Norderstedt
Kreis Segeberg

Sozialdienst für Erwachsene – Nachfrage ist groß

Fachdienstleiterin Katja Lohmeier (von links) und die Sozialpädagoginnen  Kerstin Schwarzloh, Annina Budnick und Dörte Meyer.

Fachdienstleiterin Katja Lohmeier (von links) und die Sozialpädagoginnen Kerstin Schwarzloh, Annina Budnick und Dörte Meyer.

Foto: Kreis Segeberg

Die Sozialpädagoginnen des Kreises Segeberg helfen Menschen unter anderem bei Alltagsproblemen, Sucht und chronischen Erkrankungen.

Kreis Segeberg.  Nach mehr als 40 Jahren Ehe ist ihr Mann für immer gegangen. Nur schwer kann sie den Tod dieses geliebten Menschen aushalten. Sie fühlt sich allein, und für notwendige Formalitäten wie Rentenversicherung, Bankgeschäfte und Mietvertrag fehlt ihr die Kraft. „In solchen Situationen hilft es, wenn jemand da ist, der weiß, was jetzt zu tun ist“, sagt Katja Lohmeier, Fachdienstleiterin der „Betreuungsbehörde, Erwachsenen-Sozialdienst“.

Seit einem Jahr bietet der Kreis Segeberg den Sozialdienst für Erwachsene an – und die Nachfrage ist groß. 2017 hatte die Kreispolitik beschlossen, 200.000 Euro für das Pilotprojekt zur Verfügung zu stellen, das zunächst drei Jahre lang laufen soll. Als es dann im Januar 2019 losging, war es ein Aufbruch ins Ungewisse. Ob Alltagsprobleme, Sucht, chronische Erkrankungen, psychische, finanzielle, soziale oder gesundheitliche Probleme: „Ziel ist es, Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten. Wir wollen, dass die Menschen wieder zufriedener werden und eigenständig ihr Leben meistern“, sagt Sozialpädagogin Kerstin Schwarzloh.

Das Angebot für alle Erwachsenen ist kostenfrei und vertraulich. Schwarzloh: „Wir stellen keine Forderungen, machen keinen Druck und verhängen keine Sanktionen – und dieses Konzept scheint aufzugehen.“

Im vergangenen Jahr hat das dreiköpfige Team des Erwachsenen-Sozialdienstes 252 Fälle betreut, wobei sich ein Viertel der Menschen aus eigenem Antrieb beim Sozialdienst meldete. 50 Fälle wurden über andere Fachdienste des Kreises vermittelt, 37 vom Jobcenter und 25 von den Ordnungs- und Sozialämtern der Kommunen. Die Altersverteilung schwankte dabei von 18 bis über 90 Jahre. Mal war es nur ein Telefonat, in anderen Fällen eine Unterstützung über mehrere Wochen oder Monate. In jedem Fall gilt es, schnellstmöglich zu helfen. „Wir erfahren sehr oft eine direkte Bestätigung. Sätze wie ‚Ich weiß gar nicht, was ich ohne Sie getan hätte‘ bekräftigen uns in dem, was wir tun“, sagt Sozialpädagogin Annina Budnick. Und anders als vielleicht vermutet, stehen rund 50 Prozent der Hilfesuchenden eigentlich fest im Leben und haben einen Job.

Ziel ist es, das Angebot kreisweit anbieten zu können

Während der dreijährigen Testphase steht der Erwachsenen-Sozialdienst ausschließlich Menschen offen, die aus Bad Segeberg, Wahlstedt oder den Ämtern Trave-Land, Leezen, Itzstedt, Boostedt-Rickling oder Bornhöved kommen. Rund 92.000 Einwohner leben in diesem Bereich. Aber auch aus anderen Regionen des Kreises gibt es Anfragen, „wobei wir diese im Moment leider nicht bearbeiten können“, erläutert Katja Lohmeier. „Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Und wir hoffen, dass wir unser Angebot nach der Pilotphase ausweiten und verstetigen können.“

Beratungen finden oft in den eigenen vier Wänden statt. Sie sind aber auch am Telefon oder in der Kreisverwaltung möglich. Das Team berät darüber hinaus auch Angehörige. Auch gibt es immer wieder Hinweise von Ärzten.

Mittlerweile erreichen den Fachdienst aus ganz Deutschland Anfragen von anderen Behörden zum Konzept. Der Kreis Segeberg war im vergangenen Jahr der erste in Schleswig-Holstein, der seinen Bürgern einen Sozialdienst dieser Art zur Verfügung stellte.

Einen direkten gesetzlichen Auftrag dafür gibt es aber nicht. Katja Lohmeier hält das Angebot dennoch für einen „Auftrag der kommunalen Daseinsfürsorge, den sich eine Gesellschaft ethisch und moralisch schlichtweg leisten muss“.