Kreis Segeberg

So wenig Straftaten wie seit zehn Jahren nicht mehr

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Burkhard Fuchs
Die Zahl der Straftaten im Kreis Segeberg ist zurückgegangen, bei Taschendiebstählen gab es allerdings einen Anstieg (Symbolbild).

Die Zahl der Straftaten im Kreis Segeberg ist zurückgegangen, bei Taschendiebstählen gab es allerdings einen Anstieg (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Kriminalstatistik 2019 für den Kreis Segeberg vorgestellt: Polizei verzeichnet Rückgang bei fast allen Delikten – außer bei den Mordversuchen.

Norderstedt/Kreis Segeberg.  Das Leben im Kreis Segeberg ist sicher. Das ist im Wesentlichen das Ergebnis der aktuellen Kriminalstatistik, die die Polizeidirektion am Freitag für den Kreis Segeberg vorgestellt hat.

Demnach ist die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr um 1007 Fälle (5,3 Prozent) auf 14.538 Delikte zurückgegangen. Dies ist der beste Wert der vergangenen zehn Jahre. Im Jahr 2009 wurden noch mehr als 20.000 Straftaten im Kreis Segeberg angezeigt.

Berücksichtigt man dabei die ausländerrechtlichen Delikte (illegale Einreise, Aufenthalt oder Passvergehen,), die allein um 810 Fälle rückläufig waren, ist die Zahl der Straftaten sogar um 10,6 Prozent zurückgegangen. Etwas mehr als jede zweite Straftat (53,8 Prozent) konnte aufgeklärt werden. 2018 lag dieser Wert noch bei 57,1 Prozent.

Für die 8233 aufgeklärten Fälle konnten die rund 900 Polizeibeamten der Polizeidirektion Bad Segeberg, zu der die Kreise Segeberg und Pinneberg gehören, 6714 Tatverdächtige ermitteln. Das waren 1241 weniger Täter als im Jahr davor. Zieht man auch hierbei die ausländerrechtlichen Verstöße ab, verbleiben 6018 Tatverdächtige.

Etwa ein Viertel von ihnen hatte nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Jeder zweite Täter (56,1 Prozent) lebt in dem Ort, wo die Tat begangen wurde, und drei von vier Straftätern (72 Prozent) wohnten auch im Kreis Segeberg.

Rückläufig sind auch die Zahl der Brandstiftungen (minus 36 Prozent, 65 Fälle), Rohheitsdelikte (6,5 Prozent auf 2063), Körperverletzungen (4 Prozent, 1630 Fälle), Raubstraftaten (29 Prozent, 61 Fälle). Hier liegt die Aufklärungsquote durchschnittlich wie im Vorjahr bei 88,6 Prozent.

Auch bei den Rauschgiftdelikten verzeichnet die Polizei einen Rückgang von 28,8 Prozent auf 777 Taten. 5788 Diebstähle sind aktenkundig, 4,2 Prozent weniger Fälle als 2018. 2547 Betruge und Fälschungsdelikten gab es 2020, ein Rückgang um 7,7 Prozent.

Mit die beste Entwicklung hat die Wohnungseinbruchs-Kriminalität genommen. Mit nur noch 430 Fällen im vergangenen Jahr ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren erreicht worden. In den Jahren 2012 und 2015 zählte die Polizei noch etwa doppelt so viele Einbruchsdiebstähle im Kreis Segeberg.

Parallel dazu ist auch mit 219 Taten der niedrigste Stand bei den Einbrüchen in Ladengeschäfte und Gewerbebetriebe in diesem Jahrzehnt erreicht worden. Im Jahr 2011 gab es hier noch 500 Einbrüche in Gewerbebetriebe im Kreis Segeberg.

„Das Gesamtkonzept greift“, freut sich Jochen Drews, Leiter der Kriminalinspektion Segeberg, zu der 150 Kripobeamte in Norderstedt, Bad Segeberg, Pinneberg und Elmshorn gehören. So habe die Polizei in der dunklen Jahreszeit verstärkt Verkehrskontrollen gemacht und die Bürger aufgeklärt, wie sie sich am besten vor Einbrechern schützen könnten.

Zudem zahle sich jetzt aus, dass die Direktion die 2017 eingeführte Sonderkommission Wohnung zu einem festen Sachgebiet und damit einer dauerhaften Einrichtung erklärt hat, erläutert der Kripochef. Vorher ermittelten die Kollegen in den vier genannten Kripostationen jeweils die Taten in ihrem Umkreis, also die Norderstedter in Kaltenkirchen oder die Pinneberger in Quickborn, auch wenn es sich um dieselben Einbrecherbanden handelte, wie sich später herausstellte. Nun ermitteln die auf 16 Beamte aufgestockte Einbruchs-Abteilung gemeinsam alle Wohnungseinbrüche von Bad Segeberg bis Elmshorn. Das verbessere die Polizeiarbeit erheblich und steigere auch die Aufklärungsquote, auch wenn diese mit 18,1 Prozent weiterhin ziemlich niedrig liegt. Bei den Einbrüchen in Läden und Betriebe liegt die Quote sogar nur bei zehn Prozent.

Auf den Erfolgen bei der Entwicklung der Fallzahlen könne sich die Polizei aber nicht ausruhen, weil man im Hamburger Umland nach wie vor die meisten Wohnungseinbrüche zähle. „Da, wo die meisten Menschen leben, wird auch am häufigsten eingebrochen“, sagt Polizeioberrat Drews.

Deutliche Anstiege bei den Fallzahlen gibt es bei den Autodieben und Autoaufbrüchen. 86 Fahrzeuge wurden 2020 im Kreis Segeberg gestohlen (plus 6 Prozent). 976 Autos wurden aufgebrochen, zehn Prozent mehr als 2018. Mit 850 Fahrrädern wurden 2019 sogar 15 Prozent weniger Zweiräder gestohlen als 2018.

Zuwächse verzeichnet die Kriminalpolizei bei den Ladendiebstählen: 1073 Fälle, ein Anstieg um 3,3 Prozent. Dazu kommen 196 angezeigte Taschendiebstähle (plus 13,2 Prozent).

Bei den Kapitaldelikten ist die Zahl der Mordversuche besorgniserregend. Mit 17 Fällen wurde ein neuer Höchstwert für den Kreis Segeberg erreicht. 2020 gab es nur zwei Fälle. Der Grund: mehr als ein Dutzend Steinwürfe von Autobahnen (A 21 und A 205) im Raum Segeberg, die allesamt als Mordversuche eingestuft worden sind, zum Glück aber alle glimpflich ausgegangen seien, erklärt Kripochef Drews.

2020 gab es nur einen Mord und fünf Totschlagsdelikte aufzuklären, was in 80 Prozent der Fälle auch gelang.

Insgesamt betrafen die Straftaten 2820 Opfer (Vorjahr: 2859) und der ermittelte Gesamtschaden betrug 26,2 Millionen Euro (Vorjahr: 17,7 Millionen). 8,5 Millionen Euro davon machte Wirtschaftskriminalität und 7,7 Millionen Euro Diebstähle aus.

Eine weiterhin verbesserte Sicherheitslage verspricht sich die Polizei vom Einsatz des Kriminaldauerdienst ab 1. April. 36 Kripobeamte der Polizeidirektion Bad Segeberg arbeiten dann in vier Schichten rund um die Uhr und auch am Wochenende in den Kreisen Segeberg, Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen.

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