstorbene „Dottoressa“, und wie heißt die Hauptstadt eines einstigen Weltreichs, deren Stadtteil San Lorenzo ist? Die Antwort steht morgen im Abendblatt. In der Montagausgabe suchten wir nach einer von Casanova bewunderten Kaiserin – es ist Katharina II. („die Große“). Zarskoje Selo (auch Puschkin genannt), ist der Name der Ortschaft in der Nähe ihres Schlosses.

( jasch )

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