Norderstedt
Kiel/Trappenkamp

Dreieinhalb Jahre Haft für Selbstjustiz, Betrug und Gewalt

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht (Symbolbild).

Justizbeamte stehen im Gerichtssaal im Landgericht (Symbolbild).

Foto: Christian Charisius / dpa

Angeklagter griff zwei angetrunkene Handwerker an, die seine verschleierte Frau beleidigt hatten.

Kiel/Trappenkamp.  Vor dem Kieler Landgericht wurde der Prozess gegen einen 25-Jährigen aus Trappenkamp fortgesetzt. Der streng gläubige Moslem hatte, angeblich zur „Rettung der Ehre“ seiner verschleierten Frau, ein mehrköpfiges Rollkommando gegen Handwerker in Gang gesetzt (wir berichteten).

Doch die Anklage umfasst auch weitere Taten: Als Eintreiber angeblicher Schulden soll der Angeklagte einem Zeugen das Gesicht zerschnitten, als Serienbetrüger soll er er Senioren um Ersparnisse gebracht haben. Die Anklage fordert dreieinhalb Jahre Haft für den türkischen Staatsbürger aus Trappenkamp.

Die Vergeltungsaktion wegen der Beleidigung seiner voll verschleierten Frau geschah im Juni 2016. In einem Auto vor einem Supermarkt in Neumünster wartete sie auf ihren Mann. Zwei angetrunkene Handwerker sollen die Frau mit Gesten verspottet haben. Als der Angeklagte seine Frau „verängstigt und ganz aufgelöst“ antraf, griff er die Männer an. Er setzte Frau und Kind zuhause ab, kehrte um und verfolgte den Pritschenwagen der Handwerker.

Angeklagter telefonierte Verstärkung herbei

Unterwegs telefonierte er ein halbes Dutzend Landsleute als Verstärkung herbei. Mit den Worten „Wo ist der, der meine Frau beleidigt hat?“ ging der Angeklagte auf zwei Zeugen los. Für den „Angriff aus übersteigertem Geltungsbewusstsein“ fordert die Staatsanwältin sechs Monate – die Mindeststrafe für gefährliche Körperverletzung. Der Verteidiger nennt „das Motiv für eine Art Selbstjustiz nachvollziehbar“. Seine Forderung: 90 Tagessätze Geldstrafe.

14 Monate Haft wurde für die „Bestrafungsaktion in Eigenregie“ im März 2017 gefordert, als er einen Mann mit dem Messer entstellte und durch einen Bauchstich fast tötete. Einbezogen werden muss von der Strafkammer eine bereits rechtskräftige Freiheitsstrafe: Weil der Angeklagte im Frühjahr 2018 als Teil einer Bande Senioren um Summen bis 8450 Euro geprellt hatte, wurde er in Baden-Württemberg zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Etwa 15.000 Euro, die er ergaunerte, muss er zurückbezahlen.