Norderstedt
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10 Monate Bewährungsstrafe für jungen Angeklagten

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia (Symbolbild).

Foto: Michael Rauhe

Der 20-Jährige hatte eine ganze Reihe von Straftaten vorzuweisen. Jugendgerichtshilfe attestiert dem Angeklagten eine positive Sozialtendenz.

Norderstedt.  In einem Jahr beging er ein Dutzend Straftaten, darunter Ladendiebstähle in Serie, Schwarzfahren, und auch eine Randale in der Jugendarrestanstalt war dabei. Diese Strafvorwürfe gab der 20 Jahre alte Angeklagte auch anstandslos zu. Was den Prozess vor dem Jugendschöffengericht in Norderstedt allerdings fast acht Stunden dauern ließ, war der weitere Vorwurf des schweren räuberischen Diebstahls.

Laut Staatsanwaltschaft hat der gebürtige Syrer im Dezember 2018 zusammen mit einem Kumpel vor dem U-Bahnhof Norderstedt-Mitte einen 14 Jahre alten Schüler massiv mit Fäusten und Tritten attackiert. Dabei sollen beide ihrem Opfer eine massive Silberkette entrissen haben.

Bei Schlägereien unter Jugendlichen ist die prozessuale Beweisaufnahme oft Schwerstarbeit. Aussagen stehen gegen Aussagen, und bei den Beteiligten gibt es fast immer erhebliche Erinnerungslücken. Auch der massive Alkoholkonsum der Streithähne erschwert in vielen Fällen die Wahrheitssuche.

„Ich war schwer besoffen, deshalb weiß ich von allem nichts mehr“ gab der schmächtige 20-Jährige mit den pechschwarzen Haaren an. Auch sein mitangeklagter Kumpel trug wenig zur Wahrheitsfindung bei. Nur das malträtierte Opfer erinnerte sich an einige Details. Es kam bei der ungleichen Auseinandersetzung mit Prellungen, Schürfwunden und einem tiefblauen Auge glücklicherweise halbwegs glimpflich davon.

Jugendgerichtshilfe attestiert eine positive Sozialtendenz

Der Angeklagte, der vor vier Jahren mit Vater und Bruder nach Deutschland kam, nutzte die Integrationsangebote seiner neuen Heimat bisher nicht. Beim Berufsbildungswerk flog er mangels Anwesenheit raus. In schneller Folge folgten mehrere Jugendstrafen, häufig wegen Diebstahl. Vor einem Jahr fing sich der 20-Jährige endlich. Er arbeitet regelmäßig und hat eine eigene Wohnung und eine feste Freundin. Deshalb attestierte ihm die Jugendgerichtshilfe eine positive Sozialtendenz.

Im Gegensatz zum Strafgesetzbuch der Erwachsenen steht beim Jugendstrafrecht der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Ein Urteil soll dem jungen Angeklagten nicht die Zukunft verbauen. Nach diesem Prinzip urteilte auch das Jugendschöffengericht. Der beteiligte 17 Jahre alte Freund des Angeklagten kam mit einer Verwarnung und 40 gemeinnützigen Arbeitsstunden davon.

Der 20-Jährige erhielt wegen gemeinschaftlichen Diebstahls eine zehnmonatige Jugendstrafe auf Bewährung. Dieser Schuldspruch schließt auch einen Diebstahl in neun Fällen, Schwarzfahren, eine gefährliche Körperverletzung und eine Sachbeschädigung ein. Dazu hat der Verurteilte mehrere Auflagen zu erfüllen. Er muss 250 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Weitere 500 Euro sind als Schadenersatz an eine bestohlene Kosmetik-Kette abzuführen. Außerdem hat er dem Gericht drei Termine bei der Drogen- und Suchtberatung nachzuweisen. Auch bei der lokalen Schuldnerberatung muss der Norderstedter vorsprechen.